Hohenfels Kandidat Funk sucht die gemeinsame Meinung
Wahlkampf im Gemeindehaus Mindersdorf: Bürgermeisterkandidat Andreas Funk wirbt für die Überzeugungsarbeit in der Politik. Bild: bec
Drinnen im Gemeindehaus Mindersdorf dreht der Hohenfelser Bürgermeisterkandidat Andreas Funk die Heizung auf. Funk kennt sich offensichtlich mit den klimatischen Verhältnissen im Raum aus. Über die Jeans hat er modische und gefütterte Stiefel gezogen. Die Kälte zieht über den Fußboden von unten nach oben. Keiner der 16 Zuhörer auf den Stühlen zieht Jacke oder Mantel aus, nur Andreas Funk genügt um die Brust eine Weste für die nötige Betriebswärme. Er muss am meisten reden und das im Stehen.
Die Mindersdorfer machen es Andreas Funk nicht leicht an diesem Abend. Sie wollen von dem Kandidaten mehr wissen, als das, was er freiwillig preisgibt. Der Kandidat, der Kooperationen sucht und Kompromisse eingehen will, „weil das nötig ist“, reicht ihnen nicht. Sie wollen wissen, ob Funk ein Bürgermeister ist, der sagen kann, wo's lang geht. Die Fragen werden mit zunehmender Dauer beim so genannten „Vorstellungsgespräch“ schneidender. Die Fragen „Für was stehen Sie“ und „haben Sie auch eine eigene Meinung“ stehen so klar im Raum, dass der Kandidat Stellung beziehen muss: „Ich habe eine eigene Meinung“, stemmt sich Funk gegen den unausgesprochenen Vorwurf, er lege sich nicht fest. Dann beschreibt Funk, was seine Vorstellungen von einem politischen Amt sind: „Die Demokratie lebt vom Mitmachen und Rückmeldungen, ich bin konsensorientiert.“
Eine Übereinstimmung der Meinungen erreicht Andreas Funk an diesem Abend nicht. Zu deutlich sind die Unterschiede zwischen einigen, die da sitzen und glauben, ein Bürgermeister müsste sagen, da will er hin, dann würde der Gemeinderat schon folgen, und dem 45-jährigen Kandidaten, der da steht und in Gesprächen Kompromisse suchen will, „die unterm Strich positiv für Hohenfels ausgehen“.
In dieser Überzeugung lässt sich Andreas Funk nicht verbiegen. Er bleibt standhaft gegen die Versuchung, den Vertreter eines politisch harten Kurses zu mimen. Er gibt aber auch der anderen Versuchung nicht nach, zu allem Ja zu sagen. Nein, er werde nicht einem Chor beitreten, weil er als Familienmensch in seiner Freizeit den Vorrang bei seiner Frau und seinen zwei Kindern sieht. Aber: „Ich verspreche, in die Hauptversammlungen der Vereine zu gehen.“ Und nein, er habe noch keinen Bauplatz ausgesucht. Und ja, im Grunde sei er für eine Flurbereinigung in Hohenfels: „Doch dazu bedarf es noch viel Überzeugungsarbeit.“
Ob Andreas Funk die fünf Frauen und elf Männer an diesem Abend in Mindersdorf überzeugt hat? Der Kandidat hat ihnen am Ende noch eine Handlungsanleitung gereicht. Drei Dinge seien ihm vor dem zweiten Wahlgang am Sonntag wichtig. Ansichten würden sich ändern, sagt Funk und schiebt Punkt zwei und drei in den Vordergrund: „Die Frage ist, ob Sie mir das Bürgermeisteramt fachlich zutrauen und ob Sie mir menschlich trauen.“ Das sei der Schlüssel zur Wahl, glaubt Funk: „Vertrauen.“
In Mindersdorf hat Andreas Funk fast zwei Stunden um Vertrauen gekämpft. Obwohl es im Saal nie richtig warm geworden ist, hat zumindest der Austausch der unterschiedlichen Meinungen nicht darunter gelitten.
