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Gottmadingen Die Narren sind voll von der Rolle

21.02.2012
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Närrischer Frühschoppen in der Eichendorffhalle und die Gerstensackzunft übt fasnächtliche Rollenspiele

Hätte sich Angela Merkel mal nach Gottmadingen bequemt: Selten ist die Dichte an Präsidenten größer als zum traditionellen Rosenmontagsfrühschoppen der Gottmadinger Gerstensackzunft in der Eichendorff-Halle. Vereinspräsidenten, Zunftpräsidenten, Narrenpräsidenten und sogar ein kürzlich zurückgetretener Gemeindepräsident waren vor Ort, um die närrischen Rollenspiele zu verfolgen. Da wäre die Auswahl groß gewesen, um einen Bundespräsidenten zu finden. Doch das große Kandidatenkarussell kam einen Tag zuvor zum Stehen – und das nicht zuletzt, weil die FDP-Vertreter im Bund als Karussellbremser aktiv wurden und Joachim Gauck als geeigneten Kandidaten ausmachten.

Fast mochte man glauben, die liberale Landesvorsitzende Birgit Homburger hat das gemacht, um bloß nicht den närrischen Rosenmontagstermin zu verpassen. „Am Fasnetsuntig war ich nur am Telefon“, gestand sie in Gottmadingen. Doch rechtzeitig konnte sie sich von den Schaltkonferenzen loseisen, um als badisches Cowgirl die Karbatsche zu schwingen.

In der frisch getauften „Walter-Benz-Arena“ wurde Politik zum Possenspiel – und einzig Namensgeber Benz selbst hat mit Abwesenheit geglänzt. Er holt sich derzeit beim Karneval in Venedig Anregungen für die närrische Zukunft. Eine ganz naheliegende hatten die Gerstensack-Programm-Macher für Stefan Glunk von der Singener Poppele-Zunft. Sie stellten ihm einfach einen geklonten Zunftmeister zur Seite. Doch Gerstensack-Chef Peter Baur kam im ungewohnten Häs schnell ins Schwitzen, nicht erst als er zu singen beginnen sollte.

Dafür hatte der ehemalige Thaynger Gemeindepräsident Bernhard Müller guten Rat für amtierende und zukünftige Präsidenten: „Es ist besser, das politische Fenster zu schließen, bevor sie beginnen, dich abzuschießen.“

Der Blick in die Zukunft war an diesem Morgen in Gottmadingen allgegenwärtig: Eine Lehrstunde in Karriereplanung musste Peter Friedrich, seines Zeichens Landesminister für Bundes- und Europaangelegenheiten, dem Landtagsabgeordneten Hans-Peter Storz erteilen. Die närrische Bilanz von Moderator Christoph Graf war kurz: Durch Schleimen und Biertrinken kommt man mit den Schnecken der Gerstensackzunft am schnellsten auf die Regierungsbank. „Und wenn Stuttgart endlich unterirdisch ist, machen wir Gottmadingen zur Landeshauptstadt“, versprachen Storz und Friedrich im Gegenzug.

Den Schluss- und Höhepunkt setzte Andreas Jung, der das närrische Rollenspiel auf die Spitze trieb. Mit Gerstensack-Raketenrucksack wollte er seine Karriere in ungeahnte Höhen treiben. Doch schnell war klar: Als Präsident ist Jung zu jung, als „Wetten, dass…“-Moderator nicht schön genug. Bleibt nur noch eins. „In Gottmadingen sind doch bald Bürgermeisterwahlen?“, erkannte Jung. Da jubelte sogar Amtsinhaber Michael Klinger: „Endlich eine echte Herausforderung.“

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