Gailingen Verena Bentele sportlich und privat

Die blinde Sportlerin macht Mut im Hegau Jugendwerk in Gailingen. Zwölf Goldmedaillen hat sie bei den Paralympics trotz ihres Handycaps gewonnen.

Ausgerechnet eine blinde Profisportlerin wählt sich für ihren Vortrag im Hegau-Jugendwerk den Titel: „Gute Aussichten“. Die 31-jährige mehrfache Paralympics-Goldmedaillen-Gewinnerin Verena Bentele (31) war auf Einladung des „Vereins der Freunde der Hegau-Jugendwerk GmbH“ nach Gailingen gekommen. Danach waren sich die Zuhörer einig: Unglaublich, was die blind Geborene geschafft hat.

Zunächst sprach sie mit Patienten und Rehabilitanden. Sie will die Menschen motiverien, ihnen Mut machen: „Im Vordergrund soll immer stehen, was man kann – und nicht, was man nicht kann!“ Ihr gefiel, dass die behinderten Kinder offen über ihren Kummer sprachen, zum Beispiel, wie sie gehänselt würden und dass sie offen Fragen stellten; „Hast Du einen Freund“?

Sie erzählte spannend und souverän von ihren Erlebnissen als Blinde – „hell und dunkel kann ich unterscheiden“ – und von ihren sportlichen Erfolgen, fachmännisch moderiert von Andreas Schuler, Regional-Reporter und langjähriger SÜDKURIER-Sportredakteur.

Privates machte den Vortrag besonders interessant. Schon als Kind habe sie die Bewegung geliebt und immer versucht, ihre Grenzen auszutesten. Sie sei zum Beispiel mit ihrem ebenfalls blinden Bruder aufs Dach geklettert, zum Glück sei nichts passiert. „Gut, dass unsere Eltern das nicht wussten.“ Ihre Brüder sind Rad gefahren, also wollte sie das auch – mit dem Tandem. Dann habe sie mit Judo angefangen und dabei Durchhaltevermögen geübt und gelernt, dass man Respekt vor dem Gegner zeigen muss.

Schließlich habe sie mit dem Skilaufen begonnen. Langlauf war ihr zunächst nicht schnell genug, „Langlauf machte meine Oma!“, das war etwas für alte Leute.

Schließlich habe sie sich dann doch dazu entschlossen. Skilaufen geht nur mit einem Begleitläufer, das erfordere große Konzentration, um die differenzierten Anweisungen genau zu befolgen und vor allem, „Ich muss volles Vertrauen haben“.

Grenzen austesten und erweitern sei weiter für sie wichtig gewesen. Biathlon war die Steigerung. Aber wie kann man als Blinde schießen? Infrarot-Strahlen werden in Töne umgewandelt, der höchste Ton kennzeichnet das Zentrum „10“ auf der Schießscheibe. Verena Bentele wurde durch zähes Training mit viel Ausdauer zwölffache Paralympic-Siegerin, fünf der 12 Goldmedaillen erzielte sie 2010 in Vancouver.

Aber sie wollte mehr: Sie nahm am Rad-Marathon in Norwegen teil: 540 Kilometer von Trondheim nach Oslo an einem Tag, in 22.54 Stunden (ohne zu schlafen). Und – sie bestieg den Kili mandscharo, begleitet durch eine Freundin, zusammen mit einer Gruppe, eine große Herausforderung. „Manchmal ist es auch gut, wenn ich nicht sehen kann, was mich erwartet.“

„Nebenbei“ studierte sie Sprachwissenschaften und Pädagogik und Neue Deutsche Literatur, sie höre gerne und oft Hörbücher, zum Beispiel während des Laufband-Trainings.

Verena Bentele begeisterte durch ihr spannendes, unterhaltsames Erzählen, „Ich könnte noch stundenlang zuhören“ war der Kommentar vieler Besucher. Sie hatten lernen können, dass Durchhalten sich lohnt.


Zur Person

Verena Bentele, geboren 1982 in Lindau, aufgewachsen in der Nähe von Tettnang. Wintersport-Paralympics: Goldmedaillen: 1998 Nagano: Biathlon 1, 2002 Salt Lake City: Biathlon 1, Langlauf verschiedene Distanzen 3, – 2006 Turin: Biathlon1, Langlauf 1, 2010 Vancouver: Biathlon2, Langlauf 3, dazu mehrere Silber und Bronze-Medaillen, bei Weltmeisterschaften zusätzlich viermal Gold. Dazu weitere Auszeichnungen. 2011 erklärte sie das Ende ihrer sportlichen Karriere. Verena Bentele beschäftigt sich heute in der Politik. (pio)

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