Gailingen Gegen Rassismus, Fremdenhass und Vergessen
13.02.2012
Auf Einladung der SPD Gailingen und der Jusos Hegau-Höri kamen über 30 Bürger zu einer von Joachim Klose geführten Besichtigung des jüdischen Museums und des jüdischen Friedhofs in Gailingen. „Heute lebt in Gailingen kein Jude mehr“, berichtete René Frey von der SPD Gailingen zu Beginn der Veranstaltung. Dabei lebten im 19. Jahrhundert zeitweise viele Juden und Christen in Gailingen. Joachim Klose vom Verein für jüdische Geschichte Gailingen präsentierte die jüdische Geschichte der Hochrheingemeinde. Erstmals urkundlich erwähnt, wurden Juden im Jahr 1653. Von 1870 bis 1884 war der Jude Leopold Hirsch Guggenheim Bürgermeister der Hochrhein-Gemeinde.
Zu Beginn der 1930er Jahre traten die Gailinger Juden der NSDAP selbstbewusst entgegen. „Es ist überliefert, dass Juden Parteiveranstaltungen der NSDAP besuchten und sich aktiv an den Diskussionen beteiligten. So konnten sie die ein oder andere Versammlung sprengen“, so Klose. Dies konnte nicht verhindern, dass in der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Gailingen jüdische Geschäfte und Synagogen von SS-Kommandos zerstört und abgebrannt wurden.
Am 22. Oktober 1940 endete die jüdische Geschichte Gailingens. An diesem Tag wurden 218 Gailinger Juden in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich deportiert. In den ersten Monaten starben 30 Prozent der Gailinger Juden in den Internierungslagern. Viele wurden später in die Vernichtungslager in Osteuropa deportiert. Nur wenige Gailinger Juden überlebten den Holocaust. „Die Geschichte Gailingens mahnt uns in jeder Situation gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus einzutreten“, resümierte der Sprecher der Jusos Nicolas Schlegel.
