Gaienhofen Von wegen armes Würstchen
Wienerle, auch Saiten genannt, gehören zu den beliebtesten Würsten. Bild: dpa
Die Herstellung von Würsten war schon den Sumerern bekannt. In einem der ältesten überlieferten Kochbücher von Athenäus (um 500 v. Chr.) hat Apimarchus Würste erwähnt und darüber das Volksstück „Die Wurst“ geschrieben. Darin machen sich die Athener über die Wurst und die Würstchen lustig. Ein Spartaner hatte die Idee, die Bestandteile der berühmten und zugleich auch berüchtigten schwarzen Blutsuppe (Schweineblut, Zwiebeln und Speck) in Därme zu füllen. Dies war die Geburtsstunde der Blutwurst, der heutigen Schwarzwurst. Obwohl auch die Spartaner über die Wurst spotteten, machte es ihnen offensichtlich Vergnügen, damit zu spielen. Es ist überliefert, dass man Würste an die Decke des Speisesaales aufhängte und die Anwesenden mit dem Munde nach ihnen schnappten, um sie anschließend mit Hochgenuss zu verspeisen.
Auch im sinnenfreudigen Rom aßen die Bewohner der Stadt traditionell Würste bei den Lupercalia, einem Fest der Liebe, das alljährlich am 15. Februar zu Ehren des Gottes Faunus gefeiert wurde. Die ausschweifenden und heidnischen Umtriebe des Festes waren den frühen Christen ein Ärgernis, und unter Kaiser Konstantin wurde der Genuss von Wurst – insbesondere der Blutwurst – den Christen verboten und mit harten Körperstrafen und Abscheren des Haupthaares bestraft. Dennoch scheinen Würste sehr beliebt gewesen zu sein, denn die begehrten, aber verbotenen Produkte wurden auf dem Wurstschwarzmarkt heimlich unter der Hand verkauft.
Im Mittelalter spielten Fleisch und Wurst in den Städten eine große Rolle. Metzgerzünfte stellten gerne ihre selbstgemachten, möglichst langen Würste auf Umzügen vor. Im Jahre 1583 präsentierten Metzger in Königsberg eine 360 Meter lange Wurst, die 434 Pfund wog. Dem vordersten und dem letzten Träger war die Wurst ein paar Mal um den Hals gewickelt, der Wurstzipfel aber hing ihnen als Zopf über den Rücken herab.
Würste waren immer beliebt und wurden und werden gerne gegessen. Auch im Pfarrhaus empfand man große Wurstsympathie, und mancherorts wurden die Würste sogar geweiht. Diese Amtshandlung bezahlte man selbstverständlich in Würsten. Als die Bauern eines Kärntner Dorfes die Zahlung verweigerten, stürmte Hochwürden erbost die Wurstküche und trug seinen Lohn mit Gewalt davon, eskortiert von der Köchin, die schrie: „Keine Wurst – keine Weihe!“
