Gaienhofen Gregorianische Klänge in der Melanchtonkirche

Das Collegium vocale Bochum um den ehemaligen Schloss-Schüler Hans Jaskulsky, die Südwestdeutsche Philharmonie und der Organist Roland Uhl bieten ein besonderes Programm in der Melanchtonkirche

Ein Heimspiel für Hans Jaskulsky, dem ehemaligen Schüler der Evangelischen Schule Schloss Gaienhofen in der Melanchtonkirche. An die 50 Zuhörer besuchten das Konzert „Heimkehr“ des Collegiums vocale Bochum, der Südwestdeutschen Philharmonie und des Organisten Roland Uhl. Er dirigierte die Musiker zurückhaltend und intuitiv in der hervorragenden Akustik der Kirche.

Mit einem typischen gregorianischen unisono Männerchor eines anonymen Komponisten wurde das Konzert eröffnet. Es erklangen dann Chorwerke der Renaissance von Heinrich Schütz und Johann Hermann Schein. Die Werke von späteren Komponisten, wie Wolfgang Amadeus Mozart, Anton Bruckner, Karl Schmider und von Maurice Duruflé sind teilweise Hommagen an die Gregorianik. Deren oft geringer Tonumfang, häufige Tonwiederholungen und lange Notenwerte erhielten durch die heutigen Instrumente und die dissonanten Klängen der Moderne ihren besonderen Reiz.

Gregorianische Klänge vermitteln oft eine feierlich-besinnliche, aber auch strenge Stimmung. Gerade Maurice Duruflé – einem Komponisten des 20. Jahrhunderts – gelang es in seinem Requiem diese Strenge aufzuheben. Vom Intro bis zum Libera me zog sich der experimentelle Charakter des Werks: Da sang der Chor „gegen“ die wellenförmigen Läufe der Streicher. Im Kyrie steigerten sich Chor, Bläser und Orgel in der Lautstärke zum Schluss hin. Das Sanctus wiederum erklang mit den tiefen Bläsern und den Frauenstimmen schon fast überirdisch. Als die Männerstimmen unisono einsetzten – begleitet von den Streichern auf einem Ton spielend – wird die Stimmung unheimlich. Es erinnert an spannende Filmmusik. Roland Uhl, seines Zeichens Organist, Chorleiter und Korrepetitor auf der Insel Reichenau, setzte hier mal mit dem „eintönigen“, mal mit dem perlende Orgelspiel besondere Akzente.

Am Schluss erreicht der Satz im Sancta in excelsis seinen großen und lauten Höhepunkt. Die feierliche Totenmesse entpuppte sich spätestens hier als ein spannendes Werk der Moderne. Roland Uhl spielte zwei Orgelwerke des Zeitgenossen Karl Schmider, der bei dem Konzert anwesend war. Hier war es eine hohe Kunst immer wieder die Register im Spiel zu wechseln. Das Vokalstück Os justi – der Mund des Gerechten – von Anton Bruckner in einer Kirchentonart lebt vor allem von der Dynamik in den langgezogenen leicht dissonanten Tönen. Der Chor interpretierte die Crescendi so differenziert, dass es knisterte. Das Lex dei stieg auf und schien in diesem Moment den Himmel mit der Erde zu verbinden.

Großen Beifall klatscht dann sogar das Orchester. In dem Renaissance-Stücke „Die mit den Tränen säen“ von Hermann Schein greifen die verschiedenen Stimmen immer wieder locker und spielerisch ineinander – man fühlt sich an die spätere Fugen-Technik von Bach erinnert. Ein besonderes Konzert auf höchstem Niveau, das leider zu wenig besucht war.

Die Musiker

Die Idee zu dem Konzert „Heimkehr“ hatten Hans Jaskulsky und Roland Uhl. Beide kennen sich schon länger und planten ein gemeinsames Konzert am Bodensee mit Chor, Organist und Orchester. Hans Jaskulsky war ehemaliger Schüler der Evangelischen Schlossschule Gaienhofen und studierte und promovierte in Frankfurt am Main Musik. Er gründete 1991 das Collegium vocale Bochum – ein Chor, der aus 35 ausgewählten Stimmen besteht. Roland Uhl studierte in Karlsruhe und Trossingen Musik und ist seit 2008 Münsterkantor auf der Insel Reichnau. Die Südwestdeutsche Philharmonie ist ein professionelles Orchester aus Konstanz mit 60 festangestellten Musikern. (chg)

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