Im Mai 2009 hat der Caritasverband den integrativen Hotel- und Gaststättenbetrieb Seehörnle in Horn übernommen. Neue Hotelmanagerin wurde Franziska Ehret. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER spricht die quirlige 29-Jährige über das Aufräumen von Altlasten, die Arbeit mit Behinderten und wie das Seehörnle zukünftig schwarze Zahlen schreiben soll.
Frau Ehret, seit einem guten halben Jahr führen Sie nun das Seehörnle: Wie läuft es denn inzwischen?
Gut. Im November und Dezember lief es sogar überraschend gut, der Januar und Februar sind naturgemäß ruhiger. Das Jahr hat aber mit dem Neujahrsbrunch mit 80 Reservierungen schon einmal vielversprechend angefangen.
Hatten Sie denn viele Altlasten nach Ihrem Antritt im Juni zu versorgen?
Ich musste mir natürlich zuerst einen Überblick verschaffen und aufräumen. Zudem sind wir mitten in der Saison eingestiegen – da muss man erstmal überleben. Um den Betrieb zu erhalten, waren gewisse Umstrukturierungen nötig. Wir sind noch auf der Suche nach unserer Nische. Einer Nische, die zu uns passt und vor allem zu dem, was wir mit den behinderten Mitarbeitern leisten können.
Also keine Gourmetküche und große Gala-Empfänge?
Nein. Wir wollen mit den Mitarbeitern trotzdem etwas bewegen. Das war schon eine Umstellung – aber man darf Behinderte auch fordern. Vom Angebot her müssen wir den Spagat schaffen zwischen dem Fahrradtouristen auf Kurzurlaub, den Einheimischen und den gutsituierten Ferienwohnungsbesitzern von der Höri.
Denken Sie, dass es für manche Gäste immer noch abschreckend ist, auf Behinderte zu treffen?
Ja, leider. Wir erleben aber auch die nächste Stufe der Integration, wenn sich unsere Gäste mit den Mitarbeitern beschäftigen – das ist toll. Auch für die Mitarbeiter: Sie sind nicht in einer geschützten Werkstatt, sondern auf dem ersten Arbeitsmarkt. Das ist das echte Leben. Manchmal frage ich mich auch, wer integriert werden muss: die Behinderten oder die nicht Behinderten?
Für den Caritasverband ist das Betreiben eines Hotelbetriebs ja eine neue Aufgabe. Wie viel Mitsprache hat der Verband im Tagesgeschäft?
Wir haben hier viele Freiheiten, aber natürlich wird kritisch nachgefragt. Neue Ideen werden unterstützt.
Ziel ist aber schlussendlich wirtschaftliche Tragbarkeit. Wie weit sind Sie davon noch entfernt?
Wir müssen auf eine schwarze Null kommen, das ist die Vorgabe. Und es sieht ganz gut aus. Deswegen hat der Aufsichtsrat meinen Vertrag verlängert.
Stand das zur Debatte?
Natürlich wurde Ende 2009 überprüft, ob sich der Betrieb lohnt, welche Maßnahmen ergriffen wurden und ob diese greifen.
Wie wollen Sie denn auf die schwarze Null kommen?
Wir wollen verstärkt in den Tagungsbereich gehen. Da hilft uns auch das große Netzwerk der Caritas. Wir sind den Caritas-Tagungshäusern beigetreten und werden uns dieses Jahr dem Hotelverbund Embrace anschließen, in dem sich integrative Betriebe zusammengefunden haben. Außerdem haben wir bereits kleinere Änderungen durchgeführt: Der Zaun am Radweg ist weg, damit Touristen uns überhaupt sehen. Die Außenanlage ist neu bepflanzt, das Hotel gestrichen, die Einrichtung freundlicher – das Seehörnle ist etwas Modernes, Junges. Wir müssen aber vor allem Werbung machen, damit die Leute wissen, was hier geboten ist. Viele Nachbarn wussten das ja nicht einmal.
Fragen: Anja Arning