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Engen Tränenreicher Abschied: Eine Engener Krankenhaus-Ära endet

Seit Montag gibt es in Engen keine Krankenhaus-Stationen mehr für die medizinische Grundversorgung. Die Abteilungen Geriatrie, Innere Medizin und Chirurgie sind nach fast 130 Jahren ausgezogen. Schweren Herzens verabschiedeten sich die gut 40 Beschäftigten von ihrer alten Arbeitsstätte.

Eine Ära ist vorbei. Das Engener Krankenhaus als medizinische Grundversorgung gibt es seit Montag nicht mehr. Fast genau 130 Jahre nach Gründung des Engener Hospitals haben alle Stationen, Altersmedizin, Innere Medizin und Chirurgie geschlossen. Die Altersmedizin, die den Hauptteil der 40 Betten belegte, zieht nach Radolfzell um, wo der Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz als Träger der Häuser ein geriatrisches Zentrum einrichtet. Die wenigen Betten der Inneren Medizin und Chirurgie werden in das Hegau-Klinikum Singen verlegt. Auch die gut 40 Beschäftigten müssen ihren Standort wechseln und ihre Tätigkeit in Singen und Radolfzell aufnehmen.
 

„Viele weinten beim Auszug, da manche schon über 30 Jahre im Engener Krankenhaus arbeiten und sich mit diesem sehr verbunden fühlten“, schildert Erika Frtischi vom Vorstandsteam des Unterstützungsvereins Krankenhaus Engen. „Ich selbst konnte mir die Tränen kaum verkneifen. Wir haben uns mit viel Herzblut stets stark für das Engener Krankenhaus eingesetzt“, betont Erika Fritschi. „An die 30 zustimmende Briefe von Bürgern aus Engen habe ich nach einem SÜDKURIER-Artikel erhalten, in dem wir die Vorgehensweise der Geschäftsführung und des Aufsichtsrates des Gesundheitsverbundes scharf kritisierten“, schildert Erika Fritschi.
 

„Die Geschäftsführung hat uns nachträglich die Entscheidung der Schließung aller Engener Stationen mit wirtschaftlichen und personellen Zwängen begründet. Doch wir sind nach wie vor sehr verärgert darüber, dass Stadt, Unterstützungsverein und Mitarbeiter als direkt Beteiligte nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt wurden, ohne nach Alternativen zu suchen“, erklärt Jürgen Stille, Vorsitzender des Unterstützungsvereins Krankenhaus Engen.
 

Trotz der Schließungen wolle der Verein aktiv bleiben und den weiteren Verlauf begleiten. Dabei gehe es vor allem um den Erhalt und eine möglicherweise Ausweitung der verbliebenen medizinischen Angebote im Krankenhaus Engen, wo es noch Leistungen des Medizinischen Versorgungszentrums des Verbundes gibt wie ambulantes Operieren sowie niedergelassene Praxen. „Es wird auch noch diskutiert, ob die Stadt Engen das Krankenhaus wieder in Eigentum bringen will“, so Stille.
 

„Das Inventar wurde gestern unter Tränen aufgelöst“, sagt Bertold Heisner, der sich seit seiner Gründung vor fast 25 Jahren engagiert im Unterstützungsverein für das Krankenhaus einsetzt. Er habe mit anderen Mitgliedern vom Verein gespendete Gegenstände, wie ein Flachbildschirm und Mobiliar eines nun nicht mehr benötigten Aufenthaltsraumes, zum Flüchtlingsheim Badischer Hof transportiert.
 

„ Wir sind bei der Verlegung der letzten Patienten sehr wehmütig geworden“, bekennen die Schwestern der Station, die aber nicht namentlich genannt werden wollten. Sie werden alle in den Häusern Singen und Radolfzell übernommen.
 

Trost spendete ihnen gestern der letzte langjährige Chefarzt der Inneren Abteilung, Helmut Ritschel. „Heute endet die 130-jährige Geschichte des Krankenhauses Engen“, berichtet Ritschel. „Auch mir ist das Herz schwer, verbindet mich doch nicht nur eine lange und erlebnisreiche Zeit mit dem Krankenhaus. Ich habe in Engen als Chefarzt viel für meine Patienten tun können“, betont er. „Es werden unvergessene Tage bleiben. Ich sehe die wirtschaftliche Notwendigkeit der Zusammenlegung mit Radolfzell. Aber die mangelnde Einbindung der beteiligten Menschen in den Prozess verärgert mich auch ein wenig“, erklärt Ritschel.

 

Das Engener Krankenhaus

Das Engener Krankenhaus wurde am 27. März 1885 eröffnet. Es zogen vier Schwestern, ein Arzt und 60 Pflegebefohlene in das Haus ein. 100 Betten standen zur Verfügung. Zwischen 1914 und 1915 wurde das Krankenhaus während des Ersten Weltkrieges zum Lazarett. 1930 war der Anbau an das bestehende Gebäude fertig gestellt. Auch während des Zweiten Weltkrieges diente das Krankenhaus als Lazarett für verwundete Soldaten. Dem Engener Krankenhaus drohte mehrfach die Schließung. Zuletzt konnte 1998 eine Fusion mit dem Hegau-Klinikum Singen das Aus verhindern. In Engen wurde ein medizinisches Versorgungszentrum aufgebaut. Vor einigen Jahren gingen die Hegau-Bodensee-Hochrhein-Kliniken in den Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz über. Das Haus Engen sollte Schwerpunkt der Altersmedizin/Geriatrie werden. Nach dem Beschluss des Aufsichtsrates, der mit wirtschaftlichen und personellen Gründen gerechtfertigt wurde, gibt es nun in Radolfzell ein Geriatrie-Zentrum. (bit)

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