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Engen Neue Details: Jäger schoss durch Zaun auf Engener Bad-Gelände

Eine Kugel des Jägers, der am Sonntag im Engener Erlebnisbad gesichtet wurde, ist im Bad-Gelände gelandet. Das ergeben SÜDKURIER-Recherchen vor Ort. Die Polizei bestätigt das.

Der Jäger habe von außerhalb des Bades durch einen Zaun auf einen Fuchs geschossen, dem er nachgestellt sei. "Der Schuss ist meines Wissens höchstens einen Meter neben dem Zaun eingeschlagen", erklärt Polizeisprecher Bernd Schmidt. Nach den bisherigen Erkenntnissen ging die Polizei davon aus, dass der Schuss außerhalb des Badegeländes gefallen ist. Der Vorfall löste große Unsicherheit und Verwirrung unter den Badegästen aus, zumal der Jäger in millitärähnlicher Tarnkleidung auf dem Schwimmbad-Areal mit dem Gewehr unterwegs war, um dem Fuchs nachzustellen.

Bademeister Roland Kapitel, der am Montag abwesend war, kann über das Geschehen hautnah berichten. "Der Jäger hat direkt am Zaun stehend durch diesen hindurch in das Badegelände geschossen, um den Fuchs zu treffen. Das gelang ihm aber nicht. Etwa 30 bis 40 Meter weg befanden sich Badegäste", schildert Kapitel. Der Jäger habe dann auf dem Badegelände versucht, dem Fuchs weiter nachzustellen. Der Mann sei über ein von ihm geöffnetes Zauntor dorthin gelangt.

Unverständnis über Verhalten des Jägers

"Als mir das bekannt wurde, habe ich sofort eingegriffen und den Mann aufgefordert, das Schwimmbad-Areal schleunigst zu verlassen", so Kapitel. "Der Jäger zeigte sich sehr uneinsichtig. Ich machte ihm unmissverständlich klar, dass ich ihn notfalls gewaltsam zwingen werde, das Gelände zu verlassen", so Kapitel. Er habe sich zu einer solchen Maßnahme veranlasst gesehen, weil viele Badegäste durch den Auftritt des Jägers und seine vorige Schussabgabe verängstigt worden seien. "Einige Familien haben fluchtartig ihren Liegeplatz verlassen", sagt Kapitel.

"In einem Kioskraum hielt ich den Mann fest, bis Beamten der Kriminalpolizei kamen", erklärt er. "Ich kann auch nicht verstehen, dass der Jäger den Fuchs auf einem Nachbargrundstück zuerst aufgesucht hat, bevor das Tier unter einen Zaun auf die Schwimmbad-Wiese gelangt ist", so Kapitel. "Füchse sind menschenscheu. Das Tier hätte sich früher oder später wieder verzogen", betont der Bademeister mit Bezug auf dessen großer Naturverbundenheit.

"Die Kripo muss den Vorfall noch genauer ermitteln. Auch die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet. Über rechtliche Konsequenzen für den Jäger, wie eine mögliche Abgabe des Jagdscheins oder strafrechtliche Folgen, kann die Staatsanwaltschaft zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts sagen", so Polizeisprecher Schmidt.

"Den Fall kann ich nicht beurteilen, weil ich ihn nicht direkt kenne", erklärt Kreisjägermeister Hans-Peter Störzer. "Unsere Jäger handeln in aller Regel strikt nach den strengen Jagdgesetzen und Sicherheitsbestimmungen. Sie sind in Baden-Württemberg bestens ausgebildet", berichtet er. Ein Problem sei, dass Tiere, wie Füchse und Wildschweine, immer mehr in Wohngebiete drängten. "Das liegt vorwiegend an den Menschen, da sie die Tiere mit massenweise Bio-Abfällen, Kompost oder Tierfutter unbewusst anlocken. Dazu kommen die sprunghafte Vermehrung und Überpopulation von Füchsen und Wildschweinen", ergänzt er.

"Jäger dürfen und sollen auch dann in befriedeten Arealen, wie in Wohngebieten, Tiere erlegen, wenn sie krank oder verletzt sind. Das geschieht zum Schutz der Tiere und der Menschen. Solche Aktionen müssen aber streng von der Polizei begleitet werden", so Störzer.

Und wie bewertet das Kreisjagdamt das Geschehen? "Eventuelle Konsequenzen für den Jäger hängen vom Ergebnis der Ermittlung des Sachverhalts ab", schildert Pressesprecher Benedikt Graf. Grundsätzlich sei die Entziehung eines Jagdscheins und in der Konsequenz auch der Widerruf der Waffenbesitzkarte immer dann möglich, wenn die Zuverlässigkeit eines Jägers nicht mehr gegeben ist.

Das geschah vorher

Ein Anlieger des Erlebnisbades hat am Sonntag die Polizei angerufen, weil er einen kranken oder verletzen Fuchs in seinem Schopf entdeckte. Die am Wochenende im Einsatz befindliche Singener Polizei verständigte daraufhin den für das Gebiet zuständigen Jagdpächter. Zeugen, die weitere Aufschlüsse über den Vorfall geben können, bitte beim Polizeiposten Engen, (07733) 9409-0, melden.

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