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Engen Engener Krankenhaus droht Kahlschlag

Der Gesundheitsverbund Landkreis Konstanz verlagert die Geriatrie des Engener Krankenhauses ins Radolfzeller Klinikum, wo ein neues Zentrum für Altersmedizin entstehen soll. Damit droht neben dem Wegfall der Geriatrie, die ein Großteil der 40 Betten im Engener Krankenhaus belegt hat, auch die Schließung der Abteilungen Innere Medizin und Chirurgie.

Peter Fischer, der für Singen, Engen und Radolfzell zuständige Geschäftsführer des Gesundheitsverbundes, hat die Beschäftigten der Engener Abeilungen bereits über die Schließungen, die ab Mai geplant sind, informiert. Alle 40 Beschäftigten sollen in den Klinik-Standorten Singen und Radolfzell übernommen werden. „Aus wirtschaftlichen und strukturellen Gründen werden die Geriatrie-Abteilungen in Konstanz und Engen nach dem Beschluss des Aufsichtsrates in Radolfzell zusammengelegt“, begründete Fischer den Schritt. Da ohne Geriatrie derzeit nur noch fünf bis sechs Betten belegt seien, beabsichtige der Verbund, auch diese in andere Häuser zu verlagern. „Alles andere wäre nicht tragbar. Wir hätten alle Stellen in Radolfzell und Engen doppelt besetzen müssen. Das wäre wirtschaftlich nicht zu verantworten und würde auch zu Lasten einer qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung gehen“, betont Fischer.

„Wir haben für Engen größte Probleme, qualifiziertes Personal, vor allem bei den Ärzten, zu finden. Gerade junge Mediziner wollen in größeren Häusern tätig werden, wo sie auch Entwicklungschancen haben“, erklärt Landrat Frank Hämmerle. „Der Personalrat, der die Stimmung in Engen ausgelotet hat, ermunterte uns ausdrücklich zu diesem Schritt“, betont er. „Weitere strukturelle Veränderungen werden im Gesundheitsverbund notwendig sein, um eine gute und wirtschaftliche Versorgung zu gewährleisten“, so Hämmerle.

Das Medizinische Versorgungszentrum mit einer Kinderarztpraxis und einem Chirurgen soll genauso seine Dienstleistungen weiter anbieten, wie die im Engener Klinikum niedergelassenen drei Fachärzte, berichtet Peter Fischer. „Wir streben in diesen Bereichen eine medizinische Ausweitung an“, sagt er. Auch die zwei modernen Operationssäle des Gesundheitszentrums sollen weiter genutzt werden.

Bürgermeister Johannes Moser und Vertreter des Gemeinderates zeigten sich enttäuscht über die Entscheidung. Sie sehen die Zukunft des Engener Krankenhauses als stark gefährdet an. „Noch vor zwei Jahren sollte Engen Geriatrie-Schwerpunkt werden, um auch die Zukunft des Krankenhauses langfristig zu sichern“, so Johannes Moser. „Wir bedauern diese Entwicklung sehr. Der Erhalt des Engener Krankenhauses war in der Bevölkerung immer ein sehr emotionales Thema“, so Moser. Der Gemeinderat soll in der nächsten Sitzung am Dienstag, 24. Februar, darüber entscheiden, ob die Stadt Engen eine vertraglich zugesicherte Option zieht, wonach sie Klinik-Abteilungen durch Zuschüsse von Defiziten aufrechterhalten kann. Diese Möglichkeit verwerfen aber die Fraktionssprecher bereits. Die Beschäftigten wollten sich gestern auf Befragen zum Thema nicht äußern.

 

Das sagen die Engener Politiker

UWV: „Es war absehbar, dass auch die anderen Abteilungen schließen, als der Aufsichtsrat entschied, die Engener Geriatrie nach Radolfzell zu verlagern“, betonte Gerhard Steiner, Gemeinderatsfraktionssprecher der Unabhängigen Wählervereinigung (UWV). Nur wenn Engen Geriatrie-Schwerpunkt geblieben wäre, hätten die weiteren Schließungen verhindert werden können. Wenn auch wirtschaftlich die Entscheidung nachvollziehbar ist, sind wir doch sehr verärgert, dass sie früher als erwartet vollzogen wird“, sagt Steiner.

CDU: „Wir können stolz darauf sein, dass wir die Grundversorgung des Engener Krankenhauses so lange erhalten konnten. Das war bei dem Abschluss des Fusionsvertrages mit dem Hegau-Klinikum Singen im Jahr 1997 nicht unbedingt zu erwarten“, so CDU-Sprecher Jürgen Waldschütz. „Da wir das Krankenhaus eingebracht haben, muss über eine Rückabwicklung nachgedacht werden.“

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