Bodman-LudwigshafenÜberraschungen im Pfahlbaufeld [0]
Es sei die fundreichste Pfahlbaustation Süddeutschlands, sagt der Archäologe Joachim Köninger. Die Rede ist von den Uferrandsiedlungen oder "Pfahlbauten", durch die der Bodenseeraum als Siedlungsgebiet der Steinzeit zu einem Begriff geworden ist. Bei seinen letzten Tauchgängen in der Bodmaner Bucht ist der Archäologe auf überraschende Funde gestoßen.
Alles wird genau dokumentiert bei den Erkundungs-Tauchgängen in Bodman. Bilder: Köninger/Strub
Bodman-Ludwigshafen - Bislang war man davon ausgegangen, dass es vor Bodman zwei getrennt voneinander liegende Pfahlbaufelder gibt. Die Untersuchungen haben jetzt jedoch ergeben, dass es sich in der Bodmaner Bucht um eine einzige zusammenhängende Pfahlbaustation mit einer uferparallelen Ausdehnung von über 700 Meter handelt. Diese reicht vom Strandbad bis zum Gemeindehafen. Weitere Pfahlbaustationen befinden sich auf den Gemarkungen Bodman und Ludwigshafen im Bereich der "Seehalde" in Ludwigshafen, auf Höhe des Waschplatzes und des Yachtclub-Hafens Stockach "Im Löchle" sowie im Schilfgebiet beim Zeltplatz Kleinbodman. Bodman gilt als fundreichste Pfahlbaustation Süddeutschlands. Die jetzt durchgeführten taucharchäologischen Untersuchungen unter Leitung von Joachim Köninger ergaben, dass die Fundschichten aus unterschiedlichen Zeiträumen ungewöhnlich dick sind und rund drei Meter unter den heutigen Seeboden reichen, selbst in den ausgebaggerten Bereichen der Flachwasserzone. Dort stieß man zum Beispiel auf Schalen aus Ahorn oder Perlenschmuck. Auch ein flötenähnliches Instrument aus Holunderholz sowie eine Keramikscherbe gehören zu den überraschenden Fundstücken. Köninger geht davon aus, dass die Scherbe von der Südabdachung der Schwäbischen Alb stammt. Die Machart des Keramik sei am Bodensee ortsfremd. Gefundene nierenförmig gekrümmte Webgewichte könnten Teile eines tragbaren Webstuhls sein und Knochen von Säugetieren, Vögeln und Fischen seien Belege für Viehhaltung, Fischfang und Jagd. Durch die Untersuchung der in Bodman geborgenen Pfähle ließen sich Uferrandsiedlungen auf die Jahre 3900 und 2850 vor Christus belegen. Bei einem Vortrag vor vielen Besuchern im Bodmaner Rathaus hat Köninger über die sensationellen Ergebnisse seiner taucharchäologischen Untersuchungen berichtet. Er zeigte einige Pfahlreste, die aus dieser Zeit stammen. Das Holz, mit dem die Häuser gebaut wurden, stammte aus schnell wachsenden Baumarten. Die Pfähle für den Unterbau der Hütten wurden in den feuchten Uferbereich gerammt. In Bodman waren die Siedlungen nach außen hin offensichtlich mit einer Palisadenreihe, also Wellenbrechern, abgegrenzt. So fand sich ein Gewirr von dickeren und dünneren Pfählen, die im Schnitt zwei bis zweieinhalb Meter in den Uferboden gerammt wurden. Wie Köninger ausführte, sind durch die Ausbaggerungen in den 1960er und 1970er Jahren erhebliche Flächen der Pfahlbauanlagen vor Bodman verloren gegangen. Die im Winter 2007/2008 zutage geförderten Funde werden derzeit ausgewertet.
Uralte Fundstücke werden geborgen.
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