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Bodman-Ludwigshafen Nackte Tatsachen: Lenks Tochter und ihre Reizfiguren

06.02.2012


Miriam Lenk tritt in die Fußstapfen ihres Vaters. Ihre Werke protestieren gegen ein Schönheitsideal.

Ihre Figuren heißen Yolanda, Cumulus, Molch oder Strauss. Miriam Lenk ist die Schöpferin der üppigen Figuren. Allen ist eines gemeinsam: Sie sind nackt und verkörpern das pralle Leben. Sie verstecken nichts. Und noch eines: Mit ihren runden Gestalten eckt die 36-Jährige immer wieder mal an. Nicht allen gefallen diese teils skurrilen, teils archaischen Typen. Auch das verbindet sie mit ihrem Vater, dem Bildhauer Peter Lenk aus Bodman, dessen bildreiche und satirische Plastiken heutzutage in jeder baden-württembergischen Gemeinde stehen, die etwas auf sich hält und die ihren Ruf als tolerante Kommune pflegt.

Miriam Lenk hat sich den herausfordernden Beruf der freien Künstlerin nicht ausgesucht. Der Beruf hat sie gesucht und gefunden. Sie kennt die Branche aus nächster Nähe: Ihre Mutter ist Keramikerin, der Vater Bildhauer und – für manchen – Reizfigur. Seine Tochter Miriam zog es zunächst nicht zu den voluminösen Objekten. Sie lernte Goldschmiedin. Erst dann zog es sie zur Bildenden Kunst. Beim Studium in Dresden lernte sie das Dreidimensionale schätzen und kneten. Das war die Geburtsstunde der Bildhauerin mit der Breughelschen Formensprache: Fülle ohne Hülle, wohin man blickt.

Der Weg dorthin war hart erarbeitet. Wochenenden im Atelier, der Kampf mit der Form. Ihr Lebensthema sind wuchernde Formen, vor allem Frauen. Damit protestiert sie gegen die herrschende dürre Vorstellung von Schönheit. „Wir lassen uns von falschen Idealen treiben – dem Ideal der Körper von 15-Jährigen.“ Das sei Unsinn, erklärt die lebenslustige junge Frau. „Ich will den Menschen Mut machen, die nicht so schlank sind“, sagt sie. Und sie will der Sexualität das Verstohlene nehmen, weshalb ihre Geschöpfe alle nackt sind.

Ihre Arbeitsweise beschreibt sie als intuitiv. Am Anfang steht eine Idee. Mehr nicht. Dann wachsen die Figuren unter ihren Händen, „dort werfe ich alles drauf, alle meine Fragen“, sagt sie lachend. Klare Formen erlauben einen direkten Zugang. Der Zuschauer rätselt nicht, was er sieht. Er sieht eine Frau, das ist alles. Miriam Lenk konnte bereits mehrere ihrer Werke verkaufen, sie stehen in Berlin, Albstadt („Ausgrabungen“ zusammen mit ihrem Vater) und im Schwarzwald. Im letzten Fall wurde eine Figur in der Waldkircher Sparkasse gemäß Auftrag aufgestellt. Der Protest der Kunden über die barbusige „Schlaraffia“ erklang so laut, dass die Dame bald ins Elztal-Museum verbracht wurde – dort aalt sie sich bis heute.

Miriam Lenk nimmt Protest gelassen hin. Etwas Rabatz gehört dazu, er ist Teil des Werks. Das Echo macht die Musik. Sie ist keine Feministin, ist aber stolz und froh über die Arbeit dieser kernigen Frauen-Generation vor ihr. Ohne sie könnte die 36-Jährige vielleicht nicht so selbstbewusst in ihrem Atelier in Hohen-Schönhausen (bei Berlin) stehen, wie sie das als freischaffende Künstlerin tut. Ohne die Emanzipation im vergangenen Jahrhundert wären ihre erotischen Geschöpfe nicht so akzeptiert. Immerhin ist die Bildhauerei ein Beruf, in den sich bis heute nur wenig Frauen verirren. Die Rodin-Schülerin Camille Claudel war Ausnahme – nicht die Regel. Hat sie Vorbilder? Sie schätzt die Tradition und lässt sich durch Buddhas oder die dicken Menschen des Malers Fernando Botero nicht anregen. Doch wenn sie vor dem Zeichenblock und Rohmaterial steht, beginnt sie stets von vorne. Sie sagt: „Ich fange an und dann entwickelt sich etwas.“

@konschtanzer
Dass Du proklamierst,Beuys' Molkereiproduktjahrhundertwerk zu "kapieren", lässt ja tief blicken.
@ seepferdle
Lesen bringt einen doch manchmal beachtlich weiter.
"ihre Werke protestieren gegen ein Schönheitsideal"
Find ich sehr begrüssenswert( Grüss Gott ). Noch lauter wäre der Protest allerdings, hätte sie ...
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