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Bodman-Ludwigshafen Lenk provoziert als "Bild"-Hauer

Bildhauer-Schelm Peter Lenk hat wieder zugeschlagen. Seit gestern prangt am Berliner Verlagsgebäude der linken „taz“ seine Satire auf das Springer-Boulevardblatt „Bild“ – die Häuserfront liegt genau gegenüber dem Axel-Springer-Hochhaus.

Der neueste Streich des Bildhauers Peter Lenk prangt am Gebäude der Tageszeitung „taz“ in Berlin. Bild-Chefredakeur Kai Diekmann hat sich mit seinen 16 Metern Potenz vom gegenüberliegenden Axel-Springer-Hochhaus direkt im Blick.
Der neueste Streich des Bildhauers Peter Lenk prangt am Gebäude der Tageszeitung „taz“ in Berlin. Bild-Chefredakeur Kai Diekmann hat sich mit seinen 16 Metern Potenz vom gegenüberliegenden Axel-Springer-Hochhaus direkt im Blick. | Bild: Paolo Olarte

Mit gespreizten Beinen hüpft der nackte Herr auf Höhe des Ergeschosses, sein primäres Geschlechtsteil wächst wuchtig bis in 16 Meter Höhe und verwandelt sich an der Spitze in eine Kobra. Ohne viel Phantasie erkennt man in dem potenten Hauptdarsteller der Installation Bild-Chefredakteur Kai Diekmann.

Auf Höhe des vierten Obergeschosses sitzt Friede Springer im züchtigen Kostüm. Mit Flöte als Schlangebeschwörerin. Dazwischen allerlei Personal, über das die Boulevardzeitung in den letzten Jahren moralisch urteilte – und sie tragen jeweils die original Bild-Schlagzeilen zu sich.

Der neueste Schelmenstreich des Bodmaner Künstlers Peter Lenk prangt seit der Nacht zum Sonntag auf dem Verlagsgebäude der linken Tageszeitung „taz“ in Berlin, mit der Springer seit Jahren durch eine regelmäßig auch prozessual gewürzte Feindschaft verbunden ist. Besonders pikant: Die lenkgeschmückte taz-Front liegt genau gegenüber dem Axel-Springer-Hochhaus, in dem Kai Dieckmann sitzt.

 

Auch Lenks riesiger Schniedelwutz, den er dem Bild-Chef verpasst hat, verweist auf einen Prozess. Der gebürtige Ravensburger Diekmann hatte die taz 2002 verklagt, nachdem sie auf ihrer Satire-Seite gedichtet hatte, Diekmann habe sich seinen angeblich nur kleinen Wurmfortsatz in Miami vergrößern lassen. Seine Arbeit versteht Lenk nun als „versöhnliches Relief „als Erinnerung an den „ersten bedeutenden Penis-Prozess in Deutschland“: „Keine medizinische Penisverlängerung, sondern eine gedankliche. Die kafkaeske Verwandlung im Dunst toxischer Schlagzeilen und eine besänftigende Therapie.

Also keine Provokation? Lenk: „Wenn die Mitarbeiter von Bild jetzt abends ihre Sexartikelchen schreiben, müssen sie künftig nur aus dem Fenster schauen und werden besänftigt.“ Denn ganz oben über allem prangt eine Leuchtschrift: „Friede sei mit Dir.“

Eine Beschwörung mache eben in erster Linie müde und friedfertig, erklärt der Bildhauer vom Bodensee. Er sehe in den Halbreliefs eine „Therapie für die sexuellen Obsessionen der Bildzeitung.“ Im Spiel mit dem Namen der flötenden Verlegerin setzt er noch drauf und spricht von „Befriedung durch Beschwörung“.

Bei aller lenkschen Exaktheit in der Darstellung überlässt er die Interpretation dem Betrachter. „Ich sage nicht, dass das Diekmann ist; mir hat niemand Modell gestanden oder gesprungen – wer sich aber öffentlich als Schlangenbeschwörer, Presseferkel oder als Superman erkennen will, den werde ich urheberrechtlich nicht verklagen.“

Pornografie? „Darunter versteht man doch die Erregung sexueller Gefühle wie es Bild fast täglich macht“, kontert Lenk, „ich weiß nicht, ob sich jemand von Diekmann erregt fühlt, dann hätte das pornografischen Charakter – also bei der Frauenfraktion der taz ist das schon mal nicht der Fall.“

Seit einem Jahr war Lenk mit den Verantwortlichen der taz in Verhandlungen. Die Figuren enstanden in seinem Bodmaner Atelier ganz im Geheimen, denn er war sich sicher: „Das Berliner Establishement hätte das verhindert.“ Wie bei anderen Kunstwerken hat er mit der taz eine Probezeit von zwei Jahren vereinbart. Sein Honorar? „Ein taz-Jahreabo.“

Was der provozierte Verlag und vor allem Kai Diekmann sagen? Der gestern diensthabende Springer-Pressesprecher ließ sich vom SÜDKURIER erst einmal per Mail eines der in seiner Nachbarschaft kurz zuvor geschossenen Fotos schicken. Er wusste noch von nichts. „Ich will mal versuchen, Herrn Diekmann zu erreichen.“ Die Antwortmail war kurz: „Ich kann keinen Kommentar dazu geben.“

Stimmen Sie ab: Überschreitet Peter Lenk die Grenzen des guten Geschmacks?

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