Von einem Sprung in den kühlen Bodensee träumen an diesem heißen Wochenende wohl viele. Für Kirsten Seidel hat der Gang ins kühle Nass am heutigen Samstag um 14 Uhr im Strandbad von Bodman eine besondere Bedeutung. Die 47-jährige Dresdnerin will für einen guten Zweck in drei Tagen den Bodensee umrunden. 136 Kilometer sind es von Bodman bis Stein am Rhein. Sie schwimmt zugunsten krebskranker Kinder und Jugendlicher, dem Dresdner Verein „Sonnenstrahl e.V.“. Als Mutter zweier erwachsener Söhne liegt ihr das Schicksal der Kinder am Herzen. Deshalb will sie die Extremleistung mit einem guten Zweck koppeln. „Eine kommerzielle Ausrichtung würde für mich keinen Sinn machen“, sagte Seidel, bei der Vorstellung ihrer Ziele am Zollhaus in Ludwigshafen. Den Bodensee kannte sie bisher noch nicht. Sie seien in der Nacht angereist und hatten beim Frühstück den ersten Blick auf den See, sagte Eventmanagerin Anett Juhrs, die Seidel begleitet. „Wunderschön und hier darf ich schwimmen“, sagte die Extremsportlerin.
Kirsten Seidel ist bekannt als „Elbeschwimmerin“, 2006 schwamm sie 553 Kilometer von Dresden bis Hamburg. Im August 2003 schwamm sie als erste Frau durch den Fehmarn-Belt von Dänemark nach Deutschland. Im Jahr darauf durch die gesamte Müritz von Viperow nach Waren/Müritz. Auf die Frage, warum so viele Extremsportler am und im Bodensee scheitern, sagt sie: „Das ist eine reine Kopfsache.
“ Ob man es schaffe, den Bodensee zu durchschwimmen oder zu umrunden, werde zu 80 bis 90 Prozent im Kopf entschieden. Seidel muss es wissen, sie hat sich vor gut einem Jahr als Mentaltrainerin selbstständig gemacht. Die Dresdnerin schwimmt nicht mit Neoprenanzug. In Badeanzug und dick mit Melkfett eingeschmiert will sie sich auf den Weg machen. Das Melkfett verhindere ein Stück weit das Auskühlen und bilde eine Schutzschicht für die Haut, die sonst auslaugt. Begleitet wird die 47-Jährige ehrenamtlich von Mitglieder des DLRG in zwei Booten. Zum Essen bekommt Seidel alle 15 Minuten eine Sportnahrung, eine Flüssigkeit, die alles enthält, was der Körper braucht. Mit dem intensiven Training hat Kirsten Seidel vor sechs Wochen begonnen, seither schwamm sie jeden Tag zehn Kilometer. Kirsten Seidel will mit ihrer Bodenseeumrundung auch eine Verbindung zwischen den Menschen in den Ländern am See schaffen. Sie freue sich über viele Unterstützer, sei es an ihren Etappenzielen in Bregenz, Konstanz und Stein am Rhein oder, was noch viel wichtiger ist, als Unterstützer für ihr Anliegen, die krebskranken Kinder. Spender können Patenschaften für jeden geschwommenen Kilometer erwerben. Managerin Juhrs ist überzeugt: „Wir glauben an die Aktion und werden viele Wegbegleiter finden.“
