Bodman-Ludwigshafen Gemeinderat will in Elektrifizierung der Gürtelbahn investieren

Bloß nicht von der Zukunft der Bahn abgehängt werden – das fordert der Gemeinderat Bodman-Ludwigshafen. Er will deshalb die Elektrifizierung der Bodensee-Gürtelbahn auf eigene Faust voranbringen und dabei auch Geld in die Hand nehmen.

Die weitere Entwicklung der Bodensee-Gürtelbahn zwischen Radolfzell und Friedrichshafen nahm am Dienstagabend einen breiten Raum in der Sitzung des Gemeinderates ein. Nach einer ausführlichen Darstellung der Situation auf dieser Strecke durch Bürgermeister Matthias Weckbach fasste das Gremium einstimmig folgenden Beschluss: "Die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen befürwortet und unterstützt die Elektrifizierung der Bodensee-Gürtelbahn. Sie ist hierzu bereit, in eine kreuzungs- und barrierefreie Erschließung der beiden Gleisanlagen zu investieren und darüber hinaus sich an den Planungskosten zu beteiligen. Für sensible Bereiche der Bodenseelandschaft und der Erschließung von Unternehmen zum Beispiel von Boots-und Krananlagen muss auf eine Oberleitung verzichtet werden." Tatenlosigkeit bei der Aktualisierung der Bahninfrastruktur würde zu einem fulminanten wirtschaftlichen Rückschritt in der gesamten Region und auch für die Gemeinde führen, hieß es in der Sitzung.

Die Bodenseegürtelbahn ist nicht in den aktuellen Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen worden. Da die Bahn sich von der Dieseltechnik verabschiedet und auf Elektrotechnik umstellt, läuft die Strecke Radolfzell-Friedrichshafen Gefahr, nur noch mit veraltertem Zugmaterial versorgt zu werden, wenn man die Modernisierung nicht zügig in Angriff nimmt. Während Gäubahn und Oberschwabenbahn elektrifiziert werden sollen, wäre allein noch die Strecke Radolfzell-Friedrichshafen nicht elektrisch. Nachdem diese aber nicht im Bundeswegeverkehrsplan erscheint, erfolgt die Finanzierung der Elektrifizierung dieser Bahnstrecke, deren Kosten auf circa 50 Millionen Euro geschätzt werden, über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz des Bundes (GVFG).

Demnach trägt der Bund 60 Prozent der Kosten, 20 Prozent das Land und 20 Prozent die Kommunen. Das Land ist derzeit mit Planungen ausgelastet. "Planen wir also nicht selbst, wird sich bei uns am Status quo nichts ändern. Uns bleibt ein Zeitkorridor bis 2034, um die Realisierung auf die Gleise zu stellen", so Bürgermeister Weckbach in der Sitzung mit Verweis darauf, dass eine GVFG-Förderung bis zum jahr 2034 greifen kann.

All dies bedeutet für Bodman-Ludwigshafen nach dem derzeitigen Stand eine Investition im Bahnhof von rund 1,4 Millionen Euro und einen sechsstelligen Anteil an den Planungskosten. Dabei müsse es das Ziel sein, wenigstens die sensiblen Bodenseebereiche frei von Oberleitungen zu halten, machte der Bürgermeister deutlich.

Im Rahmen des Projekts Elektrifizierung der Bodensee-Gürtelbahn sind in einer erweiterten Studie zwei Konzepte untersucht worden, auf die Weckbach ausführlich einging: Das Referenzkonzept des Landes und das Vorzugskonzept der Region. Das Referenzkonzept (Zielkonzept 2025) sieht die Elektrifizierung mit einem stündlichen Interregio (IRE), einer stündlichen Regionalbahn (RB) zwischen Radolfzell und Friedrichshafen sowie einer stündlichen TB-Verdichtung zur Hauptreisezeit zwischen Markdorf und Friedrichshafen vor. Das Vorzugskonzept der Region, das vom Bodenseekreis favorisiert wird, beinhaltet den stündlichen IRE und zweistündliche RB-Leistungen im angenäherten Halbstundentakt zwischen Singen und Friedrichshafen. Es ist mit geschätzten 29 Millionen Euro wesentlich teurer als das Referenzkonzept das mit 19,8 Millionen Euro zu Buche steht.

Bedenken wurden wegen der Errichtung von Oberleitungen insbesondere in sensiblen Bereichen geäußert. Weckbach brachte eine Variante ins Gespräch: Die Batterie-Technologie, die schon weit über das Versuchsstadium hinaus ist. Statt Elektrozüge also Batteriezüge auf der Bodensee-Gürtelbahn. Dadurch könnte man – zumindest entlang des Bodensees – auf den Bau von Oberleitungen verzichten, hieß es. Möglich wäre auch ein Kombibetrieb dort, wo die Landschaft Oberleitungen verträgt. "Der Einsatz von batteriebetriebenen Zügen ist durchaus realisierbar", sagte Weckbach. Die Gemeinde will diese Alternative auf jeden Fall im Auge behalten. Alle Rednern forderten die möglichst schnelle Modernisierung der Bodensee-Gürtelbahn, um nicht von der allgemeinen Entwicklung abgehängt zu werden, was anschließend in einem diesbezüglichen einstimmigen Beschluss klar unterstrichen wurde.


Großes Potenzial

Nachdem das 19. Jahrhundert im Zeichen der Eisenbahn ustand, hat sich die Bedeutung der Bahn durch den aufkommenden Individualverkehr im 20. Jahrhundert dramatisch abgeschwächt. Im 21. Jahrhundert wird nach den Prognosen von Experten die Bedeutung der Bahn aber wieder zunehmen und der ÖPNV in der Vernetzung eine Renaissance erleben. Insbesondere für eine Urlaubsregion sei es wichtig, nun nicht von der allgemeinen Entwicklung abgehängt zu werden, mahnen Befürworter der Gürtelbahn-Modernisierung. 

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