Das Marianum des Klosters Hegne rundet sein Angebotsprofil ab. 28 Schüler aus dem Landkreis Konstanz kommen zum Lernen ins neue Gymnasium.
Allensbach – Im Marianum des Klosters Hegne gibt es schon wieder einen Neuanfang: Nach der Ganztags-Realschule, die mittlerweile in die Klassenstufe neun geht, startet nun ein berufliches, sozialwissenschaftliches Gymnasium (SG). „Wir runden unser Angebotsprofil damit ab“, erklärt Schulleiter Volker Pudzich. Sowohl die Realschüler als auch die Absolventen der zweijährigen Berufsfachschule „Hauswirtschaft und Ernährung“ können somit im selben Haus theoretisch ihr Abi machen.
Zu Beginn gibt es nur eine Klasse zehn mit 28 Schülern, die aus dem ganzen Landkreis kommen. Wie in der Realschule wird Jahr für Jahr die jeweils nächste Klassenstufe aufgebaut. Innerhalb von drei Jahren können junge Menschen, die den mittleren Bildungsabschluss haben, hier die allgemeine Hochschulreife erlangen, wobei ein Schwerpunkt auf den Profilfächern Pädagogik, Psychologie und Sozialmanagement liegt, wie Klassenlehrer Clemens Luft erläutert.
„Das Bedürfnis der Zeit ist der Wille Gottes“, heißt der Leitspruch der Hegner Kreuzschwestern. Als privater Schulträger des Marianums habe man damit „auf die besonderen Bedürfnisse der jungen Menschen im Landkreis reagiert“, erklärt das Kloster: „Das besondere fachliche Profil des Marianums lag schon immer im Bereich der Pädagogik. Darum liegt es nahe, ein berufliches Gymnasium mit dem Profilbereich ,Sozialwissenschaften' anzubieten.“ Neben der Mettnauschule Radolfzell ist es erst das zweite SG im Landkreis Konstanz. Entsprechend groß ist der Bedarf: Rund 70 Interessenten gab es für die 28 Plätze in Hegne.
Neben den formalen Anforderungen wurden deshalb Bewerbungsgespräche geführt, berichtet Schulseelsorgerin und Lehrerin Gaby Rasche. Dabei ging es nicht nur um den fachlichen Aspekt, sondern natürlich auch um „eine Entscheidung fürs christliche Profil“, so Klassenlehrer Luft. Man müsse zwar nicht katholisch sein, aber die christliche Wertetradition bilde die Grundlage – wie in allen Schulzweigen des Marianums, so das Kloster. Es gehe nicht nur um Wissensvermittlung, sondern Ziel sei „eine Persönlichkeitsbildung, die Wert legt auf ein verantwortungsbewusstes Denken und Handeln gegenüber sich selbst, den anderen, der Gesellschaft, der Welt und Gott.“
Etwas Besonderes ist zudem das pädagogische Konzept im neuen Hegner Gymnasium. „Wir führen die Methodik der Realschule mit viel Freiarbeit und selbst organisiertem Lernen weiter“, erläutert Schulleiter Pudzich. Eine zentrale Arbeitsform sei dabei die „Lernlandschaft“, erklärt Luft. Jeder Schüler habe dabei im Klassenzimmer seinen eigenen, etwas abgegrenzten und persönlich gestaltbaren „Arbeitsplatz.“ Der Lehrer gebe nur kurze Lektionen und verteile dann Aufgaben, die jeder für sich und in der ihm möglichen Zeit bearbeiten müsse. Wer schneller fertig sei, könne auch den anderen als „Mit-Lehrer“ helfen. „Der Lehrer tritt in den Hintergrund, der Schüler und sein Lernen in den Mittelpunkt“, so Luft.
Das selbstverantwortliche und organisierte Lernen und damit die Fähigkeiten für ein späteres Studium sollen gefördert werden. Rasche ergänzt, dass es hierfür zudem eine besondere individuelle Lernbegleitung und ein Coaching gebe, basierend auf „Lerntagebüchern“, in denen die Schüler selbst dokumentieren, wie gut sie arbeiten. Das insgesamt zwölfköpfige Lehrerteam – einige wurden speziell fürs SG eingestellt – könne dort erkennen, wo es eventuell Schwächen gebe und mit Anregungen helfen. Die „Lernlandschaft“ und die individuelle Begleitung berücksichtigen damit auch das unterschiedliche Niveau und Alter der Schüler, die teils von einer Real-, Berufsfachschule oder anderen Gymnasien kommen. „Das ist schon eine Herausforderung“, so Rasche.