An der "Mobilfunk-Front" am Bodensee rüsten sich Kritiker zu einer weiteren Offensive. Neue Messergebnisse liegen vor. Die gesetzlichen Vorgaben für die Handy-Strahlung werden demnach eingehalten. Allerdings hält eine Bürgerinitiative die gesetzlichen Werte für falsch berechnet. Nach ihrer Einschätzung werden manche Punkte in Bodman und Ludwigshafen erheblich stärker bestrahlt, als für die Gesundheit gut sei, zum Beispiel die Schule.
Bodman-Ludwigshafen - Nachdem das Ergebnis der im Juni 2004 durchgeführten Messungen der elektromagnetischen Felder im Bereich der Mobilfunkanlagen durch die Stuttgarter Firma Betronic vorliegt, wird die Bürgerinitiative für verträglichen Rundfunk in Bodman-Ludwigshafen wieder aktiv. Mit der geplanten Errichtung von UMTS-Mobilfunkbasisstationen komme nun eine weitere gesundheitliche Belastung auf die Bevölkerung der Seegemeinde zu, wird befürchtet.
Die Bürgerinitiative hat inzwischen an alle Gemeinderatsmitglieder ein Schreiben verschickt, in dem das Messprotokoll kritisch beleuchtet wird. Laut Messprotokoll liegen die Werte zwischen einem und knapp drei Prozent des erlaubten Grenzwertes von 100 Prozent. Das klingt so, als ob alles im grünen Bereich wäre. Dabei ist laut Bürgerini aber nicht berücksichtigt, "dass die deutschen Grenzwerte an sich extrem hoch sind, weil sie auf falschen Voraussetzungen beruhen".
Nachdem aber der realistische Vorsorgerichtwert, bei dem einwandfrei telefoniert werden kann; bei 10 µ W/m² liege, habe beispielsweise Bürgermeister Matthias Weckbach laut Messprotokoll in seinem Wohnzimmer im Frequenzbereich von 18 000 MHZ (D1 + D2-Netze) eine Belastung von 534 µ W/m². Das sei eine 50-fach größere Belastung, als für seine Gesundheit verträglich, schreibt die Bürgergruppe.
In der Sernatingen-Schule in Ludwigshafen sei die Belastung 100 Mal und im Kindergarten Ludwigshafen 70 Mal zu hoch für die Gesundheit der Kinder und ihrer Erzieher (jeweils im Bereich MHZ E-Netz), berichtet die Bürgerinitiative.
Aus dem Protokoll gehe weiterhin hervor, dass sowohl in Ludwigshafen (Mühlbachstraße) als auch in Bodman-Süd auf dem noch immer ungenehmigten Mobilfunkturm weitere Antennen von UMTS vorgesehen sind.
Die Bürgerinitiative stellte die Frage: "Wozu brauchen wir hier UMTS? Einige Stuttgarter Segler brauchen es, um auf dem See auf ihrem Handy Fußballspiele mit Bildverfolgen zu können, " glaubt die Bürgerinitiative.
Dem Bürgermeister und seiner Familie mögen die in seiner Wohnung gemessenen Werte noch möglichst lange schadensfrei überstehen, ist der Wunsch der Initiative. Die Bürger in Ludwigshafen sollten aber in dieses Experiment nicht einbezogen werden, meinen die Sprecher der Initiative, Albrecht Tielsch und Barbara Gittner-Tielsch.
Aus dem Protokoll
Im Messprotokoll von Betronic heißt es wörtlich:" Als Ausblick für die zu erwartenden Immissionen, die durch diese neuen Mobilfunkbasisstationen verursacht werden, kann das gewonnene Ergebnis als Grundlage genommen werden. Eine Neuinstallation einer UMTS-Mobilfunkbasisstation an einem bestehenden Standort wird in etwa dieselben Immissionen zur Folge haben wie eine Erweiterung eines bestehenden GSM-Standortes um einen bis zwei weitere Verkehrskanäle. Betrachtet man nun als Beispiel die Immissionen am Messpunkt 5, so ist das Verhältnis der Immission eines gemessenen Frequenzkanals (hier 1860, 6 MHZ) zu den möglichen maximalen Immissionen bei Vollausbau dieses Standortes (zwei Frequenzkanäle statt des bisherigen einen) mit 1,5 zu 1 anzugeben. Dies bedeutet, dass eine Erweiterung dieses Standortes um einen weiteren Kanal eine Erhöhung der nachweisbaren Immissionen um 50 Prozent darstellt."