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Allensbach/Reichenau Gnadenseeschwimmen: Ein Volksfest im Wasser

28.07.2008
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Alle 311 Teilnehmer des 30. Gnadensee-Schwimmens sind wohlbehalten im Ziel angekommen. Sie haben 1650 Meter zwischen dem Yachthafen in Reichenau-Mittelzell und dem Strandbad Allensbach zurückgelegt. Auch Redakteurin Kirsten Schlüter hat sich der Herausforderung gestellt.

Die gelbe Bademütze ist mein Halt. Gleich zu Anfang, noch am Ufer, fällt sie mir auf. Ein paar Meter neben mir steht der Mann, der sie trägt. Noch ahne ich nicht, welche Rolle die Mütze auf meinem Weg von der Reichenau nach Allensbach spielen würde. Der Mann allerdings hat es wohl gewusst - vor dem Start grinst er herüber.

Mit 309 anderen Teilnehmern stehen wir im dichten Schlick beim Yachthafen von Mittelzell. Die Füße versinken zwischen Algen und tiefem Schlamm. "Hier stinkt es wie in der Kläranlage", sagt ein Teilnehmer, während ein anderer von kostenloser Fango-Packung spricht. Kreischend springen immer mehr Schwimmer von der Pontonfähre des Technischen Hilfswerks Radolfzell, die uns hinübergeschippert hat. Alle rufen "Igitt!". Nur die gelbe Badekappe konzentriert sich auf den Start. Es geht los. Gnadenseeschwimmen Teil 1

Die ersten Meter sind die schlimmsten. Von vorne spritzt die Gischt der Profis und versperrt die Sicht. Von hinten treten Ungeduldige im Eifer um sich und von der Seite kommt ein Arm in mein Gesicht geflogen. Mühsam kämpfe ich um meinen eigenen Schwimmbereich. Irgendwann gelingt es und ich kraule los. Nach und nach entzerrt sich das Feld. Ich lasse es erstmal ruhig angehen - schließlich ist das Ziel, im guten Mittelfeld zu landen. Laut Clemens Bauer von der DLRG Allensbach kommt der Durchschnittsschwimmer nach einer Dreiviertelstunde an. Gnadenseeschwimmen Teil 2

Das ist auch der Wunsch von Marion Wäschle, 44, aus Ravensburg. Vor dem Start hat sie erzählt: "Ich war schon in Sipplingen und Bodman dabei und bin gestern auch in Lindau mitgeschwommen." Wird das heute nicht ein bisschen viel? "Ich glaube, ich habe genug trainiert", sagt sie. Ich schwimme an der ersten roten Boje vorbei und frage mich, ob Marion Wäschle vor oder hinter mir liegt. Es geht gut voran. Zwischen zwei Schwimmzügen hebe ich kurz den Kopf - da ist sie wieder, die gelbe Bademütze. Der Mann hat mich überholt. Jetzt ist der Ehrgeiz geweckt. Ich gebe Gas und tatsächlich gelingt es mir, eine Weile lang an ihm dranzubleiben. Dann muss ich ihn davonziehen lassen.

Bei Boje zwei wundere ich mich, wie gut ich trotz meiner unprofessionellen Vorbereitung vorankomme. Andere Teilnehmer tragen Neopren-Anzüge oder haben sich mit Melkfett eingerieben. "Damit wir besser isoliert sind und die Muskeln lockerer bleiben", erklärt Jochen Langenberger, 44, aus Calw. Er hat ein halbes Jahr mit seinem Neffen Timo auf das Gnadensee-Schwimmen trainiert. Vom Profi bis zum Fast-nie-Sportler sind hier alle vertreten. Schließlich steht nicht der Wettkampf im Vordergrund, sondern das gemeinsame Erlebnis.

Aber ein bisschen Wettkampf muss sein. Ich schaue nach vorne und suche vergeblich die gelbe Bademütze. Hat der Mann etwa schlapp gemacht? Das spornt an. Schon habe ich die dritte Boje erreicht und erkenne langsam die Gesichter am Ufer. Plötzlich spritzt es von der Seite. Die gelbe Kappe schäumt heran. Tja, der Schwimmer hat einen kleinen Zick-Zack-Kurs hingelegt. Ein paar Meter vor dem Ufer geben wir alles und steigen dann gemeinsam aus dem Wasser - grinsend. Die Uhr zeigt 37Minuten an. Drei Minuten später steigt Marion Wäschle aus dem Wasser. Sie ist zufrieden.

Auch alle anderen Teilnehmer genießen nach der Anstrengung die gelöste Atmosphäre am Allensbacher Strandbad. Für viele wird es nicht der letzte Wettkampf gewesen sein. Auch für mich nicht: Das Gnadensee-Schwimmen hat richtig Spaß gemacht. Mein Blick wandert zurück zur Reichenau. Das nächste Mal werde ich dort wieder im Schlamm stehen. Und dann vielleicht schneller im Ziel sein als die gelbe Bademütze.

Schwimmen in Zahlen

Mit 132 Teilnehmern hat das Gnadensee-Schwimmen im Jahr 1973 angefangen. In seiner 36-jährigen Geschichte musste der Wettkampf sechs Mal wegen schlechten Wetters abgesagt werden. In diesem Jahr waren 311 Teilnehmer am Start. Die schnellsten Schwimmer hatten die 1650 Meter zwischen Mittelzell und Allensbach schon nach 18Minuten zurückgelegt. Nach zwei Stunden kam die letzte Teilnehmerin ins Ziel. Zwischen neun und 72 Jahren haben sich alle Altersklassen ins 22Grad Celsius warme Wasser getraut. Veranstalter waren die DRLG Allensbach, das Technische Hilfswerk Radolfzell, der Angelsportverein und das Rote Kreuz.

 


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