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Kultur David Garrett: Grenzgänge des Teufelsgeigers

Mit viel Bombast begeistert David Garrett sein Publikum im Naturpark Aach samt Riesenleinwand, Pyrotechnik und Fernsehballett.

Geigenvirtuose David Garrett will Grenzen überwinden. Er eilt über Kontinente, streicht über Erwarungshorizonte hinweg und wechselt auch mal ins Bühnenfach. Treu bleibt er nur seinem Instrument, egal ob beim Gastspiel im klassischen Konzertsaal oder beim großen Auftritt vor Tausenden – wie jetzt im Hegaustädtchen Aach. Knapp 10 000 Besucher hat er auf eine musikalische Weltreise geführt und dabei Hits aus Pop, Rock, Klassik und Folk als fliegenden Soundteppich verarbeitet und mit Riesenleinwand, Pyrotechnik und Fernsehballett den schwierigen Spagat, als klassischer Künstler populär zu bleiben, deutlich gemacht.



Mit Countdown und bombastischen Bässen hat David Garrett im Schein der untergehenden Sonne im Hirtenhof sein Konzert eröffnet. „We will rock you“ lautete das Motto zum Start und groß war die Freude beim Star-Geiger, dass er mitten in der so genannten Provinz so viele neue Fans begrüßen konnte. Dass Hardrock mehr als eine heimliche Leidenschaft ist, bewies der Violinist immer wieder – von AC/DC bis zu Metallica reicht das Repertoire, das mit schweren Rhythmen des Schlagzeugers vorangetrieben wurde.

David Garrett freut sich über großes Publikum

Dass der Star dabei gelegentlich hinter den Feuersäulen zu verschwinden droht, tut der Show keinen Abbruch. Die Schwingungen seines Instruments bleiben stets im Ohr. Galant spannt er den Bogen zu lieblichen Weisen von Vivaldi bis Chopin. Denn auch die Freunde klassischer Werke sollten nicht zu kurz kommen.

Nach Konzerten in Dubai, London und Mailand hat er beim Konzert im Hegau mit imposant inszenierten Klassikern von Schwanensee bis zum legendären Säbeltanz Klangwelten aufgezogen und auf Großleinwand im Bühnenhintergrund die Welt als musikalischen Globus mittanzen lassen. Und natürlich durfte auch die Werbung in eigener Sache nicht zu kurz kommen. Demnächst ist Garrett als Teufelsgeiger Paganini auf der Leinwand zu sehen. Erste Bilder gab es bereits für die Konzertbesucher – samt dem Soundtrack zum Film – natürlich vom Geiger selbst eingespielt.

Garrett als Teufelsgeiger Paganini auf der Leinwand

Ohnehin scheint die Musik für den Mann, der beständig auf dem scharfen Grat zwischen Popularität und Ernsthaftigkeit balanciert, vor allem Soundtrack seines Lebens zu sein. Musik sei seine große Liebe, offenbarte der Künstler. Für Beziehungen gebe es kein Platz. „Ich bin seit fünf Jahren Single“, gestand er, warum sein aktuelles Album „Music“ heißt. Die Komposition von John Miles wird kurz vor der Pause zum Zentrum der Show.

Die großen Gesten liegen dem Meister der schnellen Tonfolgen: Zu Harold Arlens Klassiker aus dem Zauberer von Oz – „Somewhere over the rainbow“ – schweben die Tänzerinnen über der Bühne, zum Rocky-Hit „Eye of the Tiger“ lässt er sich martialisch von Fackelträgern geleitet im goldenen Kapuzenmantel durch Publikum geleiten.

Aber er kann auch ganz andere Saiten aufziehen und schafft die Nähe zu seinen Fans, wenn zum Beispiel Judith aus Engen auf die Bühne gelotst wird, damit Garrett ihr ein ganz persönliches Ständchen servieren kann. Und kurz danach macht Garrett die Open-Air-Arena zum Wunschkonzert, verliest die Wunschzettel seiner Fans und entscheidet sich am Ende doch für eine ganz intime Variante von Bachs „Air“, statt der Einladung zum Abendessen zu zweit – inklusive Nachtisch.

Musikalische Weltreise von Australien bis Brasilien

Mit einer musikalischen Weltreise von Australien bis Brasilien hat er die Massen unterhalten, während die Dämmerung der Bühnenshow Minute um Minute mehr Glanz verlieh und mit Eintritt der Dunkelheit die vollen Effekte erzielte. Damit immer die richtigen Bilder auf der Bühnenleinwand zu sehen waren, sorgte ein ganzes Team für den perfekten Schnitt der Inszenierung, bei der alles im vereinbarten Takt ablief. Aufwändige Pyrotechnik, inszenierte Choreographien und Melodien, die wohl jeder längst im Ohr hat, schaffen ein Spektakel, das in Beethovens „Ode an die Freude“ seinen finalen Schlusspunkt fand.

Doch ohne Zugabe wollten die Fans Garrett nicht gehen lassen und so konnte es wohl nur noch eine Steigerungsform geben: Mit Michael Jacksons „Earth song“ hat der Teufelsgeiger sein Publikum nach Hause geschickt.

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