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käuflich Tausche Kugelschreiber gegen …? Ein Experiment

Das Märchen von Hans im Glück einmal umgekehrt – wir starten das Tauschexperiment mit einem SÜDKURIER-Kugelschreiber und schauen, wie weit wir innerhalb eines Monats kommen. Dafür nutzen wir die gängigen Möglichkeiten: Die örtliche Fußgängerzone, Facebook-Gruppen, Verkaufs-Plattformen und private Kontakte.

Tag 1:

Wir starten in der Konstanzer Fußgängerzone und haben einen brandneuen Kugelschreiber im Gepäck. Nach ersten irritierten Blicken und Absagen läuft es: Innerhalb von 90 Minuten erhalten wir zwar 17 Absagen, aber auch 15 Tauschangebote. Im ersten Schritt tauscht die 14-jährige Livia aus dem Schweizer Frauenfeld ihren Schlüsselanhänger.

Gegen ein Feuerzeug haben wir den Schlüsselanhänger nicht abgegeben.

Doch Claudia Richter, 15 Jahre alt und aus Konstanz, ist der Schlüsselanhänger eine volle Packung Kaugummis wert.

Der 20-jährige David Köpl aus Konstanz hat eben zu Mittag gegessen und kann Kaugummis gut gebrauchen. In seinem Rucksack findet er eine neue Handcreme zum Tausch. Und die gefällt in den nächsten Minuten vielen, die wir ansprechen.

Viele stöbern zwar in ihren Handtaschen, haben aber nichts zum Tausch dabei oder wir würden uns dabei verschlechtern – einen kaputten Regenschirm und eine angefangene Packung Nüsse können wir schlecht weiter tauschen. Also beenden wir das Experiment für heute. Weiter geht es im Internet.

Tag 2:


Tauschgesuche in einem Dutzend Facebook-Gruppen der Region – ob „Such’s Konstanz“ oder „Du bist aus Stockach, wenn…“: Die Resonanz ist überwältigend, in der aktivsten Gruppe kommen 25 Likes und mehr als 70 Kommentare zusammen. Die wenigsten beschäftigen sich allerdings mit einem Tauschangebot, viele wollen einen Kaffee trinken gehen oder bieten ein Date im Tausch. Was an interessanten Tauschangeboten zusammenkommt: Ein Spaziergang mit einem Hund, Zahnpasta, eine Ukulele-Stunde, eine parfümierte Bodylotion oder eine Schachtel Zigaretten. Wir entscheiden uns für die Ukulele-Stunde. 

Tag 5:

Julia Schoppe hat sich vor einigen Jahren selbst das Ukulele-Spielen beigebracht und tauscht jetzt gegen die Handcreme.

 „Ich wollte mir sowieso demnächst eine neue kaufen“, sagt die 27-Jährige aus Bodman-Ludwigshafen, außerdem reize sie der soziale Aspekt eines solchen Tauschs, gemeinsame Zeit zu verschenken. Schoppe kennt Tauschexperimente aus ihrer Kindheit und erzählt von einem „Appel- und Ei-Experiment“, bei dem sie sich im Dorf bis zu einem alten Fahrrad getauscht haben. Ob wir es auch so weit schaffen?

Tag 7:

Jetzt wollen wir andere Plattformen wie ebay-Kleinanzeigen probieren. An Tag 8 sind die ersten Anzeigen online, wir geben ihnen drei Tage. Die Reaktion an Tag 10? Null. Einige haben sich die Anzeige angesehen, doch keiner hat sich gemeldet. Also geht es wieder bei Facebook weiter. 

Tag 12:

Wir nutzen unsere privaten Kontakte und teilen das Tauschangebot. Heraus kamen einige Likes, aber keine Angebote. Will denn niemand Ukulele spielen?

Tag 15:

Wir teilen das Tauschangebot von einem anderen Account aus, damit das Ergebnis nicht verfälscht wird. Wieder nutzen wir ein Dutzend Facebook-Gruppen, allerdings erhalten wir nur einzelne Kommentare als Antwort. An Tag 19 entsteht endlich ein Tausch mit Andreas Auer aus Stockach.

Tag 22:

Wir treffen Andreas Auer in seinem Haus in Stockach. Er sagt, dass ihm das Tauschangebot gerade recht kam, da seine Tochter das Gitarrenspielen lernen möchte. „Ich fand das Angebot eine tolle Sache und denke, dass es das Passende für meine Tochter wäre. Ukulele spielen am See, das hört sich schön an.“ 


Auer selbst beschäftigt sich in seiner Freizeit leidenschaftlich mit Bumerangs. 2002 wurde er Deutscher Meister im Sport-Bumerang-Werfen. Zudem baut er in seiner Werkstatt seine eigenen Exemplare. „Diese sind an den Werfer individuell angepasst.“ So lag es nah, dass er einen selbst hergestellten Bumerang zum Tausch anbietet. Doch damit nicht genug, dem nächsten Tauscher gibt er ein Wurf-Training in Bodenseenähe dazu. „Man braucht auf jeden Fall ordentlich Platz um sich herum. Wichtig ist auch, dass es nicht zu stark windet. Mit ein bisschen Übung findet der Bumerang zu jedem wieder zurück“, sagt  Auer.

Tag 23:

Wir stellen das Tauschangebot wieder bei Facebook-Gruppen ein, jetzt stehen also ein Bumerang und ein Gutschein für eine Bumerang-Stunde zum Tausch. Die Resonanz ist zunächst zögerlich, nach sechs Tagen meldet sich Milo Meixner aus Kreuzlingen und bietet uns einen Sixpack Bier an - wir handeln ihn auf einen Kasten Bier hoch. Durstlöscher für alle Projektbeteiligten. Milo ist einverstanden und wir verabreden uns bei einem Supermarkt am Zähringerplatz. 

Tag 29:

Wir treffen uns mit Milo Meixner und kaufen zusammen den Kasten Bier. Der Student treibt in seiner Freizeit viel Sport und probiert gerne etwas Neues aus. Er freut sich schon drauf, den neuen Bumerang zu testen: „Ich hatte mal einen ziemlich günstigen aus Schaumstoff, der kam nie zurück, wenn ich ihn geworfen habe. Ich hoffe, dass das mit dem neuen besser klappt.“  Gut gelaunt verabschieden wir uns: Milo Meixner mit Gutschein und Bumerang in der Hand und wir mit einem Kasten Bier.

 
Kein schlechtes Ergebnis eines Tausch-Experiments, der mit einem Kugelschreiber begann, oder?

 
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