Regelrecht für Ernüchterung sorgte Bürgermeister Eberhardt am Freitagabend im Rahmen der Hauptversammlung des SPD-Ortsvereins in Sachen Nordwestumfahrung (NWU). Nicht nur, dass er darauf hinwies, dass die Fortführung bis an die Heldelinger Straße nach wie vor nicht in trockenen Tüchern ist. Einer späteren Verlängerung bis nach Weil erteilte er eine klare Absage.
Nach den neuesten Verkehrsmodellen würde diese Straße allenfalls die Autobahn entlasten – Haltingen ginge fast leer aus.
25 000 Fahrzeuge durchqueren derzeit täglich das Nadelöhr Haltingen. Mit dem Bau des nächsten Teilstücks der Nordwestumfahrung, das als Ersatz für die Festhallenbrücke den Bromenacker erschließt und an der Heldelinger Straße auf Höhe des Rumänenfriedhofs endet, verbinde sich eine Reduktion des Durchgangverkehrs um 2000 bis 3000 Fahrzeuge, was Eberhardt schon als „psychologisch kaum spürbar“ bezeichnete. Die weitere Anbindung der Umfahrung bis nach Weil würde diesen Effekt allenfalls verdoppeln – viel zu wenig, um eine Straßenbaumaßnahme dieser Ausmaße überhaupt noch weiter voranzutreiben. Was die Situation völlig auf den Kopf stellt, ist der Umstand, dass die Umfahrung, wenn sie bis Weil weitergeführt würde, mit über 13 000 bis 15 000 Fahrzeugen am Tag sehr gut genutzt würde – allerdings eben nicht wie vorgesehen als Entlastung von Haltingen sondern als Alternativstrecke zur Autobahn. Um nicht länger im Stau vor dem Grenzübergang zu stehen, würde sie auf die Umfahrung wechseln, erklärte Eberhardt den immerhin über 30 Zuhörern im FV Sportheim.
Egal welche Variante man dabei wählen würde, ob entlang des Hochgestades oder parallel zur Autobahn auf der Lustgartenstraße im Tiefgestade, „wir würden einen Moloch bauen, von dem die Stadt selbst kaum etwas hat“, so Eberhardt. Er ziehe aus diesen Überlegungen zwei Konsequenzen. Zum Einen müsse mit dem Bau des nächsten Teilstücks für die Nordwestumfahrung unbedingt eine Verkehrsberuhigung in Haltingen einhergehen. „Wenn wir hier alles beim Alten lassen, dann bekommen wir keine Entlastung. Wir müssen den Durchgangsverkehr spürbar unbequemer machen“, erklärte er.
Zudem sei der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs voranzutreiben. Da die Ansprüche an die Mobilität immer weiter wüchsen, sei nur eine Umsteigemöglichkeit auf Zug oder Tram eine echte Alternative. „Niemand steigt in den Bus, wenn er damit auch nur wieder im Stau steht“, erklärte Eberhardt sein Engagement für die Region-S-Bahn. Vor allem der Anschluss des Gewerbegebiets und der Gemeinden Binzen und Rümmingen habe da oberste Priorität.
Die anschließende Diskussion zeigte, dass die Haltinger SPD-Mitglieder zwar enttäuscht über diese Prognosen und deren Folgen sind, aber grundsätzlichdie eingeschlagene Richtung mit tragen wolle – immerhin steht die Entlastung des Ortsteils Haltingen nach wir vor ganz oben auf der Wunschliste der Bevölkerung.