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Wehr Lautloses Spiel mit dem Wind

01.09.2009
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Faszination Fliegen: Für viele bleibt es ein Traum, Frank Müller hat ihn sich verwirklicht. Mit dem Gleitschirm zieht es den in Wehr aufgewachsenen Wirtschaftsinformatiker seit nun mehr sieben Jahren hoch in die Luft, zuerst Solo und mittlerweile auch zu Zweit.

An den Sport mit Sinnlichkeit, intensiver Verbundenheit mit der Natur und dem Spiel mit dem Wind, begleitet vom Abenteuer frei wie ein Vogel zu sein, kam er eher per Zufall. Fahrradtouren und Wanderungen führten ihn mehrmals am Startplatz des Delta Club Condor in Bergalingen auf dem Hotzenwald vorbei, wo er gerade fliegende Piloten beobachten konnte. Auf der Suche nach einem neuen Hobby, bei dem Motorradfahren, Tauchen oder Gleitschirmfliegen in der engeren Wahl standen, fiel die Entscheidung dann nicht mehr schwer. „Statt in Urlaub zu fahren, investierte ich in einen Grundkurs zum Gleitschirmfliegen“, erinnert sich der 45-Jährige und absolvierte 2002 in Schönau die Prüfung des Luftfahrerscheins zum Luftsportgeräteführer.

Erste Lernerfolge im Rahmen der Ausbildung werden an einem 40-Meter-Hügel erzielt. Dem folgt die 100-Meter-Marke, bevor Ausbildungsflüge mit 500 Meter Höhenunterschied Stück um Stück zum selbstständigen Fliegen führen. Rund ein halbes Jahr mit Theorie und Praxis sind in die Ausbildung geflossen. Und, es hat sich gelohnt.

„Das Fliegen ist ein unbeschreiblich schönes Gefühl. Schon vor dem Losrennen zum Start des Fluges kommt ein erstes Kribbeln im Bauch auf, und wenn die Füße langsam den Kontakt zum Boden verlieren spürt man wie sich alles verändert“, erklärt Müller. „Dieser Sport umfasst die gesamte emotionale Spanne von Nervosität oder Angst, der absoluten Konzentration beim Fliegen bis hin zum euphorischen Glücksgefühl bei längeren Flügen.“ Bei einer Mischung aus Konzentration und Genuss sei es ein besonders Erlebnis, die Luftbewegungen am Schirm zu spüren, den rauschenden Wind zu hören, in der Thermik den Wald im Tal zu riechen oder mit Vögeln gemeinsam durch die Luft zu gleiten. „Man ist in einer anderen Welt“, beschreibt Müller den Sport. „Unter dem Gleitschirm in der Luft ist man alleine auf sich gestellt, am Boden ist es aber wichtig, sich vor dem Start in der Gruppe gegenseitig zu unterstützen“.

Zunehmend wuchs das Bedürfnis, die Eindrücke des Fliegens gemeinsam mit anderen zu teilen zu wollen. Eine Möglichkeit bietet das Tandemfliegen, dessen Ausbildung Müller seit rund einem Jahr in der Tasche hat. „Während der Schulungen nimmt der Auszubildende sowohl die Position des Piloten wie auch des Passagiers ein. Es ist für den künftigen Piloten eine wichtige Erfahrung, die Eindrücke und Empfindungen eines Passagiers am eigenen Leib zu erleben. Erst dann lässt sich nachvollziehen, wie es ist, nicht selbst die Kontrolle über den Gleitschirm zu haben“, schmunzelt er.

Egal, ob Solo oder mit „Anhang“ unterwegs – im Vordergrund steht immer Umsicht, Verantwortungsgefühl, verbunden mit sorgfältiger Vorbereitung. Riskantes Fliegen lehnt er ab. Beim Tandemflug geht Müller ganz auf die Bedürfnisse seines Passagiers ein. „Manche wollen den Flug einfach nur in Ruhe genießen, andere in den Sport reinschnuppern und sind sehr wissbegierig“, weiß er. Der Thermik- und Streckenflieger weiß aber auch wie anstrengend für ihr soziales und gesellschaftliches Umfeld richtig angefressene Gleitschirmflieger sein können, die ihr Leben komplett darauf ausrichten. Thermik und Wolken stets im Blick und den Gleitschirm dauerhaft im Gepäck. „Es ist ein ständiger Spagat zwischen familiärer wie beruflicher Verpflichtung und dem Wunsch fliegen zu wollen. Der Sport hat schon ein ausgesprochenes Suchtpotential“, räumt Müller ein. Wen wundert's, angesichts malerischer Erzählungen von Klippenflügen beim Sonnenuntergang über dem Meer oder alpinen Flügen entlang des Wolkenrandes hoch über den Bergen.

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