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Wehr Größte Turmuhr der Welt kommt aus Wehr

01.02.2012
Wehr -  Es ist die größte Turmuhr der Welt, die seit einigen Monaten Millionen von Pilgern im saudiarabischen Mekka die Zeit anzeigt. Doch auch wenn auf dem Zifferblatt arabische Symbole prangen, steckt im Inneren Hightech aus Baden-Württemberg.

Millionen muslimische Pilger in Mekka blicken auf die größte Turmuhr der Welt – ein Gemeinschaftsprodukt zweier baden-württembergischer Firmen.  Bild: dpa/Kownatzki

Andreas Perrot und Michael Kownatzki vor einem der fünf 21 Tonnen schweren Uhrengetriebe. Vier davon sind tatsächlich in Betrieb, eines steht in einem Museum in der Spitze des Hochhauses.

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Der Minutenzeiger ist 22 Meter lang, der Stundenzeiger misst noch stolze 17 Meter. Das Zifferblatt hat einen Durchmesser von sage und schreibe 43 Metern. Noch in acht Kilometern Entfernung lässt sich die genaue Uhrzeit ablesen.

Auch wenn die Uhr äußerlich arabische Symbole zeigt, im Innern steckt Hightech aus Baden-Württemberg. Realisiert wurde sie von der Turmuhrenfabrik Perrot in Calw gemeinsam mit dem bekannten Stuttgarter Architekten Bodo Rasch. Die aus einer besonders harten Spezialbronze gefertigten Zahnräder in den Uhrwerken stammen aus der Zahnradfabrik Kownatzki im südbadischen Wehr.

„Es war eine außerordentlich partnerschaftliche Zusammenarbeit. Die Idee des Uhrengetriebes kam von der Firma Perrot, die Berechnung und Fertigung der Zahnräder erfolgte in Wehr“, sieht Geschäftsführer Michael Kownatzki in der High-Tech-Turmuhr den Beweis für die Leistungsfähigkeit des baden-württembergischen Mittelstands. „Einen Auftrag, den man nicht ablehnen kann“, beschreibt er die Herausforderung, für ein solches Prestige-Projekt zu arbeiten. Für das Wehrer Familienunternehmen mit seinen knapp 100 Mitarbeitern sind solche Aufträge nichts Besonderes.

Das Unternehmen ist bekannt dafür, anspruchsvolle Spezialaufträge zu erfüllen. Schon jetzt sind zwei Drittel der Aufträge des Unternehmens Einzelanfertigungen, nur ein Drittel Serienproduktionen. Die Wehrer Firma hat schon Bauteile für die Landeklappen des größten Passagierflugzeugs der Welt, dem Airbus A 380, hergestellt.

Nun ist es das zweitgrößte Gebäude der Welt, in dem sich Zahnräder aus Wehr drehen. Dass die Spitze des Hauses die größte Turmuhr der Welt ziert, hat für die gläubigen Muslime eine besondere Bedeutung: Fünf Gebete sind pro Tag vorgeschrieben, die genauen Zeiten werden stets in den Tageszeitungen abgedruckt. Doch die Uhr zeigt nicht nur den Gläubigen vor Ort die genaue Zeit an. Im Turm befinden sich mehrere Atomuhren, die die „Mekka-Zeit“ generieren – das arabische Pendant zur Greenwich Mean Time in Europa. „Vom zentralsten Ort des islamischen Glaubens wird das Zeitsignal in die Welt versendet“, beschreibt Kownatzki die Symbolkraft der Uhr.

Technisch ist die solarbetriebene Uhr ein Meisterwerk, das höchsten Ansprüchen genügen muss. Auf eine Lebensdauer von mindestens 100 Jahren wurde sie ausgelegt. Eines der fünf Uhrwerke lief deshalb bereits ein Jahr lang zur Probe, anschließend wurden die bis zu 140 Zentimeter großen Zahnräder auf Verschleiß untersucht – mit außerordentlich zufriedenstellenden Ergebnissen.

Die von innen begehbaren, 7,5 Tonnen schweren Zeiger wurden aus Kohlefaser-Verbundstoffen gefertigt. Sie wurden aerodynamisch geformt, da sie auch bei Sturm nur minimal schwanken dürfen, um nicht gegeneinander zu schlagen. Bei Gewitter werden vollautomatisch Teleskop-Blitzableiter aus dem Zifferblatt herausgefahren, um die Technik zu schützen. Auch dieses Sicherungssystem wurde vom Turmuhrenhersteller Perrot in Calw entwickelt. Eine ganz besondere Herausforderung stellte die Montage der Uhr dar: Weil die Stadt Mekka nur von Muslimen betreten werden darf, stellte das Familienunternehmen Perrot extra einen islamischen Ingenieur ein, der die Montage vor Ort organisierte. Der Rest musste über Telefon, Skype und E-Mail koordiniert werden.

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