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Wehr Geburtstag auf 6000 Metern Höhe

23.02.2012


Keine Kerzen, kein Kuchen, kein Ständchen. Seinen 65. Geburtstag feierte Klaus Denzinger in diesem Jahr nicht wie gewöhnlich.

Schließlich befand sich der Wehrer Alt-Bürgermeister an seinem Wiegenfest an einem ganz besonderen Ort. „Es war der Tag, bevor ich den Gipfel des 5895 Meter hohen Kilimandscharo erreichte“, blickt Denzinger noch immer schwer beeindruckt auf neun erlebnisreiche Februar-Tage in Ostafrika zurück: „Ich habe wirklich schon vieles gesehen und erlebt, doch das war mit Abstand das Größte.“

Sein Geburtstag rückte am höchsten Berg Afrikas weit in den Hintergrund. Denzinger hatte sich für diese spannende Woche in Tansania ein großes Ziel gesetzt: „Oft hatte ich mir vorgenommen, einmal etwas Außergewöhnliches zu machen – Wüste oder Berge. Da kam mir der Kilimandscharo in den Sinn.“

Von Frankfurt aus reiste Klaus Denzinger via Addis Abeba (Äthiopien) nach Moshi, einer kleinen Stadt in Tansania, dem Ausgangspunkt des Abenteuers. Schon am nächsten Tag nahm die von einem Deutschen geführte Gruppe – neben Denzinger noch ein Österreicher, zwei Polen und eine Deutsch-Russin – die strapaziöse Tour in Angriff.

„Die ersten Tage waren eigentlich gar nicht so wild“, erinnert sich der sportliche Wehrer: „Ich hatte in den Wochen zuvor gut trainiert, bin immer wieder auf den Hotzenwald oder nach Gersbach gelaufen, um gewappnet zu sein.“ Was Denzinger allerdings am vierten Tag der hochalpinen Bergwanderung erwartete, hatte er sich in seinen kühnsten Träumen nicht vorzustellen gewagt: „Es war eine sonderbare Mischung aus unglaublicher Anstrengung, gepaart mit sensationellen Eindrücken durch die Landschaft und die immer dünner werdende Luft auf gut 4000 Metern Höhe.“

Es war kein Bergsteigen, wie man es aus den Alpen kennt, sondern ein Vorankommen auf Pfaden und Wegen. Zunächst im Regenwald, danach auf einer Moorebene und später durch eine Steinwüste. „Täglich sind wir zwischen vier und sieben Stunden marschiert – und dank des herrlichen Wetters immer die schneebedeckte Kuppe des Kilimandscharo im Blickfeld“, schwärmt Denzinger von den unvergesslichen Momenten, etwa 350 Kilometer südlich des Äquators.

Klaus Denzinger zeigt sich noch immer beeindruckt, wie schnell die Gruppe und die zahlreichen tansanianischen Helfer und Träger zu einer Einheit wurden: „Angereist sind wir quasi als Einzelkämpfer. Recht schnell aber wusste die Gruppe, dass wir uns jederzeit auf den Anderen verlassen können“, sagt er. Das sei gerade in Motivationslöchern wichtig gewesen – vor allem am vorletzten Tag des Gipfelsturms: „Wir hatten zwar einen so genannten Ruhetag. Der war jedoch ausgefüllt mit einer längeren Tour, die uns rund 400 Höhenmetern bescherte“, erklärt Denzinger die Taktik des erfahrenen Führers: „Jeden Abend setzte er eine kleine Wanderung in die Höhe an, damit wir uns akklimatisieren.“

Zum Endspurt setzte ein Quartett an, denn zwei Teilnehmer mussten kurz vor dem gemeinsamen Ziel aus gesundheitlichen Gründen passen: „Ich war so froh, dass es mich nicht erwischt hat“, so Denzinger: „Gegen Höhenkrankheit oder Durchfall hätte mir alles Training nichts genutzt.“

Spätabends gegen 23 Uhr zogen die Vier los. Der Schneefall hatte sich eben gelegt, da stapfte die Gruppe, nur mit Stirnlampen ausgerüstet und in funktionelle Kleidung gehüllt, dem ewigen Eis auf dem Gipfelmassiv entgegen. Nach Stunden durch die Nacht bei eisiger Kälte, die die Teilnehmer an die Grenzen des Belastbaren brachte, graute der Morgen: „Es gab da Momente, in denen nur die Gruppe verhinderte, dass einer wieder umkehrt“, erzählt Denzinger. Dann aber war das große Ziel greifbar nah: „Mir läuft jetzt noch ein Schauer über den Rücken, wenn ich an diesen beeindruckenden Sonnenaufgang denke.“ Kurz darauf brachen alle Dämme: „Das ist Adrenalin pur, wenn du am Ziel bist. Wenn du es geschafft hast, den unglaublichen Ausblick genießen kannst“, schwärmt Denzinger von den Glücksmomenten auf dem höchsten Punkt des afrikanischen Kontinents: „Bei optimalem Wetter sieht man bis zu 300 Kilometer weit.“

Wenn es auch einen gut organisierten Berg-Tourismus rund um den Kilimandscharo im ostafrikanischen Tanzania gibt, ist der Mensch gerade jetzt ganz allein: „Schon auf dem Weg über die Eisfelder, aber nicht zuletzt auf dem Gipfel gibt es Momente der Einsamkeit“, sagt Klaus Denzinger und wird beim Erzählen leiser: „Man geht in sich, denkt an Stationen des Lebens, an die Familie und ist unendlich dankbar, dass man diesen Moment erleben kann und darf – was mit 65 Jahren nicht selbstverständlich ist.“

Für Klaus Denzinger war der Weg auf den höchsten Berg Afrikas ein großer Meilenstein in seinem ereignisreichen Leben: „Eine Erfahrung, die ich nie mehr missen möchte“, betont der Kommunalpolitiker und Sport-Funktionär: „Zwar hatte ich mich wochenlang durch Training und Literatur vorbereitet. Ich muss sagen: Etwas Beeindruckenderes habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt.“

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