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Wehr Ein ergreifender Klangteppich

Orgelkonzert mit Frank Rieger zeigt den Wandel vom Dunkeln ins Helle musikalisch in der Wehrer Pfarrkirche auf

„Vom Dunkel zum Licht“ hatte der Bräunlinger Organist und Orgelsachverständige Frank Rieger das Programm seines Konzertes am Sonntagabend in der Katholischen Pfarrkirche St. Martin in Wehr überschrieben, und recht ausgiebig befasste er sich zunächst mit dem Dunkel. In der dunklen Tonart c-moll stehen sowohl das von Rieger als Eröffnungsstück gewählte Präludium und Fuge von Felix Mendelssohn-Bartholdy als auch die folgende Passacaglia von Johann Sebastian Bach. Machte das Präludium eher den Eindruck eines dicht aus vielen ineinandergreifenden Melodiegirlanden gewobenen Klangteppichs, so stieg die Fuge aus tiefster Lage machtvoll auf und sank am Ende zurück in dunkel abgetönten Mollgrund. Auch in dem Werk Bachs erhebt sich die Melodie erst spät aus den Basstiefen, kämpft sich quasi empor und legt sich in Form lang gehaltener Melodietöne über die zuvor den Satz beherrschende kurze Floskel. Nach einem sanften Innehalten in Form fragiler Arpeggien verdichtet sich der Satz erneut, so dass Rieger hier sein virtuoses Können geballt zur Geltung bringen konnte.

Dem Licht wandte sich Organist Frank Rieger zu mit dem Benedictus op. 59,9 von Max Reger, einem sehr bildhaft angelegten Charakterstück. Gleißende Strahlen hoher Töne tauchen aus dem Nichts, gleiten sanft nieder. Das abrupt einsetzende, klare Fugato verdichtet sich zu aufsteigenden Anrufungsgesten, die in einen weich zurückgenommenen Schluss münden. Einen extremen Gegensatz wiederum zu dem Regerstück bildete der folgende „March“ aus der „Suite de danses“, nach einer Improvisation von Pierre Cochereau transkribiert von David Briggs.

Martialisch wirkende, stramm fortschreitende Punktierungen formen darin einen den Zuhörer quasi von hinten überrollenden Aufmarsch, aus dem in der Folge einzelne Charaktere wie in Großaufnahme herangezoomt werden. Das kurze Stück endet in dumpfem Grollen.

Das Concert-Präludium und Fuge von Camillo Schumann zu dem Choral „Nun danket alle Gott“ irritiert zunächst mit breit ausgehaltenen Trugschlüssen an den Phrasenenden der eingestreuten Choralmelodie. Der helle Charakter des einsetzenden Fugenthemas, unterstützt durch aufwärts gerichtete Läufe, wirkt daher wie eine Erlösung. In bestätigenden Bögen verdichtet sich der Satz immer mehr, Rieger zelebrierte den Schluss mit geballter Energie.

Den Programmabschluss bildeten zwei Sätze der Orgelsymphonie Nr. 1 von Louis Vierne. Die Pastorale überzeugte mit freudig ausgreifenden Melodielinien, die sich als luftig zarte Naturwesen zum geschmeidig einander umkreisenden Reigen vereinigten, während Rieger im Finalsatz nochmals alles nur Erdenkliche an Klang aus der großen Wehrer Orgel herausholte.

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