Ich fand es faszinierend, dass die Männchen die Babys und auch noch die Kinder auf dem Rücken oder Bauch durch die Gegend tragen", meint die Anthropologin Angelika Timme. Seit über 20 Jahren beobachtet die Naturwissenschaftlerin am Institut für Anthropologie in Berlin Berberaffen in der ganzen Welt. Und seit 2001 macht sie jedes Jahr einen Abstecher im Schwarzwald-Park in Löffingen. "Ich habe gehört, dass hier Berberaffen gehalten werden und habe mit Tierparkbetreiber Ottfried Reichle einen interessanten Menschen kennen gelernt", sagt die Expertin.
"Ich schaue mir die Tiere an und beurteile ihren gesundheitlichen Zustand. Außerdem müssen wir aufpassen, dass sie sich nicht zu stark vermehren - dann müssten wir eventuell auf Verhütungsmittel zurückgreifen", erklärt Angelika Timme, die den rund 40 Berberäffchen im Löffinger Tierpark einen hervorragenden Zustand bescheinigt. Außer der Reihe wurde die Anthropologin beim Verschwinden eines Männchens Anfang des Jahres konsultiert (wir berichteten). Nachdem das Tier im Wutachtal gefunden wurde, konnte sie wertvolle Tipps geben, um den Ausreißer einzufangen. Dieser sitzt jetzt übrigens noch in Einzelhaft und soll mit dem ersten Nachwuchs im Mai wieder zu seinen Artgenossen stoßen.
Den Namen haben die Berberaffen von einem afrikanischen Stamm, der im Atlasgebirge in Marokko und Algerien beheimatet ist. "Dort leben heute nur noch 5000 Tiere in Freiheit und diese werden immer mehr verdrängt", erläutert die Expertin. "Damit sind sie praktisch schon ausgestorben." Umso wichtiger ist es, die Tiere bei uns zu hegen und zu pflegen. Berberaffen sind sehr tolerant und friedlich, auch den Menschen gegenüber. Sie werden bis zu 60 Zentimeter groß und 25 Kilogramm schwer. Das dicke, bräunliche Fell verleitet groß und klein zum Anfassen - Berberäffchen sind einfach niedlich. "Bei richtiger Ernährung werden sie muskulös", so Angelika Timme. Richtig sind Gras, Baumrinde, Blätter, Tannennadeln, Obst und Gemüse sowie Pellets-Fertigfutter.
Im Rahmen ihres Studiums an der Freien Universität machte die sympathische Berlinerin ein Praktikum in Kintzheim im Elsaß. Im Berberaffengehege imponierte ihr auf Anhieb, dass die Männchen die Jungen mit sich rum schleppten. Erst viel später bei einer Untersuchung am Affenberg bei Salem stellte sie fest, dass nicht nur die Väter dieses Verhalten an den Tag legen, sondern auch andere männliche Tiere.
"Die Jungtiere dienen als soziales Werkzeug - quasi um Aufmerksamkeit zu erregen und sich für die Weibchen interessant zu machen", erklärt die Anthropologin, die von dieser Feststellung zwar enttäuscht war, aber die Liebe zu den Berberaffen geblieben ist. Nur einmal wurde die Naturwissenschaftlerin, die in Salem ihre Doktorarbeit gemacht hat, diesen untreu: "Ich war für fünf Jahre in Puerto Rico und habe dort Vergleiche mit Rhesusaffen gemacht."
Etwas neues gibt es auch aus dem Schwarzwald-Park zu berichten: Die Betreiber, Verena und Ottfried Reichle, beabsichtigen das Berberaffengehege zu vergrößern und damit auch einen direkten Kontakt der Besucher mit den possierlichen Tierchen zu ermöglichen. "Ähnlich wie auf dem Affenberg in Salem", meint Verena Reichle. Außerdem erwarten die Berberaffen, die sich im winterlichen Löffingen so richtig wohl fühlen, demnächst Zuwachs. "Im Herbst war die Paarungszeit, wo die Weibchen sich ihren Partner aussuchen und nicht umgekehrt wie vielfach angenommen. Im Mai werden die Jungen geboren", erklärt Angelika Timme, die sich auf ihren nächsten Besuch bei den Reichles jetzt schon freut. Der Schwarzwald-Park Löffingen ist über die Osterfeiertage geöffnet. Dort können dann, quasi als Ersatz für den Osterhasen, die Berberäffchen bestaunt werden.
Jürgen Müller