Die Bahnkunden am Hochrhein haben diesen Sommer wieder allen Grund zu klagen. Häufig kommt es bei hohen Temperaturen zu Verspätungen des Interregio-Express (IRE), weil die Neigezüge wegen überhitzter Dieselmotoren Kühlpausen einlegen müssen. "Mehr als peinlich", sagt die Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter, "Stoff für eine Satire", ärgert sich ein Fahrgast.
Kreis Waldshut - 28. Juli 2008: Walter Scheffel hatte endgültig die Nase voll. Wieder einmal verspätete sich sein Zug von Schaffhausen nach Tiengen um 25 Minuten. Sein Beschwerdebrief an die DB Regio in Stuttgart war nicht der erste. Aber diesmal entwickelte sich eine "mir nicht vorstellbare Eigendynamik". Ursprünglich wollte er nur die Unterschrift seiner vier Kollegen, spontan schlossen sich knapp 30 Mitreisende an. Viele Pendler spielen wie er mit dem Gedanken an eine Fahrgemeinschaft, obwohl sie eigentlich "weiterhin gerne Bahnkunden bleiben" wollen.
In den zehn Jahren, die der Neigezug auf der Strecke Basel - Singen rollt, haben sie da allerdings schon einiges mitmachen müssen. "Der VT 611 ist kein einfaches Fahrzeug", seufzt im Antwortschreiben auf eine Beschwerde aus Tiengen (Leserbrief vom 1. August) eine "Korridormanagerin" der DB. Für über ein Jahr musste die Neigetechnik ausgeschaltet werden. Vor zwei Jahren gab es Riesenprobleme wegen der Klimaanlage (die Reisenden saßen im Sommer wie in einem Brutkasten), die noch nicht richtig behoben sind.
Aber, verspricht die Bahn ihrem erbosten Kunden.: "In den nächsten Wochen werden alle Fahrzeuge mit einer neuen Software bespielt sein, die eine wesentliche Verbesserung verspricht. Das Heizen im Sommer soll nun endlich ein Ende haben!"
Bliebe das Problem mit den überhitzten Motoren. Es zu beseitigen, würde eine nachhaltige bauliche Änderung bei den Zügen erfordern, weiß ein ehemaliger Mitarbeiter der Bahn. Denn jetzt werde die Luft für die Kühlung von unten angesaugt, wo sich die Hitze staut und viel Dreck in die Filter gerät. Wenn es dem Motor zu heiß wird, schaltet er sich von selber aus, um kapitale Motorschäden zu vermeiden", beschrieb die Bahn in einem Antwortschreiben 2006 die Misere. Im gleichen Sommer räumte das Innenministerium in Stuttgart auf die erboste Anfrage eines Landtagsabgeordneten ein: "Wie sich herausgestellt hat, wurden bei der Entwicklung des Fahrzeuges Fehler gemacht, die sich im Betrieb nicht oder nur sehr schwer beheben lassen." Aber, so Walter Scheffel, "es hat sich nichts geändert."
"Züge, die mit normalen sommerlichen Temperaturen nicht zurechtkommen, sind anachronistisch", schimpft die Abgeordnete Schwarzelühr-Sutter. Das Waldshuter Landratsamt wird "eine erhöhte Zahl an Reklamationen" weiterreichen. "Alle bitten um Verständnis und kassieren weiter, obwohl die Leistungen nicht erbracht werden", wurmt es einen frustrierten Kunden der Bahn.