Waldshut-Tiengen Verbeugung vor NS-Opfern
Dieser Stolperstein in Freiburg-Günterstal erinnert an die Ordensfrau jüdischer Herkunft, Edith Stein. 1942 wurde sie in Auschwitz ermordet. Bild: Bild: M. bucher
Damit will man NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückgeben werden. Der Gemeinderat Waldshut-Tiengen entscheidet in seiner Sitzung am kommenden Montag, ob das Projekt in der Stadt realisiert werden kann. Um die Abklärung der Standorte und die Kosten würde sich der Freundeskreis kümmern. „Wir denken an Patenschaften für die einzelnen Stolpersteine“, sagt Magdalena Bucher vom Freundeskreis Jüdisches Leben.
Initiator der „Stolpersteine“ ist der bundesweit agierende Künstler Gunter Demning. Es sind Gedenktafeln, die vor dem letzten Wohnort der NS-Opfer in das Pflaster des Gehwegs eingelassen werden. Sie sind einheitlich aus Beton, mit einer Kantenlänge von zehn Mal zehn Zentimetern, auf der Oberseite ist eine beschriftete Messingplatte angebracht. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, soll nach Demnings Idee auch eine symbolische Verbeugung vor den Opfern sein. Gunter Demning würde auch die „Stolpersteine“ in Waldshut-Tiengen verlegen, die im Rahmen einer Kulturwoche „Jüdisches Leben in Tiengen“ ihrer Bestimmung übergeben werden könnten. Voraussichtlicher Termin ist im Herbst 2012. Nicht überall findet Demnings Idee Zustimmung. So bezeichnete die frühere Präsidentin des Zentralsrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, es als „unerträglich“, die Namen ermordeter Juden auf Tafeln zu lesen, die in den Boden eingelassen sind und auf denen herumgetreten wird. Einige Städte, zum Beispiel München, folgten dieser Kritik und lehnten das Projekt ab, an anderen Orten wurde die Genehmigung für das Verlegen von Stolpersteinen erst nach langen Diskussionen oder unter Auflagen genehmigt.
Teilweise sind auch Hausbesitzer oder Mieter gegen das Projekt. Sie argumentieren beispielsweise mit einer befürchteten Wertminderung durch die Stolpersteine oder lehnen sie aus Angst vor rechtsradikalen Übergriffen ab.
„Wir hoffen auf die Zustimmung des Gemeinderats“, sagt Magdalena Bucher. Natürlich respektiere man in jedem Fall den Willen der Hauseigentümer, wenn sie sich gegen das Projekt vor ihrer Haustür aussprächen. Möglich wären nach ihrer Ansicht bis zu 15 Stolpersteine in Tiengen und einer bis drei in Waldshut.
Menschen, an die so erinnert werden könnte, hat der Freundeskreis durch eigene Recherchen in der Geschichte der Stadt in Erfahrung gebracht. Immer wieder schicken Bürger dem Verein auch bewegende Aufzeichnungen von Schicksalen von Tiengener Verwandten und Bekannten, die während des Nazi-Regimes deportiert und ermordet worden sind.
