Waldshut/Villigen (hjh) Mit einem "trojanischen Vitamin" schicken sich Forscher des PSI in Villigen an, Krebsgewebe frühzeitig erkennbar zu machen. Das Paul-Scherrer-Institut arbeitet dabei eng mit dem Universitätsspital Zürich und anderen Wissenschaftlern zusammen.
Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass Krebszellen einen besonders hohen Bedarf an Vitamin B 12 haben. Diesen Umstand wollten sich Krebsforscher bisher schon zunutze machen. Sie versuchten, das Vitamin radioaktiv zu markieren und über die Blutbahn zum Tumor im Körper zu befördern. Die Versuche scheiterten bislang daran, dass die körperlichen Transportsysteme das B 12 auch zu gesunden Zellen beförderten.
Das Zentrum für radiopharmazeutische Wissenschaft in der Schweiz entdeckte nun beim Vitamin B 12 einen weiteren "Chauffeur" durch die Blutbahn, der speziell das Tumorgewebe so mit dem radioaktiv markierten B 12 anreichert, dass das Geschwür in bildgebenden Verfahren sichtbar wird. In klinischen Studien will das Unispital klären, ob sich die bisherigen Ergebnisse von Tierversuchen auch auf Menschen übertragen lassen. Sollte den Bemühungen ein Erfolg beschieden sein, "könnte das modifizierte B 12 nicht nur zum Aufspüren von bestimmten Tumoren benützt werden, sondern auch zu deren gezielter Zerstörung", schreibt das Institut.
Bei der Veränderung des B12-Moleküls wirkten die Großforschungseinrichtungen des PSI zusammen mit Chemikern der Universität Zürich. Ein industrieller Partner lieferte das B12-Ausgangsmolekül. Onkologie und Pathologie des Universitätsspitals Zürich kamen dem Mechanismus der gezielten Tumoraufnahme auf die Spur. Gemeinsam erreichte man die behördliche Genehmigung für eine erste Studie am Menschen.
