Mein

Waldshut-Tiengen Suche nach Endlager nimmt Gestalt an

21.01.2012
Schlagwörter


Die Schweiz will ihren Atommüll möglichst nah an der deutschen Grenze endlagern. Diesen Eindruck bestärken die am Freitag vom Schweizer Bundesamt für Energie veröffentlichten Standortvorschläge für die oberirdischen Eingangsanlagen zu den unterirdischen Lagern: 15 der von der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) vorgeschlagenen insgesamt 20 Eingänge liegen nah bis unmittelbar an der deutschen Grenze, darunter alle zwölf Eingangsvarianten für Endlager hochradioaktiver Abfälle.Waldshuts Landrat Tilman Bollacher will die „Grenznähe der Standorte“ zu Deutschland „kritisch hinterfragen“, kündigte er am Freitag in einer ersten Reaktion an.

Die Kantone Aargau und Schaffhausen haben schärfer reagiert und lehnen Endlager und Eingangsbauwerke dazu auf ihren Gebieten rundweg ab. Die Nagra-Vorschläge für die Standorte seien „nicht nachvollziehbar“, und der Aargau wolle grundsätzlich kein Atomendlager, heißt es in einer Erklärung des Kantons. Die Schaffhauser Regierung äußerte sich „besorgt“ zu den Nagra-Vorschlägen und nannte sie „unzumutbar“.

Die Eingangsbauwerke zu den Endlagern sind nach Ansicht der Betroffenen mit hohem Risiko belastet, weil sie nicht einfach nur das Tor und der Zugangsstollen zu den in 200 bis 900 Metern Tiefe liegenden Atommülllagern sind, sondern weil auf dem rund acht Hektar großen Zugangsplatz oberirdisch der angelieferte radioaktive Abfall erst in die Endlagerbehälter umgepackt werden muss. Von dieser „heißen Zelle“, auch schon „Atomfabrik“ genannt, gehe eine besondere Gefährdung aus.

Sechs mögliche Endlagerregionen Von der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle vorgeschlagen wurden für die Eingangsbauwerke 20 Standorte in den sechs möglichen Endlagerregionen Jura Ost (Bözberg), Nördlich Lägern (Kantone Zürich und Aargau), Zürich Nordost (Benken), Südranden (Schaffhausen) sowie den weiter von der Grenze entfernten Regionen Jura Südfuß (Solothurn/Aargau) und Wellenberg (Nidwalden, Obwalden).

Am Südranden, wo nur ein Endlager für schwach- und mittelaktive Abfälle in Frage käme, sind das drei Standorte in Wilchingen/Hallau und zwei in der Gemeinde Beringen (einer nördlich von Neuhausen am Rheinfall). In Zürich Nordost, das zusammen mit Nördlich Lägern und Jura Ost eines der drei Gebiete ist, in denen sowohl Lager für schwach- und mittelaktive, als auch für hochradioaktive Abfälle möglich sind (Kombilager), sind vier Standorte ausgewiesen: Rheinau/Marthalen, Kiesgrube Marthalen, Schlatt, Gewerbegebiet Marthlalen beim Bahnhof – alle Standorte in der Nähe von Jestetten und Lottstetten.

Vier Zugänge zu Kombilagern sind auch im Bereich Nördlich Lägern ausgewiesen: Mellikon/Rekingen gegenüber dem deutschen Reckingen, die Kiesgrube Weiach sowie die Kiesgruben Glattfelden und Glattfelden/Bülach – gegenüber Hohentengen. Vier Eingangsstandorte schlägt die Nagra auch in Jura Ost vor: Villigen und Würenlingen, beide in unmittelbarer Nachbarschaft des Atommüllzwischenlagers Zwilag und nahe Waldshut gelegen sowie Hornussen und Bözen in der Nachbarschaft von Laufenburg und Bad Säckingen. Weitere vier Standorte, nur für schwach- und mittelaktive Abfälle, sind für Jura Südfuß vorgeschlagen, einer in Wellenberg.

Die von der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle vorgeschlagenen Standortgebiete werden jetzt in einem etwa vier Jahre dauernden Verfahren sicherheitstechnisch vertieft untersucht. Im Anschluss daran sollen pro Abfallkategorie zwei mögliche Standorte übrig bleiben, über die die Schweizer Regierung entscheidet und möglicherweise letztendlich das Schweizer Volk in einer Volksabstimmung.

Massiver Protest
In den 1970er Jahren konnte das Atomkraftwerk Wyhl am Kaiserstuhl verhindert werden.
Entscheidung in Grenznähe vorhersehbar
Wenig beruhigend wenn man liest, dass noch der Schweizer Stimmbürger über den Lagerstandort ...
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln