Waldshut-Tiengen Suche nach Endlager nimmt Gestalt an
Die Kantone Aargau und Schaffhausen haben schärfer reagiert und lehnen Endlager und Eingangsbauwerke dazu auf ihren Gebieten rundweg ab. Die Nagra-Vorschläge für die Standorte seien „nicht nachvollziehbar“, und der Aargau wolle grundsätzlich kein Atomendlager, heißt es in einer Erklärung des Kantons. Die Schaffhauser Regierung äußerte sich „besorgt“ zu den Nagra-Vorschlägen und nannte sie „unzumutbar“.
Die Eingangsbauwerke zu den Endlagern sind nach Ansicht der Betroffenen mit hohem Risiko belastet, weil sie nicht einfach nur das Tor und der Zugangsstollen zu den in 200 bis 900 Metern Tiefe liegenden Atommülllagern sind, sondern weil auf dem rund acht Hektar großen Zugangsplatz oberirdisch der angelieferte radioaktive Abfall erst in die Endlagerbehälter umgepackt werden muss. Von dieser „heißen Zelle“, auch schon „Atomfabrik“ genannt, gehe eine besondere Gefährdung aus.
Sechs mögliche Endlagerregionen Von der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle vorgeschlagen wurden für die Eingangsbauwerke 20 Standorte in den sechs möglichen Endlagerregionen Jura Ost (Bözberg), Nördlich Lägern (Kantone Zürich und Aargau), Zürich Nordost (Benken), Südranden (Schaffhausen) sowie den weiter von der Grenze entfernten Regionen Jura Südfuß (Solothurn/Aargau) und Wellenberg (Nidwalden, Obwalden).
Am Südranden, wo nur ein Endlager für schwach- und mittelaktive Abfälle in Frage käme, sind das drei Standorte in Wilchingen/Hallau und zwei in der Gemeinde Beringen (einer nördlich von Neuhausen am Rheinfall). In Zürich Nordost, das zusammen mit Nördlich Lägern und Jura Ost eines der drei Gebiete ist, in denen sowohl Lager für schwach- und mittelaktive, als auch für hochradioaktive Abfälle möglich sind (Kombilager), sind vier Standorte ausgewiesen: Rheinau/Marthalen, Kiesgrube Marthalen, Schlatt, Gewerbegebiet Marthlalen beim Bahnhof – alle Standorte in der Nähe von Jestetten und Lottstetten.
Vier Zugänge zu Kombilagern sind auch im Bereich Nördlich Lägern ausgewiesen: Mellikon/Rekingen gegenüber dem deutschen Reckingen, die Kiesgrube Weiach sowie die Kiesgruben Glattfelden und Glattfelden/Bülach – gegenüber Hohentengen. Vier Eingangsstandorte schlägt die Nagra auch in Jura Ost vor: Villigen und Würenlingen, beide in unmittelbarer Nachbarschaft des Atommüllzwischenlagers Zwilag und nahe Waldshut gelegen sowie Hornussen und Bözen in der Nachbarschaft von Laufenburg und Bad Säckingen. Weitere vier Standorte, nur für schwach- und mittelaktive Abfälle, sind für Jura Südfuß vorgeschlagen, einer in Wellenberg.
Die von der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle vorgeschlagenen Standortgebiete werden jetzt in einem etwa vier Jahre dauernden Verfahren sicherheitstechnisch vertieft untersucht. Im Anschluss daran sollen pro Abfallkategorie zwei mögliche Standorte übrig bleiben, über die die Schweizer Regierung entscheidet und möglicherweise letztendlich das Schweizer Volk in einer Volksabstimmung.

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