Waldshut-Tiengen Stuttgarter Umweltminister für Abschaltung von Schweizer Atomkraftwerken

Die grenznahen Schweizer Atomkraftwerke Beznau und Leibstadt seien nicht ausreichend gegen Terroranschläge mit Flugzeugen geschützt und müssten außer Betrieb genommen werden. Dies erklärte bei einem Wahlkampftermin in Waldshut der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen).

In der benachbarten Schweiz sollen sowohl die beiden Blöcke des mehr als 40 Jahre alten Atomkraftwerks Beznau stillgelegt werden als auch der 1984 in Betrieb gegangene Kernreaktor von Leibstadt direkt gegenüber Waldshut. Diese Forderung formulierte gestern bei einem Besuch in der Kreisstadt der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Bündnis 90/Die Grünen).

Die Atomkraftwerke sind nicht ausreichend geschützt

Der Politiker, der sich im Vorfeld der Landtagswahlen vom 13. März mit Vertretern seiner Partei aus dem Kreisgebiet traf, verwies auf ein Gutachten, das im Auftrag des Landesumweltministeriums nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima angefertigt wurde. Dabei wurden die besonders betagten Kernkraftwerke Beznau (Schweiz) und Fessenheim (Frankreich) unter die Lupe genommen. Kriterium war der deutsche Stresstest, auf dessen Grundlage in der Bundesrepublik acht Atomkraftwerke bereits bis 2011 stillgelegt werden mussten. Nach diesem Maßstab dürften, so Untersteller unter Bezug auf das Gutachten, auch Beznau und Fessenheim nicht mehr in Betrieb sein. Untersteller: „Die Anlagen sind nicht ausreichend angelegt gegen Einwirkungen von außen.“ Gemeint damit ist die Gefahr von Terror-Anschlägen mit Flugzeugen.

Wegen offener Fragen nach der Entdeckung von Unregelmäßigkeiten im Stahl des Reaktordruckbehälters ist Block 1 in Beznau, etwa acht Kilometer Luftlinie von Waldshut, derzeit abgeschaltet. Block 2 ist in Betrieb. Minister Untersteller: „Wir würden uns wünschen, dass die Schweiz diese Anlagen möglichst schnell vom Netz nimmt oder nicht mehr in Betrieb nimmt.“ In diese Forderung schloss er das jüngere Atomkraftwerk Leibstadt mit ein. Auch dieses liege trotz Nachrüstungen „unterhalb des technischen Sicherheitsniveaus, das heute für Anlagen in der Bundesrepublik gilt“.

Die an dem Treffen teilnehmende grüne Landtagskandidatin Petra Thyen ist Mitglied des Gemeinderats Waldshut-Tiengen und will dort das Thema zur Sprache bringen. Auf Befragen äußerte sie sich dazu, dass der Gemeinderat, auch unter Zustimmung eines Teils der Grünen-Fraktion, wiederholt Spendengelder des Kernkraftwerks Leibstadt akzeptiert hat. Sie selbst habe stets gegen die Annahme der Zuwendungen votiert: „Ich denke, das geht eigentlich nicht. Das ist moralisch verwerflich.“ Peter Schanz, Kreisvorsitzender und Kreisrat der Grünen, verwies darauf, dass für Herbst in der Schweiz eine neue Volksabstimmung über den Atomausstieg in Vorbereitung ist: „Es gibt einen Hoffnungsschimmer.“


Thema Endlager

Bei seinem Besuch in Waldshut äußerte sich Umweltminister Untersteller (Grüne) auch zu den Schweizer Plänen für ein Atommüll-Endlager. Er forderte, dass die Eidgenossen den Radius der betroffenen und damit in das Verfahren einbezogenen Gemeinden erweitern müsse. Der Grünen-Kreisvorsitzende und Kreisrat Peter Schanz merkte kritisch an, dass die Region Nördlich Lägern wieder in der Auswahl sei. Bei einer Festlegung auf dieses Gebiet entstünde die sogenannte Oberflächenanlage direkt gegenüber Hohentengen. 

Ihre Meinung ist uns wichtig
Mehr zum Thema
Atomkraftwerk Leibstadt: Alle Artikel und Hintergünde zum Kernkraftwerk Leibstadt finden sie im Themenpaket.
Einzigartige Geschenke von Bodensee und Schwarzwald
Neu aus diesem Ressort
Kreis Waldshut
Waldshut-Tiengen
Waldshut-Tiengen
Waldshut-Tiengen
Tiengen
Waldshut-Tiengen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren