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14.06.2012  |  von  |  0 Kommentare

Waldshut-Tiengen Spenden kommen in Polen an

Waldshut-Tiengen -  330 Menschen haben die Spendenaktion für eine polnische Familie unterstützt. Das Geld ist für die Witwe und die drei Kinder bestimmt, die nach dem gewaltsamen Tod des Familienvaters mit ungewisser Zukunft zurückgeblieben sind. Er wurde im Mai auf dem Waldshuter Busbahnhof angegriffen und starb wenige Stunden später.

Gleiches Ziel: Gisela Schäuble und Carsten Fischer legten ihre Hilfsaktionen für die Familie des Tötungsopfers vom Waldshuter Busbahnhof zusammen.  Bild: Herbst

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Redakteurin Waldshut-Tiengen

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„Die Familie des Opfers in Polen ist aufgefangen, auch finanziell.“ Carsten Fischer aus Laufenburg, einer der Initiatoren der Spendenaktion für die Hinterbliebenen, zieht positive Zwischenbilanz eines großen finanziellen und menschlichen Engagements.

Ende Mai 2011 war auf dem Waldshuter Busbahnhof ein polnischer Arbeiter ums Leben gekommen. Anfang April sprach die Schwurgerichtskammer in Waldshut den 29 Jahre alten Angeklagten des Totschlags für schuldig. Die Witwe und drei Kinder blieben auf ihrem Bauernhof im Nordosten Polens zurück. Spontan entschloss sich nach einem ersten Bericht in dieser Zeitung das Ehepaar Carsten und Gabriele Fischer zu helfen. Auch Gisela Schäuble in Waldshut begann Geldspenden zu sammeln. „Es hat sich am Hochrhein eine großartige Gemeinschaft gebildet“, sagt Carsten Fischer.

330 Menschen wollten helfen, so kam ein fünfstelliger Betrag zusammen. „Ein ganz herzliches Dankeschön allen, die etwas dazu beigetragen haben“, sagt der Laufenburger und berichtet von der Spende eines 80 Jahre alten Jubilars, der statt Geschenken um Spenden für die polnische Familie gebeten hat. Das gespendete Geld soll ausschließlich der Familie zugute kommen und zweckgebunden überwiesen werden, das hat Carsten Fischer von Anfang an betont. In Gesprächen mit dem Nebenkläger-Anwalt, der die Witwe im Prozess vertrat, und der Sparkasse entschloss sich das Ehepaar, 500 Euro monatlich vom Spendenkonto nach Polen zu überweisen, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. „Die Witwe und die drei Kinder leben in einem kleinen Dorf, auf einem kleinen Bauernhof. Den zu bewirtschaften, können sie sich nicht leisten, das hat jetzt ein Nachbar übernommen. Die Familie blieb im Haus wohnen. Das ist aber feucht und kalt“, schildert Carsten Fischer die Lebensumstände. Auch um Geld für die Instandsetzung zu verdienen, sei der Familienvater im vergangenen Jahr nach Waldshut gekommen.

„Die Witwe arbeitet weiter in einer Fabrik“, hat er in Erfahrung gebracht. Der älteste Sohn, der 20 Jahre alte Adam, steht vor dem Abitur und fasst eine Ausbildung beim Militär ins Auge. „Womöglich eine Notlösung, um die Familie nicht länger finanziell zu belasten“, fürchtet Carsten Fischer. Die 17 Jahre alte Anna geht aufs Lyzeum, ihre Zukunft sieht sie in der Musik. Der Jüngste ist Lukas, 16 Jahre alt. Auch er geht noch zur Schule. „Die Ausbildung und Förderung der Kinder sind uns ein großes Anliegen, die muss stimmen.“ Beim Kontakt mit der Familie helfen zwei junge Deutsche mit polnischen Wurzeln, Andreas Görlich und Christof Bialas.

Carsten Fischer hat es auch übernommen, bei Behörden um Unterstützung für die Familie nachzusuchen. So hat er Anträge nach dem Opferentschädigungsgesetz auf den Weg gebracht, auch der Weiße Ring prüfe, ob Unterstützung möglich sei. „Das größte Problem sind die offenen Rechnungen für die Krankenhausbehandlung des Familienvaters und den Rettungsflug in die Freiburger Uniklinik“, sagt Carsten Fischer. Die Inkassounternehmen zeigten sich geduldig, mit ihnen stehe er ihn Kontakt, werde sie auf dem Laufenden halten. Auch hier, da ist er zuversichtlich, werde sich eine Lösung finden.

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