„Sag, wo sind die Helden hin? Kann es sein, dass wir das selber sind?“ rappt Keno Langbein (26), Frontmann der Hip Hop-Blechblaskapelle Moop Mama, vor 150 Gästen im Aarauer Kiff (Kultur in der Futterfabrik) und macht gleich mit dem ersten Titel klar, wohin die Reise geht. Er lässt das Publikum nach seiner Pfeife tanzen – und es tanzt nur zu gerne. Plötzlich zieht er goldenen Glitter aus der Tasche und schleudert ihn ins Publikum, fordert die Menge auf, den „Partyfinger” zu erheben oder in die Knie zu gehen, und alle machen mit.
Deprimierende Gegenwartsanalysen verwandeln sich in den Händen von Moop Mama zum Antidepressivum. Der Sänger ruft ein klares „Nein“ ins Mikrofon – nein zu industrieverseuchten Nahrungsmitteln, sinnentleertem Roboterleben, Frust-Shoppen, zur Macht der Pharmakonzerne und zum Fernsehprogramm. Er prangert die Zustände auf dem Planeten an, bei deren „Anblick sogar Gott die Augen verdreht/ weil ihm der rechte Glaube fehlt”. Moop Mama sehen rot und erteilen einer menschenverachtenden Gesellschaft eine klare Absage, ebenso wie der Flucht durch Selbstbetäubung.
Dass auch eine Blaskapelle Haltung zeigen kann, und dass dabei aus Humor und Wut gute Musik und intelligente Texte entstehen können, beweist die gelungene Mischung aus frechem Sprechgesang, bombastischem Blechklang, rasanten Beats und raffinierten Tempowechseln. Dabei beschränken sich Moop Mama nicht auf die Bühne. Ihre Guerilla-Strategie schließt überraschende Aktionen in edlen Einkaufsstraßen, vor Universitäten und auf öffentlichen Plätzen ein.
Egal wo sie spielen, erstmal werden tagsüber neue „Guerilleros” beziehungsweise Passanten von den Straßen eingesammelt, von denen manche dann tatsächlich abends zum Konzert erscheinen. Bei allem Kampfgeist gewinnt aber immer wieder die Lust am Spiel und die Liebe zur Musik die Oberhand.
Aus elf professionell ausgebildeten Musikern setzt sich die seit 2009 bestehende Blaskapelle aus München zusammen. Menzel Mutzke (28), der in Krenkingen und in Tiengen aufgewachsen ist und in Köln Trompete studiert hat, ist seit März 2012 festes Bandmitglied. Von Hip Hop, Rap, Volksmusik, Rock, Klassik, Hardcore, Pop, Jazz und Punk sind fast alle musikalischen Einflüsse vertreten. Derzeit werden die Stücke noch von dem Tenor-Saxophonisten Marcus Kesselbauer (36) komponiert, der das Projekt ins Leben rief. Noch vor zwei Jahren wurde die Band in einer Rezension der Süddeutschen Zeitung als Geheimtip gehandelt, inzwischen werden sie schon vom Goethe-Institut nach Griechenland, Südamerika und Indien eingeladen.
Kein Wunder also, dass sich gerne auch andere Stars zu ihnen gesellen – wie Menzels Bruder Max Mutzke (31), der mit seiner energiegeladenen Interpretation des Songs „Feeling good” einen spontanen Gastauftritt einlegte und dabei die Blechbläser so souverän dirigierte, als würde man schon seit Jahrzehnten gemeinsam auftreten. Ein „super Konzert”, fanden auch die Veranstalter, die die Musikszene stets wachsam beobachten und sich darum bemühen, vielversprechende Newcomer nach Aarau zu holen – bevor diese so gefragt sind, dass man nicht mehr an sie herankommt.
