Waldshut-Tiengen Paradoxe Machtspielchen

Zu einem postapokalyptischen „Endspiel“ mit humoristischem Charakter lud am Samstagabend das Ali-Theater Tiengen. Der Freiburger Amateurtheaterverein „Theater 1098 – Freiburg“ um Regisseur Dietmar Berron-Brena wagte sich an das Stück „Endspiel“ von Samuel Beckett, einem Klassiker des „absurden Theaters“. In dem Einakter glänzten die freien Schauspieler Claus Wonnemann, Angelika Bilger, Tina Tziveledikis und Sonja Engler in den vier Hauptrollen.

Getreu dem Titel spielten sie munter und urkomisch ihrem Ende entgegen.

Samuel Beckett gilt als einer der prägendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts und als Wegweiser der modernen Theaterliteratur. Mit Stücken wie „Warten auf Godot“ erlangte der Ire weltweite Berühmtheit und auch das „Endspiel“ von 1957 gehört zu den bekannteren Werken des Literaturnobelpreisträgers. In dem absurden, dramatischen Theaterstück geht es um die beiden Protagonisten Hamm und Clov, die zusammen mit Hamms Eltern Nagg und Nell offenbar in einem endzeitlichen, nicht näher definierten Szenario gestrandet sind.

Hamm und Clov befinden sich in einer Art „Meister-Diener“ Verhältnis, welches sie in eine destruktive Abhängigkeit treibt. Während Hamm blind und an den Rollstuhl gefesselt ist, führt Clov Hamms Befehle aus und fungiert als sein Mittler zur Außenwelt. Er selbst kann Hamm nicht leiden, offenbart sich ohne seine Führung aber als nicht handlungsfähig und sieht sein Überleben in diesem postapokalyptischen Szenario zudem durch Hamms Essensvorräte gesichert. Beide verbindet eine Art Hassliebe, die sie sich schikanieren und gegenseitig in den Wahnsinn treiben lässt. Sie versuchen voneinander loszukommen, können aber nicht ohne einander. Nagg und Nell, die verhassten Eltern von Hamm, befinden sich indes in Mülltonnen und vegetieren dort vor sich hin. Zusammen warten die vier auf ihr Ende. In der Inszenierung des Amateurtheatervereins „Theater 1098-Freiburg“ widmete sich Regisseur Dietmar Berron-Brena nun gezielt der tragisch-komischen Konstellation der Figuren untereinander.

So lag das Augenmerk auf der Ali-Theater Bühne weniger auf dem tragisch-pessimistischen Endzeitszenario an sich als mehr auf den paradoxen Machtspielchen und den stagnierenden Handlungszyklen der agierenden Personen. Getreu dem Motto „Die wirkliche Komik liegt im Unglück“, einem Zitat von Nell, ließ Berron-Brena die vier Figuren sich teilweise in clownesker Form gegeneinander aufspielen. Angelika Bilger und Tina Tziveledikis mimten einen egozentrischen, tyrannischen Hamm und einen gehorsamen, genervten Clov, die sich beide den letzten Rest ihres Lebens unbequem machen. Auf einer fast leeren Bühne, mit clownesker Schminke und wenigen Requisiten wie einer Leiter oder einer Plastiktasse triezten sie sich, schrien und freundeten sich wieder an und führten sich an mancher Stelle auf wie die Kinder. Dabei verstand sich das „Endspiel“ nach Berron-Brena jederzeit als wirkliches Spiel und ließ den Schauspielern ihre Freiheiten. Für besondere Lacher sorgten hierbei vor allem Claus Wonnemann und Sonja Engler als kauziger Vater Nagg und schrille Mutter Nell, die in diesem schrägen, zwischenmenschlichen Quadrat zwei humorvolle Achsen bildeten.

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