Mein

Waldshut-Tiengen Orden ziert Hexe Sylvia

12.02.2010


Das einzige, was in Waldshut noch gesalzen ist, ist der Hering“, beschrieb Landrat Tilman Bollacher völlig zutreffend den Ernst der Lage. Es war beim Heringsessen und ein Oberbürgermeister duckte sich bei diesem Straßenzustandsbericht unauffällig.

Doch von vorne: Jede Menge Würdenträger von Wutach und Seltenbach konnte Zunftmeister Markus („Mörser“) Müller beim Traditionsanlass der Narro-Zunft im Spritzenhaus begrüßen. Nicht zuletzt die Hochfinanz, deren synchroner Wechsel bei Sparkasse und Volksbank zu reden gab: „Dass die Hälfte der Bänker den Hut nehmen muss, hat hoffentlich nichts mit der Finanzkrise zu tun“, meinte Müller.

Im Zentrum stand freilich die Verleihung des Heringsordens. Das Ehrenzeichen geht dieses Jahr nach Tiengen. Sylvia Döbele, Düengemer Hexe und Stadträtin, erst die zweite Frau und die erste Tiengenerin im Ordensrang, revanchierte sich mit einer Ballade schiller'scher Ausmaße, vom Hering aus dem Seltenbachgrund, der eine Hexe aus Tiengen liebte. Die Ordensträgerin selbst sang die neun Strophen vor, was Ehrenzunftmeister Adolf Bornhauser zur Bewertung brachte, Sylvia tauge allenfalls für den „gemischten Chor“ – in dem die einen singen können, die anderen nicht.

Bei tiefsinniger Prosa beließ es dagegen Tilman Bollacher, der im Zuge der allgemeinen Sparsamkeit dem Kreisrat ein Pilotprojekt zur Rechtschreibreform vorschlägt: den Verzicht auf Mitlaut, in fünf Stufen. Zuerst wäre zum Beispiel der Buchstaben „h“ entbehrlich. Logisch, denn „Franzosen und Spanier braucen in ja auc nict“, argumentierte der Landrat und strich anschließend auch k, t, g und s, wonach der Schulbesuch um ein Jahr verkürzt, die Schulbücher wesentlich dünner werden könnten. Zugegeben hatte eine Minderheit Probleme, Bollacher am Ende zu verstehen und dem OB war nun klar, weshalb er die letzten Schreiben der Kreisbehörde nicht verstand – die Begeisterung der Heringesser sprach eindeutig für Bollachers Schulversuch. Martin Albers, vom Zunftmeister mit einem fabrikneuen Bettelsack ausgestattet, dankte gereimt den Narren für die Befreiung aus dem Rathaus und dem tristen Alltag eines Schulden-Verwalters: „Ein Glück, dass es die Narren gibt, sonst gibt es niemand, der mich liebt.“

Narren-Säckelmeister J. P. Schneider ließ den Kasperle, tri-tra-trullala, dem OB Wege aus der Finanznot aufzeigen: bei Günter Jauch quizzen oder aus Tiengen einen Erlebnis-Zoo machen. Ehrenzunftmeister Herbert Herrmann klagte launig über die Nöte eines Narren, in Waldshut ein Narrenhemd zu erwerben. Henning Zillessen, Rektor der Hansjakob-Schule, erläuterte, warum die Waldshuter „de Düengemer `s Mul wässrig g'macht hän“, ihnen die Hauptschule abzunehmen. Frank Pohl brachte am Ende bayrisches Kolorit in die Runde und setzte als Stadtmusik-Dirgent auch den Schlussakkord.

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden
Schreiben Sie Ihre Meinung
Überschrift
Text


noch 1000 Zeichen


Informiert bleiben:
Bei jedem neuen Kommentar in dieser Diskussion erhalten Sie automatisch eine Benachrichtigung
Unsere Community-Regeln