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Hochrhein/Aargau Mit Menschenstrom gegen Atomkraft

Hochrhein/Aargau – Und da behaupte noch einer, die Bürger gingen mit ihrer Meinung nicht mehr auf die Straße: Mehr als 20 000 Demonstranten zogen am gestrigen Sonntag in die beschauliche Schweizer Ortschaft Kleindöttingen, die genau zwischen den Atomkraftwerken Beznau und Leibstadt liegt. Dort forderten sie im Rahmen eines Protestmarschs mit anschließender Großkundgebung eine sofortige Wende in der Schweizer Energiepolitik – und einen europaweiten Ausstieg aus der Kernkraft.

Mehr als 20 000 Menschen kamen am Sonntag in die Schweizer Ortschaft Kleindöttingen, um dort im Rahmen der Aktion „Menschenstrom gegen Atom“ ein Zeichen wider die Nuklearenergie zu setzen. Die Veranstalter freuten sich über den Andrang – der Politik dürfte er zu denken geben.
Mehr als 20 000 Menschen kamen am Sonntag in die Schweizer Ortschaft Kleindöttingen, um dort im Rahmen der Aktion „Menschenstrom gegen Atom“ ein Zeichen wider die Nuklearenergie zu setzen. Die Veranstalter freuten sich über den Andrang – der Politik dürfte er zu denken geben. | Bild: Bilder: Hapig

Auch zahlreiche Deutsche nahmen an der Veranstaltung teil.

„Menschenstrom gegen Atom“ war das Motto des Tages, aber dass der Strom der Protestierenden so gewaltig anschwellen würde, hatten selbst die Initiatoren, 148 Parteien und Verbände aus ganz Europa, nicht für möglich gehalten. „Wir hatten im vergangenen Jahr 4500 Besucher, dass es heute so viele werden, konnte niemand voraussehen“, sagte Pressesprecher Michael Tanner sichtlich überrascht. Und die Demonstranten kamen von überall her: Mit Bus und Bahn aus dem Tessin, aus Frankreich, aus Genf und Zürich. Und eben auch vom Hochrhein, der von der Nähe zu den Schweizer Atommeilern direkt betroffen ist. „Erneuerbar statt atomar“, skandierten sie, schwenkten bunte Fahnen und Transparente. „Unsere Aktion“, erklärte Michael Tanner, „geht weit über unsere Landesgrenzen hinaus.“ Man müsse endlich Prioritäten setzen: „Was ist wichtiger – billiger Strom oder die Gesundheit unserer Kinder?“

Die Bundestagsabgeordnete Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) aus Lauchringen hatte ihre Antwort auf diese Frage schnell gefunden. „Ich fühle mich“, so die Politikerin, „einfach verantwortlich für die kommende Generation.“ Deshalb habe sie den Weg nach Kleindöttingen zu Fuß bewältigen wollen, um ein Zeichen zu setzen. „Man kann nicht die Hände in den Schoß legen und sich dann betroffen geben, wenn etwas passiert“, sagte Schwarzelühr-Sutter überzeugt.

Sie sehe in Veranstaltungen wie dem „Menschenstrom“ auch eine Chance für mehr direkt gelebte Demokratie. Karin Rehbock-Zureich (SPD), ehemalige Bundestagsabgeordnete aus Jestetten, führte den Andrang bei der Demonstration unter anderem auf das Atomunglück im japanischen Fukushima zurück. „Das hat wieder einmal gezeigt: Wir haben diese Form der Energie nicht im Griff.“ Man dürfe nicht einfach nuklearen Müll produzieren, von dem man nicht wisse, wie lange er wirklich gefährlich bleibt. „Zu sagen, dass es mit dem in 10 000 Jahren schon anders aussieht, ist keine Lösung“, erklärte Rehbock-Zureich.

Neben den beiden Politikerinnen kamen auch Ortsvereine des BUND, der SPD-Kreisverbandes Waldshut und der Grünen in die Schweiz. Zu den zahlreichen Vorträgen verschiedener Energieexperten und Politiker hielten sie ihre Fahnen hoch. Als wollten sie zeigen: Auch am Hochrhein will man endlich weg von der Atomkraft.

Dieser Demonstrant hatte Angst vor Strahlenschäden – daher der Schutzanzug.
Dieser Demonstrant hatte Angst vor Strahlenschäden – daher der Schutzanzug.
Forderten den Atomausstieg (von links): Karin Rehbock-Zureich (SPD), Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) und Peter Weiller von der Schweizer Partei SP.
Forderten den Atomausstieg (von links): Karin Rehbock-Zureich (SPD), Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD) und Peter Weiller von der Schweizer Partei SP.
Protestierten kostümiert: Diese beiden Teilnehmerinnen des „Menschenstroms.“
Protestierten kostümiert: Diese beiden Teilnehmerinnen des „Menschenstroms.“

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