Welches Geschäft in Waldshut verfügt schon über eine eigene Buslinie? Der Kaufland-Markt an der Brückenstraße macht seit April mit diesem Alleinstellungsmerkmal auf sich aufmerksam. Weil wegen des Baus einer Tiefgarage vorübergehend weniger Parkplätze zur Verfügung stehen, wurde ein Gratis-Zubringerdienst zu Ersatzstellflächen eingerichtet. Allerdings täuscht der Eindruck nicht, dass in dem kleinen Bus bislang häufig nur der Platz hinter dem Lenkrad besetzt war. Jetzt wird der bei der Waldshuter Firma Hölzer angemietete Wagen, der 16 Fahrgästen Platz bietet, nur noch bei Hochbetrieb freitags und samstags eingesetzt. Dies berichtet Kaufland-Marktleiter Ingo Plattner auf Anfrage und verweist auch auf Beschwerden. Demzufolge wollten es Anwohner wohl nicht so recht verstehen, warum der fast oder ganz leere Bus die ganze Woche Tag für Tag unüberhörbar um die Häuser tuckern musste. Doch wie stets gibt es auch in diesem Fall die andere Seite der Medaille: Offenbar wurde und wird der Zubringer, wenn denn mal tatsächlich Fahrgäste drin sitzen, nicht nur von Auswärtigen benutzt. Sondern auffallend viele Einheimische, etwa aus dem Bereich Ziegelfeld, sollen den weinroten Bus schätzen: Zum Beispiel auch, um einfach nur bis ans Parkhaus am Kornhausplatz mitzufahren und danach Besorgungen nicht etwa im Kaufland, sondern in Geschäften der Innenstadt zu erledigen. Allerdings sind die Tage des Kaufland-Express gezählt. Denn bis Dezember soll das Tiefgaragenprojekt an der Brückenstraße abgeschlossen sein, und der Zubringerdienst wird hinfällig. Die Erinnerung an die Annehmlichkeiten des ersten und auch noch kostenlosen Waldshuter Stadtbusses dürfte unterdessen insbesondere bei jenen Stadtbewohnern nachwirken, die dann wieder zu Fuß gehen dürfen.
