Waldshut-Tiengen -
Klara und Jenny Aufrichtig führten in den 30er-Jahren ein Schuhgeschäft in der Kaiserstraße 17, wo sich heute die Sparkassen-Zweigstelle befindet. 1940 wurde die 42 Jahre alte Klara Aufrichtig wie viele badische Juden nach Gurs, ein französisches Internierungslager, deportiert.
Übernehmen die Patenschaft für den Stolperstein vor dem Haus Kaiserstraße 17 in Waldshut, der an Klara Aufrichtig erinnert: Karin Lindemann, Maria Liomin, Thea Boos, Ruth Rüttinger, Anette Klaas und Marianne Kalt.
Bild: privat
So sieht ein Stolperstein mit Messingplatte aus.
Bild: Gerald Jarausch
Hauptstraße 83 in Tiengen: Magdalena Bucher und Manfred Albrecht.
Bild: Martin
Sie wurde im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Ihre Schwester Jenny (44) wurde ebenfalls nach Gurs gebracht. Sie wurde befreit und überlebte.
An diese beiden jüdischen Frauen werden Gedenksteine erinnern. Die Verlegung weiterer solcher „Stolpersteine“ in Waldshut und Tiengen ist für Mitte September geplant. Sie werden vor der jeweils letzten frei gewählten Adresse eines Opfers des Nationalsozialismus ins Pflaster eingelassen. Die Verlegung ist eine Aktion des Freundeskreises Jüdisches Leben in Tiengen, unterstützt von der Stadt Waldshut-Tiengen und dem städtischen Kulturamt.
Damit geht eine lange Zeit der Recherche zu Ende. Nur Opfer, deren Schicksal unzweifelhaft belegt werden kann, können so posthum geehrt werden. Initiator der des Stolperstein-Projekts ist der Künstler Gunter Demnig, er sagt: „Ein Mensch ist vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Das Betrachten eines Stolpersteins und das Lesen des Namens ist nach seiner Auffassung eine Verneigung vor einem Opfer des NS-Regimes. Dieser Gedanke begeisterte Magdalena Bucher und Martina Bucher-Nezirovic ebenso wie die anderen Mitglieder des Freundeskreises Jüdisches Leben in Tiengen. Inzwischen haben sie die Daten für die 16 Stolpersteine in Waldshut und Tiengen ermittelt für die von den Nazis ermordeten Opfer aus der Stadt. „Es sind jüdische Mitbürger, ein 17 Jahre alter Sinto aus Waldshut, ein Bibelforscher aus Waldshut und ein Kaufmann aus Tiengen“, sagt Magdalena Bucher. Für die meisten Stolpersteine seien bereits Paten gefunden. Eine Gruppe Waldshuter Frauen unterstützt das Gedenken an Klara Aufrichtig.
Ein weiterer Gedenkstein in Waldshut wird an Josef Messmer erinnert, der im KZ ermordet wurde. Er wohnte in der Schwarzwaldstraße. Der erst 17 Jahre alte Anton Reinhardt floh zunächst in die Schweiz und wurde 1945 in Bad Rippoldsau von der SS ermordet. Sein Bruder Gottlieb Reinhardt starb 1944 in Majdanek.
In Tiengen werden Stolpersteine in die Hauptstraße, die Weihergasse, die Priestergasse und den Tugoweg eingelassen. Auch die Glockenbergstraße wird einen Gedenkstein erhalten, für Erny Abraham, die in der Berghausstraße 7 wohnte. Dort ist jedoch eine völlig neue Überbauung entstanden.