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Waldshut-Tiengen Holzwurm nagt im Gotteshaus

Die evangelische Christusgemeinde hat derzeit die Handwerker im Gotteshaus. Feuchtigkeit und Holzwurm haben dem 105 Jahre alten Gebäude so zugesetzt, dass jetzt eine Sanierung nötig wurde.

Pfarrer Rainer Stockburger mit einem morschen Holzstück aus der Tiengener Christuskirche. Daran hatten sich Ameisen gütlich getan.
Pfarrer Rainer Stockburger mit einem morschen Holzstück aus der Tiengener Christuskirche. Daran hatten sich Ameisen gütlich getan. |

„Wir rechnen mit Kosten von 65 000 bis 70 000 Euro“, sagt Pfarrer Rainer Stockburger. 25 000 Euro stellt die Landeskirche als Zuschuss in Aussicht, den größeren Teil trägt die Kirchengemeinde.

Der Holzwurm brachte die Maßnahmen ins Rollen. „Als Erstes haben wir bemerkt, dass die 110 Stühle, die entlang der Außenwände im Kirchenraum und auf der Empore standen, befallen waren“, so Rainer Stockburger. Als die Stühle hinausgetragen waren, zeigten sich Probleme im unteren Teil der Wände. Dort war Feuchtigkeit eingedrungen und aufgestiegen.

Pfarrer Stockburger veranlasste eine fachmännische Untersuchung des gesamten Kirchenraums vom Boden bis zur Decke und erlebte unliebsame Überraschungen. Die schlimmste: In der Ecke über der Kanzel hatte sich Hausschwamm gebildet.

Diagonal gegenüber über der Orgelempore war an einem Balken Holzmehl ausgetreten. „Das Holz war morsch. Es war unglaublich zu sehen, wie der Handwerker mit zwei Fingern ohne Mühe in den Balken hineinfahren konnte“, erinnert sich Rainer Stockburger.

Auch an anderen Stellen mussten Holzbalken ausgetauscht werden. Das Problem dabei: Sie waren direkt vom Mauerwerk umschlossen. „An empfindlichen Stellen sind jetzt Eisenträger eingezogen worden, das Holz wird isoliert angebracht“, schildert der Pfarrer die Maßnahmen.

Derzeit sind die Firma Holzbau Ebi aus Nöggenschwiel und die Firma Präventis aus Willstätt-Sand in der Kirche bei der Arbeit. „Wir wollten es gleich richtig machen“, sagt Pfarrer Stockburger. Präventis-Experte Thomas Knüppel kümmert sich derzeit um die Wände. Die Kirche, aus Kalkstein gebaut, hat zwar einen Sockel aus Granit, der wurde aber lediglich für die Außenseite der 63 Zentimeter dicken Wände verwendet.

Bei der Sanierung der evangelischen Christuskirche in Tiengen: von links Pfarrer Rainer Stockburger, Thomas Knüppel (Firma Präventis) und Christoph Kaiser (Zimmerei Ebi).
Bei der Sanierung der evangelischen Christuskirche in Tiengen: von links Pfarrer Rainer Stockburger, Thomas Knüppel (Firma Präventis) und Christoph Kaiser (Zimmerei Ebi). | Bild: Bilder: Martin
Das Kircheninnere besteht vom Boden weg aus Kalkstein. „Es geht jetzt darum künftig zu verhindern, dass Feuchtigkeit hochsteigt“, sagt Thomas Knüppel. Dafür wird im Innenraum eine horizontale Wassersperre eingezogen. Das sind gefüllte Dübel, die in Abständen in die Innenwände geschlagen wurden.

Sie sollen das Aufsteigen von Feuchtigkeit und die Bildung von bauschädlichen Salzen verhindern. Die vom alten Putz befreiten Wände werden mit mehreren Schichten wieder verkleidet.

Der Pfarrer hat aber auch Positives zu vermelden: An der Orgel sind nur ganz wenige Teile in Mitleidenschaft gezogen. Das sei lokal behandelbar. Bauleiter Gottfried Zipfler aus Nöggenschwiel und die Handwerker arbeiten gut und zügig. Gemeindemitglieder hatten angepackt, um alles, was im Kirchenraum nicht ausgeräumt wurde, abzudecken.

Der Pfarrer ist sicher, dass nach Ende der Sanierung genügend Freiwillige beim Putzen mithelfen. Rainer Stockburger rechnet damit, dass die Gemeinde im Juni in die Christuskirche zurückkehren kann.

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