Tiengen/Waldshut – Angst vor der finanziellen Belastung, Angst vor der Verantwortung und Angst, beruflich ins Abseits zu geraten, sind laut Verena Zeiher die Hauptgründe, warum Frauen heute einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen. Sie ist Vorsitzende des Trägervereins Donum Vitae Regionalverband Hochrhein, der die gleichnamige Schwangerenberatungsstelle in Waldshut unterhält.
Neben der allgemeinen Schwangerenberatung, steht die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Schwangerschaftskonfliktberatung im Mittelpunkt.
Über Arbeit und Situation der Beratungsstelle wurde kürzlich in der Hauptversammlung von Donum Vitae informiert. Rund 20 Mitglieder und Gäste, unter ihnen OB-Stellvertreterin Rita Mosel und Sozialdezernent Reinhard Hoferer, konnte Verena Zeiher im Hotel Bercher in Tiengen begrüßen.
Straffreier Abbruch nur mit Beratung
Zeiher erinnerte daran, dass entgegen der landläufigen Meinung, ein Schwangerschaftsabbruch nach wie vor ein Straftatbestand sei, jedoch unter bestimmten Voraussetzungen in den ersten zwölf Wochen nach Empfängnis straffrei sei, wenn ein Schwangerenberatungsschein vorliege. Rund 350 Gespräche werden nach Aussage von Beraterin Justina Störk jährlich in der Waldshuter Beratungsstelle von Donum Vitae geführt. Die meisten Frauen kommen nur ein einziges Mal, Folgegespräche seien die Ausnahme. Die Beraterinnen geben den Frauen Impulse, suchen gemeinsam mit ihnen nach Perspektiven und Möglichkeiten, wie das Leben auch mit einem Kind zu schaffen sein könnte. „Wir wollen den Frauen Zuversicht und Zutrauen in die eigene Stärke vermitteln“, sagte Beraterin Christina Huttner. Frauen, die ja zu ihrem Kind sagen, begleitet Donum Vitae über die Geburt hinaus bis zum dritten Lebensjahr des Kindes. Über die Existenzsicherung hinaus sind nach Erfahrung von Beraterin Justina Störk, für jüngere Frauen zunehmend Fragen zur Ausbildung mit Kind und die Kinderbetreuung wichtig.
Die Arbeit der Beratungsstelle ist erschwert durch finanzielle Sorgen des Trägervereins. Kassiererin Ute Schmidt musste für Ende 2010 ein kräftiges Minus in der Kasse bekanntgeben und stellte im Zuge steigender Personalkosten für Ende 2011 einen noch größeren Fehlbetrag in Aussicht. Kassenprüfer Bernhard Götz warnte vor einer Liquiditätskrise für Anfang kommenden Jahres. Zu einem großen Teil finanziert sich die Beratungsstelle aus Landeszuschüssen. 10 000 Euro steuert jedes Jahr der Landkreis bei. Sozialdezernent Hoferer zeigte sich auf der Hauptversammlung zuversichtlich, dass dieser Zuschuss bereits Anfang 2012 wieder ausbezahlt werden könne. Die finanziellen Herausforderungen wird Donum Vitae mit dem bewährten Team aus Beraterinnen, Leiterinnen und sonstigen Kräften angehen. Sämtliche Vorstandsmitglieder wurden bei den Wahlen einstimmig wiedergewählt.