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Waldshut-Tiengen Haus Benedikt: Manuela Albrecht absolviert FSJ im Obdachlosenhaus

Die 20-jährige Manuela Albrecht aus Ühlingen-Birkendorf bekommt einen Einblick hinter die Kulissen des Obdachlosenhauses.

Unterstützung beim Umzug, Einkaufen, Kochen, bei der Problemlösung oder bei Arzt- und Behördengängen. Manuela Albrecht aus Ühlingen-Birkendorf war für die etwa 20 Bewohner des Haus Benedikt in Waldshut im vergangenen Jahr eine große Unterstützung. Die 20-Jährige absolvierte nach ihrer Schule ein freiwilliges soziales Jahr im Obdachlosenhaus. „Für mich war nach der Schule klar, dass ich nicht gleich eine Ausbildung beginnen möchte. Da ich immer schon im sozialen Bereich tätig sein wollte, meldete ich mich bei der Caritas. Letztendlich war es ein Zufall, dass ich hier gelandet bin“, sagt sie. Bei der Caritas habe man ihr mehrere Stellen angeboten, darunter auch die im Haus Benedikt. „Ich war sofort interessiert. Ich wollte sehen, wie die Arbeit dort ist und, ob ich auch dauerhaft im sozialen Bereich arbeiten kann.“ Viele schöne Erfahrungen hat Manuela Albrecht in diesem Jahr gesammelt. „Vor allem der Kontakt mit den Bewohnern war eine Bereicherung für mich. Wir haben viele Ausflüge zusammen unternommen, waren zum Beispiel Minigolf spielen, im Museum oder am Schluchsee. Dabei hat man die Menschen von einer ganz anderen Seite kennengelernt.“ Einmal sei sie sogar in ihrer Freizeit mit den Bewohnern ins Kino gegangen. „Darüber haben sie sich wirklich gefreut.“ Auch ein Dankeschöne habe die 20-Jährige zur hören bekommen. „Das spannende in diesem Jahr war für mich die Geschichte hinter den Bewohnern, warum sie im Haus gelandet sind“, sagt Albrecht.

Ein Bewohner ist ihr in den vergangenen zwölf Monaten besonders in Erinnerung geblieben: „Wir konnten einem Mann eine Wohnung vermitteln. Heute hat er eine Arbeit in der Schweiz und sogar ein Auto“, freut sie sich. Gerade die Wohnungssuche gestalte sich für Bewohner des Hauses Benedikt schwierig. Es sei eher selten der Fall, dass sie vermittelt werden könnten, weiß die 20-Jährige. Wenn es aber klappt, dann bekämen viele Menschen ihr Leben ein Stück weit in den Griff.

Aber es gibt aber auch andere Fälle, die nicht so gut gelaufen sind. „Leider ist das auch die Mehrheit. Erst vor kurzem sei ein Bewohner, der zuvor aus der JVA gekommen war, wieder zurück ins Gefängnis gegangen.“ Um den Bewohnern einen Halt zu geben sei es wichtig, ihnen einen strukturierten Tagesablauf zu ermöglichen, weiß Albrecht. Manchmal habe Manuela Albrecht resigniert. „Es ist eben schwer, einem Menschen zu helfen, der beispielsweise Jahre lang auf der Straße gelebt hat und vielleicht noch alkoholabhängig ist.“

Als Frau habe sie keine Probleme in der Einrichtung gehabt, obwohl dort fast nur Männer leben. „In meinem Jahr hat bisher nur eine Frau hier gelebt.“ Woran es liegt, dass so wenige weibliche Bewohner im Haus leben, kann Albrecht nicht beantworten. Sie vermutet aber, dass die meisten Frauen einfach nicht so schnell wohnungslos werden oder auch einfacher bei Bekannten unterkommen.

Nach ihrem FSJ, das sie noch in diesem Monat beendet, beginnt Manuela Albrecht eine Ausbildung zur Krankenpflegerin in Singen. „Jetzt habe ich gesehen, dass ich auch dauerhaft im sozialen Bereich arbeiten kann“, sagt sie. Und irgendwann einmal, könnte sie sich sogar vorstellen, ins Haus Benedikt zurückzukehren, um dort zu arbeiten.

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