Waldshut-Tiengen Gewaltsamer Tod des Familienvaters durchkreuzt alle Lebenspläne
02.02.2012
1500 Kilometer von Waldshut-Tiengen entfernt, im Nordosten Polens, verfolgt eine Familie den Fortgang der Hauptverhandlung in Waldshut-Tiengen um Totschlag und versuchten Mord mit Bangen. Es sind die Witwe des Mannes, der in der Nacht zum 29. Mai 2011 auf dem Waldshuter Busbahnhof tödlich verletzt wurde, und ihre drei Kinder, heute 14, 16 und 19 Jahre alt. Rechtsanwalt Waldemar Lenz aus Mannheim, der die Nebenklägerin, die Witwe, vertritt, ist an jedem Verhandlungstag im Gerichtssaal präsent. Hier tagt die 3. Schwurgerichtskammer des Landgerichts Waldshut-Tiengen.
„Der Tod des Mannes und Vaters hat die Lebenspläne aller durchkreuzt“, sagt Waldmar Lenz. Die 43-jährige Witwe ist heute Alleinversorgerin, arbeitet als Flechterin.
Sie verdiene etwa 1umgerechnet 300 Euro im Monat. „Sie ist eine Frau in der Mitte ihres Lebens. Auch das Opfer war erst 50. Natürlich hat da ein wesentlicher Einschnitt in die Lebensplanung stattgefunden.“ Die Kinder sind in der Ausbildung. „Der Älteste macht bald Abitur. Da stellt sich die Frage, was er sich für eine Ausbildung leisten kann.“
Es seien noch Rechnungen offen, die die Familie bezahlen müsse. Die Behandlung in der Uniklinik Freiburg, die Kosten für die Beerdigung. Die Hinterbliebenen hoffen auf eine kleine Auszahlung einer Versicherung. „Die bezahlt aber nur bei Unfall als Todesursache“, so der Anwalt. Die Familie habe auch Ansprüche auf Schmerzensgeld und Schadensersatz. Doch bei der finanziellen Lage des Angeklagten seien auch hier Prognosen schwierig. In jedem Fall plane er, zivilrechtlich vorzugehen, um konkret für die Hinterbliebenen etwas zu erreichen.
Der Bruder des Getöteten, der mittlerweile nach Polen zurückgekehrt ist, soll in der Hauptverhandlung noch gehört werden.

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