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Waldshut-Tiengen Geschichte eines Obdachlosen: Leben am Rande der Gesellschaft

Obdachloser Dieter Radtke und Eva-Maria Hornung in der Fachberatung der AGJ. Der Einrichtung in der Ziegelfeldstraße kommt ein Teil des Erlöses aus der Caritas-Solidaritätsaktion „Eine Million Sterne“ zugute.
Obdachloser Dieter Radtke und Eva-Maria Hornung in der Fachberatung der AGJ. Der Einrichtung in der Ziegelfeldstraße kommt ein Teil des Erlöses aus der Caritas-Solidaritätsaktion „Eine Million Sterne“ zugute. | |

Dieter Radtke lebt als Obdachloser in Waldshut. Seine Lebensgeschichte zeigt, wie schnell es mit dem sozialen Abstieg gehen kann. Gerade die Weihnachtszeit ist für obdachlose Menschen besonders schwierig. Die Caritas-Solidaritätsaktion „Eine Million Sterne“ versucht Menschen, die sich in Notlagen befinden, zu helfen.

Dieter Radtke lebt seit fast zehn Jahren auf der Straße. In ganz Deutschland ist er mit seinem Schlafsack unterwegs. Zurzeit hält er sich in Waldshut auf und besucht regelmäßig die Wärmestube der Wohnungslosenhilfe Waldshut (AGJ) in der Ziegelfeldstraße. Als Obdachloser zählt er zu den Menschen am Rande unserer Gesellschaft. Solidarität mit ihm und allen Menschen in schwierigen Lebenslagen drückte am Samstag die Caritas-Aktion „Eine Million Sterne“ aus. (Siehe nebenstehende Infoleiste).

Wie schnell man zu einem Menschen am Rande der Gesellschaft werden kann, zeigt der Lebensweg von Dieter Radtke. Als er zehn war, verlor er durch einen Autounfall seine Eltern und wuchs in einem Heim in Mülheim an der Ruhr auf. 20 Jahre arbeitete er in einer Lederfabrik. Als sie Insolvenz anmeldete, verlor er seinen Arbeitsplatz und kurz darauf auch die Wohnung. Sein Vermieter hatte Eigenbedarf angemeldet. „Danach bin ich auf Wanderschaft gegangen. Wenn man keine Verpflichtungen hat, geht das“, meint Dieter Radtke. Er hat sich an das Leben auf der Straße gewöhnt und kommt nach eigenen Worten „gut damit klar“. Und dies ganz ohne Alkohol.

Dieter Radtke hat keine Familie. Wo er an Weihnachten sein wird, weiß er noch nicht. Solange er noch in ärztlicher Behandlung ist, wird er in Waldshut bleiben und weiterhin die Wärmestube besuchen. In der Weihnachtszeit wird es dort ein Weihnachtsessen geben und Geschenke für die Gäste. Ein Weihnachtsbaum wird in der Stube stehen.

„Für viele Obdachlose ist die Weihnachtszeit besonders schwierig“, weiß Dieter Radtke aus eigener Erfahrung. Eva-Maria Hornung, Diplomsozialpädagogin der AGJ-Anlaufstelle, kann diese Aussage nur bestätigen: „Es fängt schon vier Wochen vor Weihnachten an: Im Haus Benedikt (Facheinrichtung des Landkreises für Wohnungslose) zum Beispiel, wird dann mehr getrunken.“ Wer am Samstag bei der Caritas-Aktion eine Kerze gekauft hat, hat nicht nur die Wohnungslosenhilfe, sondern auch zwei weitere Projekte vor Ort unterstützt: den Mittagstisch der katholischen Gemeinde und ein Caritas-Integrationsprojekt.

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