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Waldshut-Tiengen Gedenken an Pogromnacht

09.11.2011
Waldshut-Tiengen -  Tiengen – Zu einem ökumenischen Gedenken am Synagogenplatz in der Fahrgasse treffen sich am heutigen Mittwoch Menschen, um der Reichspogromnacht am 9. November 1938 zu gedenken.
Gedenken an Pogromnacht

Magdalena Bucher findet für das Anliegen des Freundeskreises Jüdisches Leben in Tiengen ein offenes Ohr. Auch Manfred Albrecht (rechts), Neffe eines Opfers des Nationalsozialismus, ist einverstanden, dass vor seinem Haus ein Stolperstein an seinen Onkel Hermann Albrecht erinnert. Links Hans Studinger, der das Projekt unterstützt.  Bild: Bild: Martin

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Damals wurden in ganz Deutschland Synagogen geplündert und jüdischen Mitbürgern Gewalt angetan. In Tiengen ist es der Jüdische Freundeskreis, der die Erinnerung an 500 Jahre jüdisches Leben wach hält. Ein großes Projekt der Mitglieder sind derzeit die „Stolpersteine“, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen. „Wir rechnen damit, dass wir im Herbst nächsten Jahres die ersten Stolpersteine in der Stadt verlegen können“, sagt Magdalena Bucher vom Jüdischen Freundeskreis. Die Steine werden vor der letzten Wohnstätte der Opfer in den Boden eingelassen.

Urheber der europaweiten Aktion ist der Künstler Gunter Demnig. Er will auch in Tiengen die Stolpersteine selbst verlegen, eine sichtbare Messingplatte nennt den Namen des Opfers. Der Freundeskreis Jüdisches Leben will die Aktion durch Sponsoren finanzieren. Gerade hat Gunter Demnig eine Preiserhöhung angekündigt: Statt bisher 95 Euro will er ab Januar pro Stolperstein 120 Euro berechnen. „Wir sind zuversichtlich, dass unsere Sponsoren diese Preiserhöhung mittragen“, sagt Magdalena Bucher.

Derzeit sind Manfred Emmerich und Franz Söffge für den Freundeskreis dabei, Informationen über jüdische Mitbürger zu sammeln. Denn nur wenn das Schicksal des NS-Opfers zweifelsfrei belegt ist, kann ein Stolperstein geplant werden. Doch nicht nur jüdische Mitbürger sind Opfer des NS-Regimes geworden, wie das Schicksal von Anton Reinhardt, einem Sinto aus Waldshut, belegt.

Informationen dazu erhielt der Freundeskreis von dem Waldshuter Theo W. Fröhlich. Der 17-jährige Anton Reinhardt wollte im Frühjahr 1944 der Zwangssterilisation entgehen und floh in die Schweiz, wurde aber zurückgeschickt. Aus dem KZ Struthof im Elsass und später aus dem KZ Gaggenau sind Briefe an seine Eltern erhalten. Ende März ist er geflohen, wurde aber bei Bad Rippoldsau von einer Volkssturm-Abteilung aufgegriffen. Statt den jungen Mann den Behörden zu übergeben, übernahm SS-Mann Hauger das Verhör. Die Volkssturmgruppe feierte an dem Abend und Hauger verkündete dem Ausbilder und einigen anderen das Todesurteil, das er gegen den 17-Jährigen gefällt habe. Am nächsten Morgen musste Anton Reinhardt in einem Waldstück sein eigenes Grab ausheben. Hauger tötete ihn per Genickschuss. 1959 gab er vor Gericht an, auf Befehl gehandelt zu haben. Offen blieb in den Prozess, warum er Reinhardt erschoss. Beobachter vermuteten Rassendünkel. Hauger wurde wegen Totschlags zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. In einer Revision wurde das Strafmaß herabgesetzt. verurteilt, da keine „niederen Beweggründe“ erkennbar seien.

Anton Reinhardts Schicksal war Vorlage für das TV-Dokudrama „Ein einzelner Mord“. In einem letzten Brief verabschiedete er sich von seiner Mutter. „…euch eine gute Gesundheit und ein langes Leben. Gute Nacht, Anton…“

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