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Waldshut/Stühlingen Ein Suizidversuch des Angeklagten in Untersuchungshaft verzögert den Mordprozess um die Tötung eines Stühlinger Waffenhändlers

Der Angeklagte im Mordprozess um einen Stühlinger Waffenhändler ist nach einem Selbsttötungsversuch nur bedingt verhandlungsfähig. Ärger für weitere Waffenkäufer des Opfers zeichnet sich bereits ab.

Der Mordprozess gegen einen 48 Jahre alten Schwarzwälder, der im Februar 2016 in Stühlingen einen Waffenhändler erschossen haben soll, läuft nach einem Selbsttötungsversuch des Angeklagten verzögert an. Es zeichnet sich ab, dass weiteren Waffenkäufern aus der Region Ärger mit der Justiz drohen könnte, wenn der Angeklagte über die Geschäftspraktiken des Händlers auspacken sollte, wie einer der beiden Verteidiger ankündigte. Der Angeklagte bestreitet Mord und Brandstiftung.

Zu Beginn der Hauptverhandlung am Mittwoch blieben dem Waffenliebhaber mit Rücksicht auf seine Gesundheit die ohnehin freiwilligen Angaben zu Person und Tat erspart. Laut seinem Verteidiger dürfte der Beschuldigte aber demnächst mit der Sprache herausrücken und das damals 88 Jahre alte Todesopfer wie auch andere Kunden des Waffenhändlers belasten. Logischer Schluss einer solchen Aussage vor dem Schwurgericht unter dem Vorsitz von Richter Martin Hauser: Der Angeklagte W. habe gar kein Motiv gehabt, den Geschäftsmann zu töten, weil der Händler ihm und anderen zuvor auch Wünsche nach verbotenen Schusswaffen erfüllt habe. Waffenrechtlich würde sich der 48-Jährige damit auch selbst belasten, räumte Rechtsanwalt Thilo Bohr ein.

Die Anklage, geführt von Oberstaatsanwalt Christian Lorenz, geht davon aus, dass W. am 15. Februar 2016 im Laden des Waffenhändlers drei Langwaffen in Besitz nehmen wollte, wohl wissend, dass er für sie keine waffenrechtliche Genehmigung hatte. Im Gegensatz zu früheren Waffenkäufen habe er diesmal zuvor kein Geld für die Bezahlung der Gewehre abgehoben. Als der Händler die Herausgabe der Waffen verweigerte, habe W. zweimal auf den Händler geschossen, zunächst in die Brust, dann in den Kopf. Danach soll der Waffensammler und Sportschütze Waffen sowie belastende schriftliche Unterlagen aus dem Tresor mitgenommen, einen Brand gelegt und mit Benzin beschleunigt haben.

Im April 2016 fanden Polizisten beim Durchsuchen der Wohnung des Verdächtigen in Zimmern ob Rottweil eine Pistole der Marke Beretta mit eingeschliffenem Gewinde für einen ebenfalls vorhandenen Schalldämpfer. Im Mai durchsuchten Beamte die Wohnung der Eltern im Schwarzwald und fanden im Keller unter anderem illegalen Sprengstoff.

Am 11. Juli schließlich nahm die Polizei den Gesuchten in Hinterzarten fest. Im Waldshuter Gefängnis kam es am vergangenen Samstag laut Wolfgang Hauser zu einem Suizidversuch des Untersuchungshäftlings. Vor der weiteren Verhandlung will der Kammervorsitzende einen psychiatrischen Gutachter hören zur Frage, wie weit der Angeklagte fähig ist, der Verhandlung zu folgen. Am Mittwoch erklärte sich W. verhandlungsfähig.

Ansonsten war über den Angeklagten beim Prozessauftakt wenig zu erfahren. 1968 im Schwarzwald geboren, geschieden, Berufsangabe Projektmanager. Nach eineinhalb Stunden schloss der Vorsitzende die Verhandlung, nachdem lediglich über den technischen Ablauf des Prozesses gesprochen worden war. Der Termin am Freitag ist aufgehoben, weiter verhandelt wird am 24. Januar. Offen ist, ob die elf Termine bis zum 17. März reichen werden.

Um Zeugenaussagen richtig einordnen zu können, wird die Große Strafkammer mit drei Berufsrichtern und zwei Schöffen zunächst aber von Experten Fachwissen über Schusswaffen und die Feinheiten des Waffenrechts sowie die Genehmigungspraxis der Behörden nachholen. So das Fazit eines langen Dialoges zwischen Anwalt Bohr und dem Kammervorsitzenden. Dabei geht es um gelbe Waffenbesitzkarten, um richtige und falsche Einträge dort und im Waffenhandelsbuch des Opfers. Von den Enthüllungen über das Verhältnis zwischen seinem Mandanten und dem Waffenhändler könnten „weitere Sportschützen betroffen sein“, so Bohr. Beispielsweise wenn es um den Umbau geht von halbautomatischen Waffen und Einzelladerwaffen; oder um mögliche „Unstimmigkeiten“ in den Büchern des Händlers. Dieser habe dem Angeklagten zuvor schon kriegswaffenähnliche Gewehre besorgt – sein Mandant also habe keinen Anlass gehabt, den Mann zu töten.

Leiche in Brandruine

Dem Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen vor, am 15. Februar 2016 einen 88 Jahre alten Waffenhändler in dessen Geschäftsräumen in Stühlingen erschossen zu haben. Danach, so die Anklage, habe er das ehemalige Fabrikgebäude samt Opfer in Brand gesetzt, um Spuren zu vernichten. Nach der Tat ermittelten bis zu 40 Kriminalbeamte.

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