Waldshut-Tiengen/Höchenschwand Der langjährige Kartfahrer Thomas Schaller sagt: „Kartsport ist kein Pillepalle“

Thomas Schaller aus Attlisberg ist seit mehr als 20 Jahren als Kartfahrer aktiv. Im Interview erzählt er von seinen Erfolgen und warum er auf Dauer kürzertreten muss.

Herr Schaller, Sie haben kürzlich mit Ihrem Team zum siebten Mal am 24-Stunden-Kartrennen in Wasserburg am Inn teilgenommen und sind mit sechs Siegen einer der erfolgreichsten Teilnehmer auf dieser Strecke. Wie genau kann man sich denn ein 24-Stunden-Rennen im Kartsport vorstellen?

Es ist im Prinzip ähnlich zum bekannten Nürburgringrennen, allerdings natürlich in kleinerer Ausführung. Strecke und Reglements variieren dabei. Im Falle von Wasserburg am Inn führte eine Runde sowohl über die Hallenanlagen als auch über den Außenbereich und war knapp einen Kilometer lang. Es war die bereits 20. Auflage des Rennens und zog 24 Teams aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz an. Unser Team bestand dabei aus fünf Mitgliedern und wechselte sich im Durchschnitt alle 70 bis 80 Minuten mit dem Fahren ab. Es gibt zudem keinen klassischen Boxenstopp mit Reifenwechsel oder Ähnlichem, da sich die Reifen auf dem glatten Untergrund kaum abnutzen.

Einen weiteren Sieg konnten Sie beim ersten internationalen Elektro-Kartrennen in Schluchsee feiern. Führt auch im Kartsport der Trend zum Elektroantrieb?

Die meisten Kartbahnen, die heutzutage neu eröffnen, bekommen meist nur noch eine E-Kart-Zulassung. Auch ältere Kartbahnen haben inzwischen weitestgehend umgerüstet. Die Elektro-Karts sind zwar umweltverträglicher und fahren teils sogar besser als Karts mit Verbrennungsmotoren, jedoch leider nicht lange. Man merkt schon nach einer halben Stunde, dass die Akkus langsam abbauen. Mir persönlich fehlt da auch der Sound, der zum Motorsport einfach dazugehört.

Nun haben Sie nicht nur an diesen beiden Rennen erfolgreich teilgenommen, sondern auch zahlreiche andere Turniere gewonnen. Diesbezüglich lautet Ihr persönliches Motto „Der Zweite ist der erste Verlierer“. Woher kommt dieser Ehrgeiz?

Du musst für diesen Sport ehrgeizig sein, das ist auch mein Anspruch. Wenn meine Kollegen und ich ein Rennen gegeneinander fahren, dann scherzen wir davor natürlich auch ein bisschen und haben unseren Spaß, aber sobald wir unsere Helme aufsetzen, will natürlich jeder gewinnen.

Haben Sie nach all diesen Erfolgen überhaupt noch Ziele?

Ich war europaweit bereits auf 118 Kartstrecken unterwegs, auf manchen auch schon mehrmals. Der Reiz geht dabei so langsam verloren. Ich freue mich jedoch auf die Europameisterschaft nächstes Jahr in Holland, wo mich eine neue Strecke und neue Leute erwarten. Ansonsten muss gesagt werden, dass auch ich nicht jünger werde. Ich habe meine Kart-Aktivitäten in den letzten Jahren sehr zurückgeschraubt, da ich inzwischen eine Familie gegründet habe und beruflich sehr eingespannt bin; da fehlt dann natürlich die Zeit, regelmäßig zu trainieren.

Wenn Sie vom Trainieren sprechen: Inwiefern spielt beim Kartsport die Fitness eine wichtige Rolle?

Der Kartsport wird immer belächelt, aber es ist ein Leistungssport. Du musst die ganze Zeit über höchst konzentriert sein. Das ist ein Zustand permanenter Anspannung. Kondition ist ebenso wichtig, gerade bei Langstrecken, wo man über einen längeren Zeitraum sein Niveau aufrechterhalten muss. Das geht vor allen Dingen in die Unterarme und in die Schultern. Wenn wir da eine Stunde am Fahren sind, können wir danach unsere Shirts auswringen. Das ist kein Pillepalle, wie die meisten immer denken.

Sie sind auch schon Tourenwagen gefahren. Wo bestehen dabei die größten Unterschiede?

Im Prinzip ist Kartfahren das kleine Einmaleins des Motorsports. Auch große Motorsportler wie Vettel oder Schumacher haben im Kartsport begonnen. Es vermittelt einem ein gutes Gefühl für Kurven und Geschwindigkeit. Letzteres ist eigentlich auch der einzige Unterschied. Ein Kart erreicht natürlich nicht die Spitzenwerte wie beispielsweise ein Formel-1-Wagen.

Bereits erwähnt hatten Sie, dass der Kartsport meist belächelt wird. Gibt es im Motorsport eine Art Klassenkampf? Schauen Tourenwagen- oder Formel 1-Fahrer auf Kartsportler herab?

Da gibt es sicher ein paar Fahrer, die sich was darauf einbilden, aber da die Meisten ja mit dem Kartsport angefangen haben, kommt das eher selten vor. Der Kartsport wird ja auch als Sprungbrett genutzt. Reich wirst du damit nicht und es wird auch immer eine Nische bleiben, aber wenn du Glück hast, wirst du dort vielleicht eben auch entdeckt und zu Größerem berufen.

Nun sind Sie seit mehr als 20 Jahren im Kartsport tätig. Wie kam Ihr Interesse daran zustande?

Das begann schon zu Schulzeiten. Ich wohnte damals in der Liedermatte und war oft mit meinen Freunden am Rhein angeln. Eines Abends liefen wir an einer alten Fabrikhalle am Auweg vorbei und wunderten uns, warum diese so hell beleuchtet war. Es wurde uns gesagt, dass hier eine Kartbahn eröffnet werden soll und ob wir nicht mithelfen wollen beim Aufbau. So bin ich quasi einer der Mitbegründer der Waldshuter Kartanlage und so entstand dann auch meine Begeisterung für diesen Sport.

Hat Waldshut eine aktive Kartszene?

Es gab mal einen Kartclub, der wurde jedoch schon wieder aufgelöst. Es muss einfach jeder mitziehen, um so einen Verein am Leben zu erhalten. Die Kartbahn hingegen wird fleißig genutzt, sei es für freizeitliche Zwecke oder auch professionell. So finden dort einige Rennen statt, darunter auch der Schwarzwald-Cup. Das ist eine Indoor-Kartmeisterschaft, die sich speziell an Junioren richtet. Auch Formel-1-Fahrer Pascal Wehrlein hat daran teilgenommen. So wird gleichzeitig die Nachwuchsarbeit unterstützt. Jeder, der interessiert ist, ist herzlich dazu eingeladen, der Kartbahn einen Besuch abzustatten.

Zur Person

Thomas Schaller (36) ist in Waldshut aufgewachsen und hat eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker absolviert. Seit seinem Zivildienst im Reha-Zentrum Christiani ist er dort als Werkstattleiter tätig. Heute ist er verheiratet und lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in Attlisberg. 2015 hat er mit dem Team-Kart-Cup sein eigenes Kartturnier ins Leben gerufen. Informationen im Internet: www.tkc-sued.de

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