Die Suche nach einem atomaren Endlager im grenznahen Opalinuston nimmt allmählich Konturen an. Nachdem die Nationale Genossenschaft zur Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) in einer ersten Etappe die möglichen Standorte im bis zu 600 Meter tiefen Tongestein herausgefiltert hat, sollen jetzt die Standortregionen ihre Bedenken abgeben. Dem dienen die Regionalkonferenzen wie die Bözberger Regionalkonferenz Jura Ost. Sie vertritt bei der Suche nach einem Standort für ein Schweizer Atomendlager die Interessen der möglichen Standortregion südlich von Laufenburg. Das Gremium diskutiert das Für und Wider nicht nur in der Theorie. Seine Mitglieder orientieren sich auch an der Praxis: 30 der 95 Konferenzteilnehmer, darunter auch Vertreter der deutschen Anrainergemeinden Laufenburg, Albbruck und Wehr, besuchten dazu ein seit 20 Jahren in Betrieb stehendes Endlager in Frankreich – das Centre de l'Aube nahe des lothringischen Dorfes Soulaines-Dhuy.
„Viele in der Region glauben, die Schweiz sei das erste Land, das ein Endlager bauen will. Doch es gibt schon bestehende. Wir bieten unseren Mitgliedern Gelegenheit, sich in einem solchen zu informieren“, sagte Ueli Müller, der Vize-Präsident der Regionalkonferenz Jura Ost. Die Informationsfahrt geschah nicht ohne zeitlich bedingten Grund: Am Ende dieses Jahres soll die Regionalkonferenz eine Aussage machen, wo, falls die Region Bözberg Endlagerstandort werden sollte, die Oberflächenanlage, also die Zugangsbauwerke und die Umlade- und Verpackungsstation für das Endlager hinkommen sollte.
Wie so ein Endlager, allerdings nur eines für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, an der Erdoberfläche aussieht, bekamen die Bözberger im Centre de l'Aube, rund 200 Kilometer westlich von Freiburg, vor Augen geführt: Dort wird der Atommüll bereits endlagerfähig vorbereitet oder noch behandlungsbedürftig angeliefert. Zudem wird der strahlende Abfall an der Erdoberfläche endgelagert – in hausgroßen Betonkästen. Die drei Stockwerke hohen und dicht nebeneinander stehenden Betonbauwerke werden mit dem in Zementblöcken oder Fässern eingeschlossenen Atommüll gefüllt, mit Beton verschlossen und später in Partien zu 50 oder 60 mit Plastikfolie überzogen und mit Erde zugeschüttet. Die so entstehenden Erdhügel werden dann begrünt und von der Endlagerbetreiberin Andra (L'Agence nationale pour la gestion des déchets radioactifs) 300 Jahre lang überwacht. Das noch zu bauende Schweizer Endlager sieht im Gegensatz zu Frankreich nicht nur für hochradioaktive, sondern auch für schwach- und mittelradioaktive Abfälle Tiefenlagerung vor. Ein Tiefenlager für hochradioaktive Abfälle sieht auch Frankreich vor. Die Andra will es rund 50 Kilometer östlich vom Centre de l'Aube bauen, in Bure – Luftlinie 150 Kilometer von Freiburg im Breisgau entfernt.
Kritik regte sich indessen am Vorgehen der Nagra bei ihrer Suche nach einem geeigneten Standort. Erst kürzlich warf ein Nuklearexperte den Schweizer Atombehörden, darunter auch der Nagra, Filz vor. „Die Suche nach einem Tiefenlager für Atommüll läuft aus dem Ruder, doch alle Empfehlungen von uns unabhängigen Experten werden von den zuständigen Behörden in den Wind geschlagen“, sagte er.
