Kreis Waldshut Beatrix und Wolfgang Köster sprechen über die Spitalkrise im Landkreis Waldshut

Beatrix und Wolfgang Köster setzen sich mit dem Förderverein für das Spital in Bad Säckingen ein. Sie fordern, dass endlich die Sanierung dort beginnt.

Herr und Frau Köster, wo würden Sie denn morgen in ein Krankenhaus gehen, wenn Sie morgen müssten?

Wolfgang Köster: Die Frage kann man ja so nicht beantworten. Chirurgisch kann man ja nach Säckingen nicht gehen, was bleibt da anderes übrig. Lörrach ist mittlerweile auch überlaufen, ich habe auch mit einem Notfallmediziner in Freiburg telefoniert, der sagte, wir laufen hier über.

Beatrix Köster: Weil Freiburg auch die kleinen Operationen, beispielsweise Blinddarm oder Galle, für uns machen muss.

Wolfgang Köster: Die Frage ist, wo soll man als Patient heute hingehen. Die stellen sich wirklich viele und sind ganz schön verzweifelt. Das sind auch die Ärzte, die es nicht mehr wissen. Fragen Sie mal die Allgemeinmediziner in Bad Säckingen und Umgebung, wo die gerne ihre Patienten hinbringen würden, die sagen auch, ich kann es Ihnen nicht sagen.

Wie stehen Sie eigentlich zum geplanten Zentralspital?

Beatrix Köster: Wir haben nichts gegen ein Zentralkrankenhaus, wenn die Gba-Richtlinien eingehalten werden. Das heißt: nicht mehr als 5000 Einwohner benötigen länger als 30 Minuten ins nächstgelegene Akut-Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung, es müssen Innere Medizin, Chirurgie und Anästhesie da sein. An sieben Tagen in der Woche, über 24 Stunden. Wenn der Landkreis Waldshut es schafft, einen zentralen Ort zu bringen, haben wir nichts dagegen.

Mit einem Zentralspital, vermutlich im Raum Dogern oder Albbruck, allein wird es aus Ihrer Sicht wohl nicht getan sein. Was bräuchte Bad Säckingen dann Ihrer Meinung nach in zehn bis 15 Jahren?

Beatrix Köster: Wenn das Zentralspital dann stehen würde, wäre es so, dass, wenn die Gba-Richtlinien nicht eingehalten werden, es immer noch sinnvoll wäre in Bad Säckingen ein Krankenhaus zu haben.

Wolfgang Köster: Wie soll man den westlichen Bevölkerungsteilen eine Versorgung bieten? Ist das Grundstück in Albbruck bei der ehemaligen Papierfabrik die Option? Da sehe ich große Fragezeichen, beispielsweise bei der Infrastruktur. Aber nehmen wir an, es wäre da. Was ist mit Wehr, Öflingen?

Aber gehen Patienten nicht immer dort hin, wo Sie wissen, da sind die Experten? Und nicht, wo es am nächsten ist?

Wolfgang Köster: Das ist die individuelle Betrachtung des Endverbrauchers. Ich würde wahrscheinlich auch nach Hamburg in die Endoklinik fliegen, und sagen, das sind die Perfektionisten. Ich kann mir das vielleicht leisten, aber kann sich Oma Gerda und Opa Willi das auch leisten? Wie kriegen wir denn die Normalbevölkerung versorgt und ich rede von den ganz normalen Operationen. Und was ist mit dem volkswirtschaftlichen Aspekt? Wir bringen unsere Umsätze nach draußen, nach Freiburg oder Basel oder weiter weg.

Wie müsste aus Ihrer Sicht die medizinische Versorgung im Landkreis Waldshut im Jahr 2030 aussehen?

Beatrix Köster: Aus meiner persönlichen Sicht könnte Waldshut ein Krankenhaus haben, das müsste dann aber weiter östlich sein, zum Beispiel in Lauchringen. Damit der östliche Teil abgedeckt ist, die sind jetzt schon die ganze Zeit außen vor.

Wolfgang Köster: Und Bad Säckingen ausbauen, und zwar über die Basisversorgung hinaus. Wenn dann noch dazu käme, dass wir zwei Hubschrauber-Landeplätze hätten, die nicht in der Innenstadt liegen, dann wäre das ja ganz grandios. Dann hätten wir einen Intensiv-Rettungshubschrauber vor Ort, der den Hochrhein mit abdecken könnte. Das heißt, in Bad Säckingen einen Unfallschwerpunkt zu bilden, wäre eine Option.

Können Sie denn die Sicht der Stadt Waldshut-Tiengen in der Spitäler-Diskussion nachvollziehen?

Wolfgang Köster: Selbstverständlich, da mache ich drei dicke Ausrufezeichen dahinter. Die Kopf- und Bauchschmerzen von Herrn Frank möchte ich auch nicht haben. Die Frage ist auf der einen Seite, was betriebswirtschaftlich sinnvoll ist. Deswegen ist der Sanierer Hans-Peter Schlaudt jetzt ja im Boot, der genau die Frage beantworten soll, wie man aus den roten Zahlen raus kommt. Und dann steht auf der anderen Seite aber die politische Verantwortung, wie der Kreis mit der Frage der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung hier um geht.

Sie haben Herrn Schlaudt schon angesprochen. Kürzlich gab es ein Treffen mit ihm, wie lief das?

Wolfgang Köster: Das Gespräch war gedacht als Vorgespräch für ein größeres Treffen, das wir Ende des Monats haben werden, wo wir im Prinzip unsere Informationen darlegen und auch ein kleines Stückchen Vergangenheitsbewältigung machen wollen. Das ganze Gejammer hilft uns nichts, wenn die Bevölkerung nicht versorgt ist – und zwar im gesamten Landkreis.

Aber Sie sehen sich schon eher als Kämpfer für Bad Säckingen?

Wolfgang Köster: Nein, uns geht es um die Gesundheitsversorgung im Landkreis. Dass Bad Säckingen ein wichtiger Part ist, wofür unser Herz brennt, ist keine Frage. Aber wir haben immer gesagt, Waldshut ist überlastet und kann das nicht aushalten. Und das haben auch die Bürger nicht verdient.

Beatrix Köster: Ich kann doch nicht in Bad Säckingen die Chirurgie zumachen und da alles übernehmen, ohne dass ich mehr chirurgische Räume und die notwendigen Betten habe. Da ist der zweite Schritt vor dem ersten gemacht worden.

Sind Sie froh, dass Herr Schlaudt da ist? Wie ist ihr erster Eindruck von ihm?

Beatrix Köster: Das ist wirklich ein positiver Eindruck, den wir von ihm haben.

Wolfgang Köster: Er ist ein offener Kommunikator. Ich kann das Konzept nachvollziehen, das er entwickelt. Dass er seine Schwerpunkte etwas anders setzen möchte als wir, finde ich auch normal. Seine primäre Aufgabe ist es, die Spitäler Hochrhein GmbH aus den roten Zahlen zu führen, das finde ich sehr ehrenwert. Die nächste Frage, die wir dann stellen, ist: was hat höchste Priorität? Und da sagen wir: die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung im Kreis, alles andere ist nachher eine Frage des Geldes. Dann muss gegebenenfalls auch Geld herangeschafft werden und geschaut werden, welche Quelle man noch auftun kann. In dem Zusammenhang steht immer noch die Frage im Raum: Wann endlich wird der Antrag für die 13 Millionen Euro gestellt und wann endlich kommt der Bagger? Damit die Leute Hoffnung haben, dass es weitergeht.

Was wäre Ihnen lieber für Bad Säckingen: die Sanierung des bestehenden Gebäudes oder den Vorschlag, den der Landrat ins Spiel gebracht hat, das Haus abzureißen und durch Modulbauweise zu ersetzen?

Wolfgang Köster: Neben der betriebswirtschaftlichen Seite, gibt es auch immer eine psychologische Komponente. Wenn das als Signal kommt, dann gehen auch die letzten. Das ist nämlich das Konzept, das Frau Jeitner in Miltenberg konzipiert hat. Neben der Klinik die Baracken aufzustellen und dann wurde dichtgemacht. Das wissen die Menschen ja. Die Mitarbeiter sagen, von der baulichen Struktur her, ist Säckingen ein sehr gutes Krankenhaus, weil es die Disziplinen sehr gut kommunizieren lässt. Dass in den letzten 20 Jahren nichts gravierendes mehr passiert ist, ist natürlich auch einem mangelnden, unaufmerksamen Management zuzuordnen.

Mit den 13 Millionen kann man in dem Haus eine Menge bewegen. Vor allem die OPs müssen wieder auf, es muss wieder operiert werden und wir müssen die Betten dazu haben. Damit ist auch der wirtschaftliche Druck nachher weg.

Wie groß ist denn Ihre Sorge, dass Sanierer Schlaudt zu dem Fazit kommt, ein Betrieb mit zwei Häusern kann nicht wirtschaftlich sein?

Wolfgang Köster: Das ist ja schon unter Kienbaum rausgekommen und wäre nichts Neues. Da bleibt für uns immer noch die Frage im Raum, wie bittschön, Herr Landrat und Kreisräte, wie stellt ihr die Gesundheitsversorgung sicher? Zeigt uns mal das Konzept auf. Machen wir dann ein Dreischicht-System in den OPs?

Beatrix Köster: Dann geht es ja nicht nur um Dreischicht-Systeme in den OPs, sondern hauptsächlich um die Innere- und die Intensivmedizin. Da bricht die Versorgung dann aber wirklich total zusammen, wenn Säckingen dicht gemacht wird, bevor etwas anderes da ist.

Was glauben Sie, warum die Zuschüsse noch nicht beantragt worden sind?

Beatrix Köster: Weil Frau Jeitner und Herr Frank Säckingen dicht machen wollten, am liebsten heute noch.

Aber den Antrag muss das Landratsamt stellen.

Wolfgang Köster: Aber die sind ja in enger Kommunikation. Das einfachste wäre, sie zu fragen, warum habt ihr den Antrag nicht gestellt. Weil ihr meint, ihr habt jetzt Asbest gefunden? Warum hat Minister Lucha wohl gesagt, stellt endlich den Antrag.

Würden Sie denn sagen, dass die Diskussion, auch von Ihrer Seite, manchmal zu emotional lief und eine sachlichere Ebene besser gewesen wäre?

Beatrix Köster: Sobald eine Betroffenheit da ist, geht es in die Emotion rein, das kann man nicht unterbinden.

Wolfgang Köster: Wenn ich argumentiere, dass, wenn wir Bad Säckingen zu machen, wir nur noch 218 Betten auf 100 000 Einwohner haben, und uns damit auf auf dem Niveau von Swasiland bewegen, ist das natürlich eine emotionale Aussage. Das ist mir auch klar, aber das ist ja auch ein Stück weit gewollt. Das soll ja auch was auslösen. Nämlich Betroffenheit, dass wir hier unterversorgt sein könnten.

Wie wäre Ihr Traumszenario rund um die Spitäler für die nächsten Monate?

Wolfgang Köster: Dass die Frage der Trägerschaft schnellstens geklärt wird.

Und die optimale Gesundheitsversorgung im Landkreis?

Beatrix Köster: Bad Säckingen als Bürgerspital.

Wolfgang Köster: Ich würde Bad Säckingen abtrennen und als eigenständiges Spital betreiben, in eigener Verantwortung. Mit dem Kreis mit 49 Prozent und den Rest würde ich verteilen auf Stadt, Bürgerschaft und Sponsoren. Dann würden wir natürlich richtig Gas geben und als Förderverein die Werbetrommel rühren und aufzeigen, was für tolle Leistungen im Säckinger Bürgerspital angeboten werden, von welchen qualifizierten Ärzten, in einer wunderschönen Landschaft, wo es sich gut gesund werden lässt.

Wie soll sich die Stadt mit ihrer angespannten Haushaltslage das leisten?

Wolfgang Köster: Zur Finanzierung kann man verschiedene Modelle wählen. Entscheidend ist jedoch die schnelle Handlungsfähigkeit im operativen Geschäft – was sich in der Gegenwart bei der Spitäler GmbH als Problem erweist. Im ersten Schritt muss ein wirtschaftlich tragendes Konzept entwickelt werden, in dem die angebotene medizinische Bandbreite definiert wird. Hierzu wird der Förderverein auch auf externen Sachverstand zugreifen. Wir verweisen gerne auf das „Spremberer Modell“, welches seit 20 Jahren in Bürgerhand ist und immer „schwarze Zahlen“ geschrieben hat.

Zu den Personen

Beatrix und Wolfgang Köstersind Vorstandsmitglieder des Fördervereins Pro Spital Bad Säckingen. Beatrix Köster ist seit 2004 Mitglied und mittlerweile Vorsitzende, ihr Mann Wolfgang ist Schriftführer. Der Verein besteht seit dem Jahr 2003 und hat knapp 1400 Mitglieder. Er benannte sich im März dieses Jahres von "Förderverein für das Spital Bad Säckingen" um in "Förderverein Pro Spital Bad Säckingen" und wurde damit stärker politisch aktiv.

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