Mein
 

Waldshut-Tiengen Atomkraftwerk Leibstadt: Panne bei Notkühlsystem

Eines der vier Notkühlsysteme im Schweizer Atomkraftwerk Leibstadt war über einen Zeitraum von rund elf Tagen nicht betriebsbereit. Das Vorkommnis, das bei einer regelmäßigen Überprüfung aufgefallen war, ist von der Atomaufsicht mit Stufe 1 der achtteiligen internationalen Skala für nukleare Ereignisse bewertet worden. Die Behörde spricht von unzureichender Wartung.

Ein Vorkommnis, bei dem im Kernkraftwerk Leibstadt (KKL) gleichzeitig beide Pumpen eines Notkühlsystems nicht funktionsfähig waren, ist von der Schweizer Atomaufsicht mit Stufe 1 der achtteiligen internationalen Skala für nukleare Ereignisse bewertet worden. Die Behörde informierte Anfang Januar über diese Klassifizierung und spricht von unzureichender Wartung.

Der Fall, über den das KKL auch selbst in seiner Medienmitteilung über den Betriebsverlauf 2015 berichtete, geht auf das Jahr 2014 zurück. Von dem Vorkommnis betroffen war das sogenannte SEHR-Notstandssystem. Dies soll bei Störfällen als zusätzliche Sicherheitsreserve dienen. Laut Bericht des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) hat der Ausfall zweier Grundwasserpumpen für das gesamte SEHR-System zu einer „latenten Nichtverfügbarkeit“ von insgesamt rund 263 Stunden geführt, also knapp elf Tagen. Das Ensi über die Bedeutung der Aggregate: „Die Grundwasserpumpen sind notwendig, um eine ausreichende Kühlung der Komponenten des jeweiligen Notstandssystems zu gewährleisten und um die Nachwärmeabfuhr aus dem Reaktor aufrecht zu erhalten, wenn die übrigen Kühlsysteme ausfallen.“

Der Betrieb des Atomkraftwerks gegenüber Waldshut sei durch die Pannen nicht beeinträchtigt worden, so das Ensi. Alle sogenannten Kernnotkühlsysteme seien uneingeschränkt verfügbar gewesen. Wie aus der Bewertung der Atomaufsicht hervorgeht, bestand jedoch rechnerisch während des betreffenden Zeitraums ein leicht erhöhtes Risiko im Fall einer Reaktorstörung: „Das Vorkommnis führte zu einer geringfügigen Reduktion der nuklearen Sicherheit“, so das Ensi. Der Fall wurde denn auch mit der Stufe 1 auf der achtteiligen internationalen Skala für nukleare Ereignisse bewertet.

Die Funktionsunfähigkeit der Aggregate war im Rahmen der regelmäßigen Überprüfungen aufgefallen. Das Ensi: „Ursache für die Ausfälle waren elektrische Leistungsschalter der Grundwasserpumpen. Es hat sich gezeigt, dass die Ausfälle durch eine unzureichende Wartungsplanung in Kombination mit einer Überschreitung der Wartungsintervalle begünstigt wurden.“

Das Atomkraftwerk teilte auf Anfrage dieser Zeitung zu Ursache und Konsequenzen mit: „Aufgrund eines Fehlers im EDV-Instandhaltungsprogramm wurde die Wartung nicht fristgerecht durchgeführt und damit das Wartungsintervall überschritten. Der Softwarefehler wurde gefunden und behoben.“

 

Unterirdische Grundwasserpumpen

 

Im Normalbetrieb (der von der Panne beim Notkühlsystem nicht betroffen war) wird das Kernkraftwerk Leibstadt (KKL) durch Flusswasser aus dem Rhein gekühlt. Monumentales Erkennungszeichen dieser Technik ist der 144 Meter hohe Kühlturm mit der Dampffahne, deren Länge wetterabhängig schwankt. Das Atomkraftwerk hat am 15. Dezember 1984 seinen Dauerbetrieb aufgenommen.

 

Notkühlung: Das Kernkraftwerk verfügt laut seiner technischen Beschreibung über vier voneinander unabhängige Notkühlsysteme. Dazu gehört auch die SEHR-Anlage, die von der Panne im Jahr 2014 betroffen war. Der Begriff steht für die englischen Worte Special Emergency Heat Removal (auf Deutsche etwa: Spezial-Notfall-System zur Hitzeableitung) und bezeichnet eine aus zwei unabhängigen Komponenten bestehende und mit Grundwasserpumpen ausgestattete Anlage. Das KKL in der technischen Beschreibung: „Das SEHR-System gewährleistet, dass sich der Reaktor ohne Eingriffe der Betriebsmannschaft während Stunden sicher kühlen lässt. Zum Schutz gegen Einwirken von außen ist das SEHR-System unterirdisch angelegt.“

 

Die Internationale Skala INES (International Nuclear and Radiological Event Scale) für die Bewertung nuklearer und radiologischer Ereignisse umfasst diese acht Stufen (Quelle: Deutsches Bundesamt für Strahlenschutz): 0=Ereignis ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung; 1=Störung; 2=Störfall; 3=ernster Störfall; 4=Unfall; 5=ernster Unfall; 6=schwerer Unfall; 7=Katastrophaler Unfall (wie in Tschernobyl und Fukushima). Ab Stufe 3 liegt eine schwere Verstrahlung des Personals und eine Freisetzung von radioaktivem Material vor. (ger)

Exklusive Lieblinge aus unserer limitierten SEEStück-Kollektion für echte See-Liebhaber jetzt auf SÜDKURIER Inspirationen entdecken!
Hallo Frühling – Neue Produkte bei SÜDKURIER Inspirationen!
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Waldshut
WaldshutTiengen
Die besten Themen
Kommentare (1)
    Jetzt kommentieren