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Waldshut-Tiengen „Respekt vor dem Tier“

07.11.2011
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Auf einen Kaffee mit… Andrea Girsch. Die 39-Jährige ist Vorsitzende des Tierschutzvereins Waldshut-Tiengen und Umgebung, der im Ortsteil Breitenfeld ein Tierheim betreibt.Wie sind Sie zum Tierschutz gekommen?Vor 20 Jahren habe ich wiederholt Filme im Fernsehen gesehen, wo über die schrecklichen Zustände in den Schlachthöfen und in der Massentierhaltung berichtet wurde.Und wie ergab sich dann das praktische Engagement?In meiner Heimatstadt Fulda habe ich mich einer Tierrechtsorganisation angeschlossen.

An meinem späteren Wohnort Villingen war ich dann ebenfalls im Tierschutz engagiert. Nach meinem Umzug an den Hochrhein bin ich dem Tierschutzverein Waldshut-Tiengen und Umgebung beigetreten.

Welche Motivation bewegt Sie bei Ihrer Arbeit als Tierschützerin?

Es ist wichtig, allen Geschöpfen Respekt zu zollen. Warum behandeln wir Haustiere besser als Tiere, die wir zur Fleischproduktion halten? Für mich ist Tierschutz aber auch Menschenschutz. In der Zeit, in der ich diesen Satz sage, verhungert ein Kind in der Dritten Welt. Es ist belegt, dass es wegen der Futterproduktion einen Zusammenhang zwischen Armut in Entwicklungsländern und unserem Fleischkonsum gibt.

Will die Masse der Verbraucher so etwas überhaupt hören?

Die Biobranche, wo die Tiere besser gehalten werden, verzeichnet einen Boom. Und es ist ein gutes Zeichen, wenn unsere Verbraucherministerin Ilse Aigner dazu aufruft, weniger Fleisch zu essen.

Wie weit geht bei Ihnen selbst der Verzicht?

Ich habe für mich die moralische Entscheidung getroffen, kein Fleisch mehr zu essen. Ich verzichte aber auch auf alle anderen tierischen Produkte und trage bewusst keine Lederschuhe. Nur meinen alten Ledergürtel benutze ich noch.

Erinnern Sie sich an einen besonders schlimmen Vorfall bei Ihrer Arbeit als Tierschützerin?

In Villingen waren wir mal am Tatort eines Pferdeschlitzers. Das war ein furchtbarer Anblick. Ich frage mich, was in den Köpfen von solchen Leuten vorgeht. Die Augen des Pferdes, das noch gelebt hat und eingeschläfert werden musste, werde ich nie vergessen.

Zu Ihrer Tätigkeit im Tierschutzverein Waldshut-Tiengen: Wie hat sich die Lage nach dem schwierigen Vorstandswechsel und Neuanfang im Jahr 2009 entwickelt?

Wir können sehr zufrieden sein. Das Tierheim haben wir renoviert. Wegen Platzmangel wollen wir nun den Dachboden ausbauen. Momentan fehlen uns dazu aber die finanziellen Mittel.

Wie steht es um das Projekt gegen die Taubenplage in Waldshut, an dem der Tierschutzverein beteiligt ist?

Demnächst wird der Taubenschlag fertig gestellt. Dort werden den brütenden Vögeln Gipseier untergeschoben, damit sie sich nicht mehr so stark vermehren. Denn die Stadttauben brüten bis zu acht Mal im Jahr unabhängig vom Nahrungsangebot.

Fragen: Roland Gerard

"Tierschutz ist Menschenschutz"
Welthunger
Für die Produktion von einem Kilo Fleisch braucht man 16 Kilo Getreide.
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